Raus aus dem Elektro mit Guinness World Records!
Zwei Kinder sind nun offiziell das jüngste Back-to-back-DJ-Duo der Welt. Sie wechselten sich regelgerecht am Mischpult ab, ein Guinness-Beauftragter sah zu, und damit war etwas geschafft, von dem bis zu diesem Moment vermutlich niemand wusste, dass es noch geschafft werden musste.
Als Kind Platten aufzulegen, Übergänge zu üben und vor Menschen Musik zu spielen, ist großartig. Es ist kreativer als das zweihundertste Fußballturnier und vermutlich gesünder als eine frühe Influencerkarriere. Der Unsinn beginnt erst dort, wo Erwachsene daraus einen amtlich beglaubigten Weltrekord herstellen.
Guinness World Records ist seit Langem weniger ein Archiv außergewöhnlicher menschlicher Leistungen als eine Weltmeisterschaft im präzisen Formulieren enger Kategorien. Der schnellste Marathon, der höchste Sprung und der älteste Mensch sind nachvollziehbar. Danach beginnt die große bürokratische Zersplitterung: jüngster Club-DJ, jüngste Club-DJane, jüngstes DJ-Duo, vermutlich bald jüngstes Geschwister-DJ-Duo mit identischen Kopfhörern an einem Dienstagnachmittag.
Bereits 2017 wurde der Japaner Itsuki Morita im Alter von sechs Jahren und 114 Tagen als jüngster Club-DJ geführt. Eine weitere Sechsjährige erhielt den Titel der jüngsten Club-DJane. Damit nicht zwei Kinder denselben Rekord besitzen müssen, lässt sich die Menschheit eben in immer feinere Untergruppen zerlegen.
Der Guinness-Mechanismus ist genial. Zunächst definiert man eine Leistung so spezifisch, dass nur sehr wenige Menschen jemals auf die Idee gekommen sind, sie zu erbringen. Dann verlangt man Nachweise, Zeugen, Videos und exakte Regeln. Schließlich erhält jemand eine Urkunde dafür, dass er in einer künstlich geschaffenen Schublade allein sitzt. Die größte Leistung besteht häufig nicht in der Tätigkeit selbst, sondern darin, die zuständige Kategorie früh genug entdeckt zu haben. Ich habe übrigens die meisten Elektrokolumnen auf laut.de geschrieben, liebe Guinness-Mitarbeiter!
Hätte die Knirpse ihre Übergänge besser hingekriegt als die erwachsenen DJs, die seit zehn Jahren "eine musikalische Reise" ankündigen und dann drei Beatport-Top-Ten-Tracks ineinanderschieben, das wäre erwähnenswert. Ihr Alter allein macht sie jedoch noch nicht zu bedeutenden Künstlern – und die Guinness-Urkunde macht aus einem Kinder-DJ-Set keine Mondlandung.
Man sollte ihnen gratulieren, ihnen ein Eis kaufen und sie anschließend wieder Musik machen lassen. Der Weltrekord kann derweil dort bleiben, wo er hingehört: im großen Guinness-Aktenschrank für Leistungen, die erst durch ihre amtliche Anerkennung überhaupt existieren.
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