Gut sechs Jahrzehnte Bandgeschichte: Wo soll man anfangen? Streifzug durch die Diskografie einer unverwüstlichen Band.
London (skb) - Seit mehr als einem halben Jahrhundert sind die Rolling Stones inzwischen aktiv. Diese lange Zeit brachte eine umfangreiche, teils auch recht verwirrende Diskografie hervor. Wer nicht so ganz weiß, wo anfangen, was man unbedingt hören sollte und was man getrost weglassen kann, findet hier ...
... alle Rolling Stones-Alben im Ranking.
1964 starteten sie als Bad Boys. Andrew Long Oldham inszenierte die Stones als Gegenentwurf zu den braveren Beatles. Ende der 1970er kippte jedoch das Bild. Mit Mitte dreißig galten die Bandmitglieder plötzlich als alte Säcke, die doch bitte schnellstmöglich mit der Musik aufhören sollten. Eine Forderung, die sie bis heute bei jedem neuen Album, jedem Veröffentlichung, jedem Konzert begleitet. Mehr als sechs Jahrzehnte nach ihrem ersten Release sollte allerdings klar sein, dass nur die Zeit über die Macht verfügt, diese Band aufzulösen.
Die vielen angesammelten Jahrzehnte stecken voller Musik und Geschichten. Über kaum eine andere Band gibt es so viel zu erzählen. Über kaum eine andere Band wurde so viel erzählt. Wer sich durch die Diskografie der Rolling Stones arbietet findet vor allem Musiker, die erstaunlich lange neugierig blieben. Immmer wieder trieb das Spannungsfeld zwischen dem nach Trends Ausschau haltenden Mick Jagger und dem Traditionalisten Keith Richards die Dynamik voran.
Nur eine Rock-Band? Von wegen!
Während ihr Namen in den meisten Köpfen wohl den typische Stones-Rock erklingen lässt, spielten und liebten sie den Blues. Ihre Alben stecken voller R'n'B, Rock'n'Roll, Hard Rock, aber auch Soul, Gospel, Country, Folk, Psychedelic und Baroque Pop, Funk, Reggae und Disco. Selbst Punk, New Wave, Trip Hop und World Music hinterließen Spuren im Sound. Eine Neugierde, die nicht immer in Meisterwerken endete, aber immer da war.
"Aftermath" ist nicht gleich "Aftermath"
Das Ranking fällt allerdings etwas komplizierter aus als bei anderen Acts. "Aftermath" ist nicht gleich "Aftermath". Die frühen Alben erschienen in Großbritannien und den USA häufig in grundlegend unterschiedlichen Ausgaben. Songs und Reihenfolge konnten stark variieren, den Charakter des Albums ändern oder ganze Fantasiealben erschaffen. Welche davon nun die besseren sind, darüber streiten sich Fans seit Jahrzehnten. Erst mit "Their Satanic Majesties Request" endete dieses Drama. Um wirklich alle Varianten zu berücksichtigen, finden sich deshalb immer beide Versionen des Longplayers in der Liste.
Herz und Seele, Farben, Eleganz ... und Probleme
Acht Musiker prägten das langlebige Wesen namens Rolling Stones. Der Geschäftsmann Mick Jagger. Die Seele Keith Richards. Charlie Watts, das Herz. Brian Jones brachte die Farben, Mick Taylor die Eleganz. Ronnie Wood entwickelte sich zum kumpelhaften Klebstoff, ohne den die Nummer lange durchgewesen wäre. Bill Wyman, der Problemfall, der in seinen Vierzigern eine Beziehung mit der damals 13-jährigen Mandy Smith begann. Dazu kam der unsichtbare Ian Stewart, der von Andrew Loog Oldham geschasst wurde, nur um den Rolling Stones bis zu seinem Tod treu zu bleiben.
Neben ihren ganzen großartigen Songs über Liebe, Verlust, Einsamkeit, Drogen, gesellschaftliche Konflikte und den ganzen menschlichen Schlamassel steht einiges, das bereits damals provozierte und heute noch unangenehmer wirkt: Frauenfeindlichkeit, Gewalt, Rassismus und der bewusste Spaß an der Grenzüberschreitung gehören ebenfalls zu dieser Geschichte.
Manche Texte sorgten schon bei ihrem Release für Diskussionen. Um die härtesten Passagen schönzureden, müsste man schon sehr verblendet sein. Besonders ärgerlich, wenn die Musik genau in diesem Moment am besten funktioniert. Es bleibt jeder Person selbst überlassen, wie sie damit umgehen will. Vielleicht gehört genau dieser Widerspruch aber zu einer Band, die nie viel Wert darauf legte, sonderlich sympathisch zu wirken.





















1 Kommentar
Ich mag ja so ranking Listen immer sehr