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OLHO, nicht Olio

"OLHO NO OLHO" von fr012en, TW 012 und OVICTÃO besteht offiziell aus zwei Tracks. Das ist sachlich richtig und musikalisch fast irreführend. Die beiden Stücke gehören zusammen wie der erste und der zweite Gang eines Fahrgeschäfts – nur hat der pickelige Jugendliche vergessen, den Sicherheitsbügel zu kontrollieren.

Der erste Teil dauert gut zwei Minuten und kommt aus jenem grob komprimierten, körperlich unmittelbaren São-Paulo-Funk, der nicht versucht, nach teurem Studio zu klingen. Dann folgt "OLHO NO OLHO JUNGLE". Der Übergang ist so selbstverständlich, dass man den Moment der Beschleunigung beinahe übersieht. Plötzlich steht die Musik nicht mehr in São Paulo, sondern zugleich in einem Londoner Keller von 1995. Die Beats werden schneller, die Bassbewegungen aggressiver, das rhythmische Gerüst erinnert an die reduzierte, ruppige Frühform des Jump-up-Drum-and-Bass. Nach knapp fünf Minuten ist aus einem Funktrack ein Jungle-Stück geworden, ohne dass irgendwo eine Genregrenze hörbar überschritten wurde.

Brasilianische Bassmusik war nie stilistisch rein. Funk carioca, São-Paulo-Funk und ihre zahllosen lokalen Abzweigungen entstanden selbst aus dem Übersetzen, Missverstehen und Weiterverarbeiten importierter Soundsystem-, Electro-, Miami Bass- und Hip Hop-Signale. Ortsüblich, das Ganze. Schauen wir uns in späteren Ausgaben mal genauer an.

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