Platz 9: Bedtime Stories (1994)
Nachdem Madonna mit "Erotica" und dem Coffee-Table-Book "SEX" das erste Mal ins Straucheln geraten ist, gilt es zwei Jahre später mit "Bedtime Stories" zunächst, das Vertrauen der Fans zurückzugewinnen. Dementsprechend zeigt sie sich auf ihrem sechsten Album fast schon lammfromm, zeitweise gar langweilig. Natürlich darf hier und da mit Erotik gespielt werden, ein großer Skandal bleibt aber aus. Diesmal heißt es: Bloß niemanden erschrecken. Menschen zurückgewinnen.
Das bedeutet noch lange nicht, dass Madonna keine für sie ungewohnten Wege geht. Vielmehr setzt sie ganz auf die damals angesagte Form des zeitgenössischen R'n'B, holt sich Produzenten wie Babyface, Dallas Austin und Nellee Hooper an Bord. Im Mittelpunkt stehen Balladen, gedämpfte Beats, samtige Harmonien und verletzliche Texte. Hinzu kommt mit dem Titelsong eine Zusammenarbeit mit der nach ihrem erfolgreichen "Debut"-Album gerade besonders angesagten Björk.
Mit der sehnsüchtigen Single "Take A Bow" inklusive stierkampfromantisierendem Video (buh!) gelingt ihr das gewünschte Comeback in ruhigere Gefilde. Das hält sie aber nicht davon ab, im Video zum selbstbewussten "Human Nature", dem besten Stück des Albums, wieder in Latex und Leder aufzutreten. Oder wie Madonna gleich zu Beginn von "Bedtime Stories" in "Survival" singt: "I'll never be an angel / I'll never be a saint, it's true."
"Bedtime Stories" kann man vieles vorwerfen, aber sicher nicht Etikettenschwindel. Madonna mag rückblickend bessere Alben geschaffen haben, aber keines ist kuscheliger. Vielmehr stellt es umgeben von "Erotica" und "Ray Of Light" ein Auge des Sturms dar, in dem die Sängerin für einen kurzen Moment Ruhe findet. Ein leider oft übersehener Zwischenschritt, der ihr wieder auf die Beine half.
Anspieltipps:
"Secret", "Human Nature", "Take A Bow"
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