Seite 11 von 17

Frauenduos III: Grimes und Cobrah

Bei Grimes klingt inzwischen jeder neue Songtitel wie ein Hilferuf aus einem Serverraum. "Sign From God" mit Cobrah debütierte beim Coachella, sorgte für einiges Aufsehen und ist nun draußen. Früher stand sie für DIY-Zukunft, Anime-Cyberpop und synthetische Feenstaub-Autonomie; heute hört man immer auch den Tech-Oligarchen-Nachhall, das Internet-Drama und die beschädigte Aura mit; ein wenig wie Sia für Traumatisierte.

Gerade deshalb passt Cobrah so gut dazu. Wo Grimes schnell metaphysisch ausfranst, bringt Cobrah klebrige, direkte Clubenergie hinein: weniger Kosmos, mehr Körper, weniger Prophezeiung, mehr Bass. Vielleicht sucht Grimes mit "Sign From God" gar nicht Gott, sondern einen Ausgang aus der eigenen Überdeutung. Ein göttliches Zeichen wäre nett. Ein guter Beat tut es auch und ist mir lieber als das irgendwie nicht mehr passende "Artificial Angels".

Dass Cobrah hier nicht nur als schillerndes Feature funktioniert, hat sie zuletzt selbst ausreichend bewiesen. Ihr Debütalbum "Torn" und Singles wie "Hush" oder "Dog" haben diese Mischung aus Sex, Kontrolle, Clubdruck und Kunstfigur weiter zugespitzt: Pop als Latex-Architektur, Rave als Machtspiel, Hooks wie kurze Befehle. Gerade "Dog" kann man gut dazustellen, weil der Track Cobrah in Bestform zeigt – körperlich, überzeichnet, absurd direkt.

Seite 11 von 17

Weiterlesen

Noch keine Kommentare