Platz 4: True Blue (1986)
Vorneweg: Das überirdisch schöne Coverfoto von Starfotograf Herb Ritts, das Madonna im Profil zeigt, ist nicht nur eine schlaue Fortführung ihres Spiels mit Marilyn Monroe (wir erinnern uns an den ikonischen 1984er Clip zu "Material Girl"), sondern auch die Zementierung eines neuen Images – cool, selbstbestimmt und mit der klaren Vision, wie man Pop-Art für die Geschichte macht. Der offen homosexuelle Amerikaner, der vor allem für seine ikonischen Schwarzweiß-Fotografien bekannt wurde, arbeitete bereits auf "Like A Virgin" mit Madonna zusammen, drehte später ihr "Cherish"-Video und steht Pate für viele der schönsten Fotos ihrer Karriere. Er starb 2002 mit nur 50 Jahren.
Madonnas drittes Album "True Blue" enthält nicht nur ungewöhnliche Pop-Sujets (z.B. Teenagerschwangerschaft im kontrovers diskutierten "Papa Don't Preach"), sondern auch vielfältige Musikstile – satten Latin-Pop in "La Isla Bonita", klirrenden Synth-Pop in "Open Your Heart" oder süßen Doo-Wop sowie 60s-Girlgroup-Sound in "True Blue". Herzstück des Albums - und für viele der beste Madonna-Song aller Zeiten - ist die atmosphärisch dichte und dramatische Ballade "Live To Tell", geschrieben von ihr und Patrick Leonard (der später noch mit Pink Floyd und Leonard Cohen arbeitet). Ein Song über Misstrauen und das Lernen aus vergangenen Fehlern war nicht das, was von man Madonna 1986 erwartet hätte, eine radikale Abkehr von Songs wie "Material Girl".
Mit ihrem damaligen Ehemann Sean Penn noch im siebten Himmel, promotet "Live To Tell" als Soundtrack-Juwel dessen aktuellen Film "At Close Range". Leben, um davon zu erzählen - so auch das Motto des Albums, das Madonna als Interpretin persönlicherer Storylines noch populärer macht - eine Wonderwoman des Pop, die Songwriterin, Marketing-Genie, Provokateurin sowie Produzentin und Regisseurin ihres eigenen Lebens ist.
Anspieltipps:
"Live To Tell", "True Blue", "La Isla Bonita", "Papa Don't Preach"
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