Punjabi, Baby, Teil III
"Synthesizing: Ten Ragas To A Disco Beat" wurde 1982 in Mumbai aufgenommen; er nutzte Roland TB-303, TR-808 und Jupiter-8, verband also Sequencer-Bass, Drum Machine und Raga-Melodien. Kommerziell zunächst ein Flop, wird es seit seiner Wiederentdeckung und dem Reissue 2010 als Acid-House-Prototyp gelesen.
Aber was ist Raga? Sanskrit für "Färbung" und das gibt es schon gut wider: Ein musikalisches Grundgerüst, das "Bhava", eine emotionale Stimmung, auslösen soll. Klassischerweise spielt man zu ihnen Sitar, die verschiedenen möglichen Tonreihen ("Svara") limitieren Raga aber nicht auf dieses Instrument. Folgerichtig kam es seit den 60ern zu Raga Rock – und eben zu diesem Meilenstein von Singh, der heute noch fasziniert. Ein absolutes Meisterwerk, an das auch Meister Singh nicht mehr herankam, wenngleich sein Output hörenswert blieb.
Die Pointe ist allerdings nicht, dass Indien Acid House erfunden habe und Chicago nur nachgezogen habe. Da machen es sich manche Indien-Fans zu leicht. Treffender: Singh zeigte, dass die 303 schon vor Chicago auf eine Weise eingesetzt wurde, die erstaunlich nahe an Acid House liegt – aber ohne die soziale Club-Infrastruktur, die Acid House später überhaupt erst zu einer Bewegung machte. Nächsten Monat geht es weiter mit indischer Elektrogeschichte, Freunde!
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