Grooven für Venezuela
Benefizsampler sind eine eigenartige Kunstform. Häufig besitzen sie einen makellosen moralischen Zweck, aber musikalisch die Anziehungskraft eines Tombola-Tisches. Man kauft sie, weil man helfen möchte, und stellt später fest, dass Nächstenliebe allein noch keine Dramaturgie ersetzt.
Bei der von Electronic Groove zusammengestellten Compilation zugunsten der Erdbebenhilfe in Venezuela sieht das erfreulicherweise anders aus. Vierzehn eigens beigesteuerte Tracks versammeln einen beträchtlichen Teil des internationalen Progressive-, Deep- und Organic-House-Umfelds. Die Nettoerlöse gehen an Global Empowerment Mission, die nach den schweren Erdbeben vom 24. Juni Hilfsmaßnahmen in Venezuela unterstützt. Bis Anfang August waren mehr als 6.000 Todesopfer gemeldet worden.
Schon die beteiligten Namen zeigen, dass hier nicht bloß Ausschussware aus den Festplattenordnern zusammengekehrt wurde. Hernán Cattáneo und Nick Warren gehören seit Jahrzehnten zu den zuverlässigsten Großmeistern des Progressive House. Danny Howells steht für eine verspieltere, tiefere und häufig etwas verschrobenere House-Tradition. Hinzu kommen unter anderem Ricky Ryan, Argenis Brito, ELIF, Glenn Morrison, Night Waves, Flor und Cesar Capistrán sowie mehrere Produzenten aus dem lateinamerikanischen Umfeld.
Das macht die Veröffentlichung nicht automatisch zum Meisterwerk, aber zu einer erfreulich ernst genommenen Benefizaktion. Die Szene stellt nicht nur ihre Reichweite zur Verfügung, sondern tatsächlich neue Musik. Der Mindestpreis von 20 Dollar auf Bandcamp ist hoch genug, um den Zweck klarzumachen, aber niedrig genug, dass die Hilfe nicht zur exklusiven Wohltätigkeitsgala für Menschen mit Gästelistenbändchen wird.
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