Von musikalischen Schneelandschaften bis zur akustisch rekonstruierten Kindheit: Ambient ist mehr ist als nur gefälliges Gedudel für Nebenbei.

Deep Space (ynk) - Ambient ist ein seltsames Genre. Der Gründungsmythos anderer Genres klingt nicht unbedingt so: 'Es gab mal ein großes Rap-Urgenie, das sich gedacht hatte, das Rap ein Genre sein sollte und deswegen das formierende Album "Rap 1: Jetzt wird gerappt" veröffentlicht hat'. Genau so fühlt sich die Geschichte von Ambient aber an. Ambient ist mehr ein musikalisches Konzept als ein richtiges Genre, ergo gibt es auch nicht die klassische Szene oder Subkultur um den Stil. Ambient ist eher ein bestimmtes Level des Musiknerd-Eisbergs, für das man sich irgendwann zu interessieren beginnt.

Die 20 besten Ambient-Alben

Müsste man es definieren, was wäre dann überhaupt Ambient? Die meisten Leute greifen dafür auf Brian Enos Notizen zu "Ambient 1: Music For Airports" zurück: Er nennt es eine umschließende Atmosphäre, ein Tint. Ambient-Musik ist also so minimalistisch, dass sie gar nicht den Anspruch hat, deine volle Aufmerksamkeit zu vereinnahmen, sondern sich über den akustischen Raum zu legen.

Aus diesem Grund sind viele populäre Ambient-Produktionen Musik für Ausstellungsräume und Soundtracks. Mehr noch: Genau deswegen gibt es immer wieder Alben, die sich nach allen Regeln der Kunst wie Ambient anfühlen, auch wenn sie ordentlich vor Enos "Ambient 1" veröffentlicht wurden. Seien das Satie oder John Cage, die Berlin School oder Elektro-Pioniere. Die Idee von 'sehr minimalistischer Musik' hatten Leute immer mal wieder. New Age oder Dreampunk sind Genres, die sich bewusst oder unbewusst wie Ambient anfühlen. Subgenres wie Ambient Pop, Ambient Dub, Ambient House oder Ambient Plugg nehmen darauf aktiv Bezug, ohne sich wie Ambient anzufühlen.

Ambient ist also eine schwammige Kategorie. Aber auch eine, die ziemlich viel missbraucht wird. Ambient verkommt in den letzten Jahren immer mehr zu einem Kurzwort für "generische, angenehme Hintergrundbeschallung", die man in banalen Spotify-Playlists findet, die einen möglichst gar nicht musikalisch fordern soll. Ich würde sagen: Das ist nicht, warum Ambient als Genre geil sein kann. Ambient-Musik mag ein Tint sein, aber zu was dieser Tint in der Lage ist, das hat ein paar wahnsinnig künstlerisch interessante Projekte produziert.

Diese Liste soll der Beweis sein: Ambient ist ungleich White Noise. Die 20 Alben auf dieser Liste bringen einzigartige Stimmungen, Texturen und Affekte mit, die so tief berühren können, wie man es von so simpler Musik kaum erwarten würde.

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