KI-Synthesizer, aber einmal ohne generative Musikscheiße
Der M-VAVE FM-1 ist ein Synthesizer für rund 70 Euro. Anfang Oktober machten findige Entwickler aus dem kleinen Gerät innerhalb weniger Tage eine ganze Instrumentenfamilie. Mithilfe KI-gestützter Programmierung entstanden alternative Firmwares, die den FM-1 wahlweise in eine achtspurige Groovebox, einen Multiengine-Synthesizer oder eine Art Propellerhead ReBirth mit zwei 303s, 808 und 909 verwandeln. Die Hardware bleibt dieselbe, nur die Software ändert sich.
Das ist die weitaus spannendere Anwendung künstlicher Intelligenz als die inzwischen ermüdende Produktion mittelmäßiger Popsongs auf Knopfdruck. Denn hier wird nicht die Musik automatisiert, sondern das Instrument neu erfunden. Die kostenlose Firmware "Felucca" bietet inzwischen 13 Klangerzeugungsvarianten, von FM über Granularsynthese bis zu Drum-Sounds. KI hilft dabei, Entwicklungsarbeit zu beschleunigen, während der Musiker weiterhin selbst entscheidet, was er damit anstellt.
Natürlich entsteht dabei auch reichlich halbfertiger Unsinn. Einige Firmwares befinden sich noch im Betastadium und können das Gerät überfordern. Aber elektronische Musik lebte schon immer von Bastlern, Zweckentfremdungen und technischen Fehlern. Die TB-303 wurde schließlich auch nicht gebaut, damit Jahrzehnte später Erwachsene in Kellern Acid Techno produzieren. Vielleicht liegt hier die spannendere Zukunft musikalischer KI: nicht Künstler zu ersetzen, sondern ihnen Instrumente zu geben, die gestern noch nicht existierten.
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