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Platz 6: Erotica (1992)

Plötzlich läuft etwas schief im Hause Ciccone. Bis 1992 konnte Madonna veröffentlichen, was sie wollte, und es funktionierte. Dabei gelang ihr stets ein gelungener Spagat zwischen Provokation und perfektem Pop. Auch die zwischen "Like A Prayer" und "Erotica" veröffentlichten "Vogue", "Justify My Love" und "This Used To Be My Playground" eroberten die Charts. Doch mit der gleichzeitigen Veröffentlichung des erotischen Coffee-Table-Buchs "SEX" und des Albums "Erotica" verursacht der erotische Overkill nicht nur ein Schwanken des Gleichgewichts, sondern bringt es gewaltig ins Straucheln. Erstmals verkauft sich ein Album schlechter als ihr Debütalbum von 1983.

Wie so oft in der Pop-Historie zeigt sich die Klasse eines Albums erst, wenn sich der viel zu große Trubel legt. So auch hier. Hinter Madonnas kalkulierter Provokation verbirgt sich in Zeiten der AIDS-Krise weniger Hedonismus als das Bestreben, Themen wie Lust, Macht, Verlust und Einsamkeit neu auszuhandeln. "Erotica" selbst wirkt heute weit weniger skandalös.

Vielmehr liefert Madonna ein kosmopolitisches Geflecht aus House-, Soul- und New-Jack-Swing-Tracks – mit einigen Längen, aber auch großartigen Stücken wie dem unterkühlt-erotischen Titeltrack, dem Banger "Deeper And Deeper", dem von ihrer Trauer um zwei an AIDS verstorbene Freunde getragenen "In This Life" oder der Ballade "Rain", die bis heute jedes Madonna-Album bereichern würde.

Im Veröffentlichungsjahr wirkte "Erotica" jedoch komplett überzogen. In Wahrheit war Madonna nie wieder so radikal, so sehr ihrer Zeit voraus. Mittlerweile erweist es sich als Dokument der wohl faszinierendsten Phase in der Entwicklung der Sängerin, in der sie erstmals strauchelte. Ein kompromissloses Album, das den Mainstream nicht mehr erreichte und in dem sich gerade deshalb Perlen verstecken.

Anspieltipps:

"Deeper and Deeper", "Erotica", "Rain"

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