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Platz 32: Dirty Work

Um fair zu bleiben: Nahezu alle Acts der 1960er- und 1970er-Jahre hatten kreative Probleme mit den 1980ern. Statt dreckigem Rock'n'Roll regierten plötzlich Neonfarben, Hall auf den Drums und die große Geste. Die Rolling Stones waren endgültig nicht mehr die jungen Wilden, sondern Anfang 40. Für viele Teenager bereits die Opas der Rockmusik. Die Frage lautete längst nicht mehr, ob sie noch relevant sind, sondern wie lange das überhaupt noch gutgehen soll. Wie wir heute wissen: erstaunlich lange.

Das eigentliche Problem saß jedoch nicht außerhalb der Band, sondern mitten in ihr. Nie waren sich Mick Jagger und Keith Richards spinnefeinder als während der Arbeiten an "Dirty Work". Jagger wollte nach "She's The Boss" lieber an seiner Solokarriere arbeiten, Richards fühlte sich im Stich gelassen. Für ihn standen die Stones immer an erster Stelle. Zeitweise balancierte die Zukunft der Band nicht mehr am Abgrund, sondern war bereits zwei Schritte darüber hinaus.

Diese Wut spiegelt sich durchaus in den Songs, schränkte gleichzeitig aber die Kreativität ein. Die vielleicht größte Leistung von "Dirty Work" besteht darin, gleichzeitig wütend und erschöpft zu klingen. Irgendwo zwischen dem Songwriting und den Aufnahmen hatte sich der Zorn längst in Resignation verwandelt. Die Bandmitglieder gingen sich im Studio meist aus dem Weg, Charlie Watts fehlte aufgrund seiner Heroin- und Alkoholprobleme zeitweise sogar komplett.

Dabei bringt ausgerechnet der Opener "One Hit (To The Body)", größtenteils von Ron Wood und Keith Richards geschrieben, die damalige Situation perfekt auf den Punkt. Das Gitarrensolo steuert Jimmy Page bei. Im Musikvideo gehen sich Jagger und Richards regelrecht an die Gurgel. Es fehlt nicht viel, man glaubt, hier spritzt gleich das Blut in hohen Fontänen.

"Harlem Shuffle" macht zwar Spaß, setzt als erste Single und dazu noch als Coverversion aber auch ein deutliches Zeichen dafür, wie es um die kreative Verfassung der Band bestellt ist. "Sleep Tonight" gehört zu Keith Richards' schönsten Gesangsmomenten, versinkt aber wie vieles auf "Dirty Work" in einer kraftlosen, völlig untypischen 80er-Jahre-Produktion.

"Dirty Work" ist das Dokument einer Band in ihrer größten Krise. Vieles klingt wie lustlose Variationen früherer Ideen, die eine überladene Produktion unter sich begräbt. Es funktioniert weniger als gelungenes Stones-Werk, sondern vielmehr als Zeitdokument einer Band am Ende, deren Mitglieder sich in dieser Phase vermutlich lieber gegenseitig erwürgt hätten, als gemeinsam ein Album aufzunehmen.

Es sollte zudem das letzte Album mit dem einst auf Wunsch von Manager Andrew Loog Oldham aus der Band geworfenen Pianisten und Gründungsmitglied Ian Stewart werden. Stewart starb am 12. Dezember 1985, nur wenige Monate vor der Veröffentlichung der Platte, an einem Herzinfarkt. Im 33 Sekunden langen Blues-Standard "Key To The Highway" ist er zum Abschluss von "Dirty Work" ein letztes Mal zu hören.

Für die Playlist: "One Hit (To The Body)"
Für die Tonne: "Back To Zero", "Winning Ugly", "Had It With You"

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