laut.de-Kritik
Die Schweden klingen reifer, variabler und kompakter als früher.
Review von Stefan JohannesbergKennt ihr das auch? Wie aus dem Nichts brutzelt ein mächtiges Riff aus den Boxen und euer Körper beginnt zum monströs groovenden Halftime-Beat unkoordiniert zu zucken – Stinkface inklusive? Zwei Songs, die mich stets besonders hart in jenes Nirvana bangten, waren At The Gates' "World Of Lies" und Earth Crisis' "Firestorm". Jetzt kommt auf dem neuen Ram-Album "Against" mit "Night Blade" etwas unerwartet ein dritter hinzu.
Auch wenn die schwedischen Heavy Metal-Liebhaber neben ihren rasanten Old-School-Nackenbrechern in der Vergangenheit immer wieder doomige Elemente einbauten, einen solchen Pantera-Gedächtnis-Walk gingen sie bisher nicht. Das Riff von Harry Granroth und Martin Jonsson und der Chorus – "Let the night blade feed, feed" – rotieren auch noch Tage später durch die geschundenen alten Knochen. Und "Night Blade" ist nicht die einzige Überraschung auf "Against", Rams siebten Album.
Mit "Leaving" wagen sich die Mannen um Gesangsderwisch Oscar Carlquist tief in poppigere Gefilde. Der Aufbau erinnert noch an Black Sabbath, auch wenn der Beat bereits massentauglich groovt wie Metallicas "Black Album". Der melodische Refrain jedoch strahlt überlebensgroß und episch durch den dunklen Sound. Erstaunlich, dass der Song zum Teil auf Material aus dem Jahre 2006 zurückgeht.
Der Titeltrack diggt dagegen tief im straßentauglichen Sleaze Rock und den erdigeren Varianten des Glam Metal. Der Beat lässt trotz hoher Geschwindigkeit die Hüften shaken und der Refrain lädt zum Shouten ein.
Alle drei Tracks fügen sich perfekt in die Tradition des catchigen, polternden Heavy Metal der 80er ein. Im Gegensatz zu früheren Alben akzentuieren Ram ihre Einflüsse auf "Against" innerhalb der Songs noch klarer und schälen so den jeweiligen Charakter stärker heraus.
"Ghost Emperor" startet mit humorlos treibenden Drums, die dem Hörer so wenige Breaks wie AC/DC genehmigen. Die Gitarren ordnen sich jedoch Carlquists Gesang unter und geben ihm so mehr Raum als zuvor. Carlquist hält sich daher auch mit allzu aggressiven Screams zurück. Erst am Ende dringt der olle Halford in ihm mehrmals durch.
Textlich beschäftigen sich Ram mit verborgenen Machtstrukturen. Überhaupt setzt sich "Against" wesentlich direkter mit gesellschaftlichen Konflikten auseinander, als man es vom Vorgänger in Erinnerung hat. Ein dramatischer, fast zerbrechlicher Song wie "1984" fügt sich in dieses Bild. Ram zielen auf die Wurzeln des Metal, als dieser sich noch als freiheitliche Gegenbewegung gegen gesellschaftliche Zwänge und autoritäre Strukturen verstand.
"One Vs. All" galoppiert hymnisch und faustschüttelnd voran. Wieder entdeckt man kleine Harmonie-Schmankerl im Songwriting, und die organische Produktion von Johan Reiven lässt den Song atmen, statt ihn wie viele Metal-Kollegen mit Gitarren und Screams zu überladen.
"Abattoir" weckt "Fast As A Shark"- und "Bonded By Blood"-Assoziationen, der Song sprintet unaufhaltsam im Affenzahn durch seine knapp vier Minuten, mit wunderbaren Twin-Gitarren und wilden Downing-Tipton-Soloduellen im letzten Drittel. Hat jemand Judas Priest gesagt? "Out Of Control" entspringt förmlich der Priest'schen "Metal Gods"-Ära, als die Briten die Midtempo-Hymne salonfähig machten.
Das Album endet mit "The Final Hour", das mit weiten Riffs fast breitbeinig rockt. Carlquist drosselt zur letzten Stunde sein Organ, um im Refrain wieder melodiös und mehrstimmig aufzudrehen. Der Abschluss unterstreicht einmal mehr die Entwicklung von Ram. Immerhin liegen sieben Jahre zwischen "Against" und seinem Vorgänger "The Throne Within". Die Schweden klingen reifer, variabler und kompakter als früher und verlieren nur wenig von ihrer einstigen rohen Kantigkeit.
"Let the night blade feed!"


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