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Wenn der Ticketverkäufer plötzlich den Club besitzt

Ticketplattformen haben eigentlich eine ziemlich langweilige Aufgabe: Man bezahlt und bekommt einen QR-Code. Doch offenbar reicht das irgendwann nicht mehr. Das New Yorker Unternehmen Posh, bislang Ticketverkäufer, Veranstaltersoftware und soziales Netzwerk in einem, will nun seinen ersten eigenen Club eröffnen. Der soll ausdrücklich als Prototyp für ein landesweites Netzwerk dienen. Erst im März sammelte Posh 37 Millionen Dollar Risikokapital ein.

Das Timing ist bemerkenswert. Im April befand eine New Yorker Jury, dass Live Nation und Ticketmaster in Teilen des amerikanischen Livemarktes rechtswidrig Monopolmacht ausgeübt hatten. Der Konzern kontrolliert bereits Ticketing, Konzertpromotion und Veranstaltungsorte. Und nun folgt ausgerechnet ein aufstrebender Konkurrent demselben Geschäftsmodell. Posh kennt schließlich längst die Vorlieben seiner Nutzer, weiß, welche Veranstaltungen funktionieren, und bietet Veranstaltern Marketing, Echtzeitdaten und KI-Auswertungen. Warum also nicht gleich den Club selbst betreiben?

Natürlich ist Posh noch Lichtjahre von Live Nation entfernt. Doch die Logik ist dieselbe: Wer Tickets verkauft, möchte Veranstaltungen vermitteln. Wer Veranstaltungen vermittelt, möchte Veranstalter binden. Und irgendwann gehört ihm auch der Raum hinter der Tür. Aus einer Plattform, die unabhängigen Veranstaltern helfen wollte, könnte so selbst ein neuer Gatekeeper werden. Das nächste Kartellverfahren lässt hoffentlich noch ein paar Jahre auf sich warten.

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