VÖ: 26. Januar 1996 (JKP, Eastwest Records) Rock, Alternative
"Ich ging nach Hause und fühlte mich schuldig, ständig in der Angst, dass ab nun etwas Schlimmes passieren könnte", beschreibt Campino das Gefühl, als er aus der Kirche austrat. Das Elternhaus war religiös geprägt, der Vater Richter und zudem Presbyter in der evangelischen Kirche. Man könnte …
irgendjemand hat im zuge des letzten hosen albums geschrieben, dass farin jederzeit ein typisches tote hosen lied schreiben könnte während campino nicht in der lage wäre auch nur 1 ärzte/farin song vorzulegen.
die fliege, eins meiner liebsten hosen lieder, kann farin nicht schreiben. diese 1:52 körperlicher schmerz, um psychischen schmerz auszudrücken... das kann farin nicht. tatsächlich ist die fliege das einzige lied, das ich mit einem gedicht verknüpfe bzw das mich an ein gedicht erinnert. i felt a funeral in my brain von emily dickinson
mglw kenne ich lieder über dieses thema nur von oi/deutschrock bands und assoziiere das deswegen so. den punkt gebe ich dir. von wir hassen kinderschänder sind wir tatsächlich entfernt
Naja, "Böser Wolf" nimmt eher die Perspektive des Opfer ein, ohne in plattes Parolengeschreie wie "Todesstrafe für Kinderschänder" abzudriften. "Viel zu jung" von den Onkelz macht das zwar auch nicht, klingt aber durch den Vortrag und die Musik, über die der Text gesungen wird komplett ekelhaft und creepy.
Schön geschriebene Rezi, aber auf ein paar Songs mehr hätte man schon mal eingehen können. Das schöne Beziehungsdoppel "Froschkönig" und "Lügen" zum Beispiel oder natürlich "Seelentherapie" - für mich ein ganz heißer Anwärter auf den besten Song ihrer Kariere!.
Neben „Seelentherapie“ fand ich auch „Und wir leben“ und „Viva la Revolution“ immer echte Kracher. Zusammen mit „Bonnie und Clyde“ und den Jägermeistern bilden sie den witzigen, ironischen Teil des Albums. Darum ist es sicher nicht das düsterste Album der Hosen, das wäre für mich eher „Ein kleines bisschen Horrorshow“.
Stimmt schon. Die "Horrorschau" war 1988 bereits komplett düster und ernsthaft. Sowas haben sie im Spätwerk erst wieder mit der "In Aller Stille" hinbekommen.
Meilenstein geht klar, auch wenn bereits damals nicht jede Idee, wie zB "XTC" gezündet hat. Das Album stellt auf jeden Fall eine Art Monolith in der Hosen-Diskographie dar. Nach der dilettantischen Anfangsphase, die mit der ersten Live-Platte abgeschlossen war. Die anschließende Phase von Horrorschau bis Kauf Mich war dann vom endgültigen Durchbruch geprägt, in der sich die Strukturen festigten, und die Band in musikalischer Hinsicht einige Sprünge nach vorne machte. Die "Opium" steht mE als Übergang zwischen dieser Phase und dem eher seichten Spätwerk, das mit der "Unsterblich" seinen Anfang nahm.
Hübsche Rezension - wenngleich ich das Narrativ, Die Toten Hosen seien erst ab den 90ern ernsthafter geworden, etwas merkwürdig finde. "Ein kleines bisschen Horrorshow" (Meiner Meinung nach ihr allerbestes Album!) war durchweg ernst, "Unter falscher Flagge" ist auch recht düster und auch "Damenwahl" und "Opel-Gang" sind kein "Eisgekühlter Bommerlund" auf Albumlänge.
Ach ja: Die "Euphorie des Mauerfalls" hat die Band schon mit "Alles wird gut", "Wünsch DIR was" und dem nicht veröffentlichten "Wir funken SOS" kommentiert. Die Band ist per Fahrrad durch die untergehende DDR gereist und hat früh gesehen, was andere ewig nicht wahrhaben wollten.
"Opium fürs Volk" und das davon nicht zu trennende 1000. Konzert ist für mich das Ende ihrer zweiten Phase, die mit "Horrorshow" begann. Campino sagte mal, dass der Nachfolger so düster ausgesehen hätte, dass er viele Ideen verworfen hat. Nach "Wir warten aufs Christkind" hat er sich für "Unsterblich" dann nicht zufällig Funny van Dannen mit ins Boot geholt und auch Frank Zs (RIP) "Sonntag im Zoo" gecovert, was trotz dessen Hang zur Misantrophie das Album dennoch auflockert.
Die letzte der vier Phasen begann dann mit "Ballast der Republik", die stark von Nostalgie geprägt war und in der der Einfluss Marterias (und am Ende Koljahs) auf die Texte schon deutlich wurde. Vieles ist gelungen, einiges aber auch sehr betont verspielt. Mir haben Campinos eigene Texte am Ende immer besser gefallen. Am Ende sind es nicht nur die perfekten Reime, die Menschen berühren.
"Ich ging nach Hause und fühlte mich schuldig, ständig in der Angst, dass ab nun etwas Schlimmes passieren könnte", beschreibt Campino das Gefühl, als er aus der Kirche austrat. Das Elternhaus war religiös geprägt, der Vater Richter und zudem Presbyter in der evangelischen Kirche. Man könnte …
Neeeeee, die ist auf keinen Fall gut gealtert. Klang garantiert damals schon so needy und angestrengt wie sie für mich heute klingt.
irgendjemand hat im zuge des letzten hosen albums geschrieben, dass farin jederzeit ein typisches tote hosen lied schreiben könnte während campino nicht in der lage wäre auch nur 1 ärzte/farin song vorzulegen.
die fliege, eins meiner liebsten hosen lieder, kann farin nicht schreiben. diese 1:52 körperlicher schmerz, um psychischen schmerz auszudrücken... das kann farin nicht. tatsächlich ist die fliege das einzige lied, das ich mit einem gedicht verknüpfe bzw das mich an ein gedicht erinnert. i felt a funeral in my brain von emily dickinson
bö(h)ser wolf hingegen hätte auch jederzeit auf einem skinhead/deutschrock album stattfinden können
Als ob Skinhead Bands wissen, was eine Metapher ist
Der Eindruck kommt vor allem daher, dass sich das liest wie ein "schlauer" Onkelztext. Verstehe den Take, du spielst ja schon direkt drauf an.
Ne Leute echt nicht. Wenn die Onkelz sich an dem Thema versuchen kommt dabei so ein Müll wie "Viel zu jung" raus
mglw kenne ich lieder über dieses thema nur von oi/deutschrock bands und assoziiere das deswegen so. den punkt gebe ich dir. von wir hassen kinderschänder sind wir tatsächlich entfernt
Naja, "Böser Wolf" nimmt eher die Perspektive des Opfer ein, ohne in plattes Parolengeschreie wie "Todesstrafe für Kinderschänder" abzudriften. "Viel zu jung" von den Onkelz macht das zwar auch nicht, klingt aber durch den Vortrag und die Musik, über die der Text gesungen wird komplett ekelhaft und creepy.
Sicherlich eine der Platten, die aus dem Hosen Katalog etwas herausragt, aber gleich nen Meilenstein draus zu machen... i dont no.
Schön geschriebene Rezi, aber auf ein paar Songs mehr hätte man schon mal eingehen können. Das schöne Beziehungsdoppel "Froschkönig" und "Lügen" zum Beispiel oder natürlich "Seelentherapie" - für mich ein ganz heißer Anwärter auf den besten Song ihrer Kariere!.
Neben „Seelentherapie“ fand ich auch „Und wir leben“ und „Viva la Revolution“ immer echte Kracher. Zusammen mit „Bonnie und Clyde“ und den Jägermeistern bilden sie den witzigen, ironischen Teil des Albums. Darum ist es sicher nicht das düsterste Album der Hosen, das wäre für mich eher „Ein kleines bisschen Horrorshow“.
Stimmt schon. Die "Horrorschau" war 1988 bereits komplett düster und ernsthaft. Sowas haben sie im Spätwerk erst wieder mit der "In Aller Stille" hinbekommen.
Meilenstein geht klar, auch wenn bereits damals nicht jede Idee, wie zB "XTC" gezündet hat. Das Album stellt auf jeden Fall eine Art Monolith in der Hosen-Diskographie dar. Nach der dilettantischen Anfangsphase, die mit der ersten Live-Platte abgeschlossen war. Die anschließende Phase von Horrorschau bis Kauf Mich war dann vom endgültigen Durchbruch geprägt, in der sich die Strukturen festigten, und die Band in musikalischer Hinsicht einige Sprünge nach vorne machte. Die "Opium" steht mE als Übergang zwischen dieser Phase und dem eher seichten Spätwerk, das mit der "Unsterblich" seinen Anfang nahm.
Hübsche Rezension - wenngleich ich das Narrativ, Die Toten Hosen seien erst ab den 90ern ernsthafter geworden, etwas merkwürdig finde. "Ein kleines bisschen Horrorshow" (Meiner Meinung nach ihr allerbestes Album!) war durchweg ernst, "Unter falscher Flagge" ist auch recht düster und auch "Damenwahl" und "Opel-Gang" sind kein "Eisgekühlter Bommerlund" auf Albumlänge.
Ach ja: Die "Euphorie des Mauerfalls" hat die Band schon mit "Alles wird gut", "Wünsch DIR was" und dem nicht veröffentlichten "Wir funken SOS" kommentiert. Die Band ist per Fahrrad durch die untergehende DDR gereist und hat früh gesehen, was andere ewig nicht wahrhaben wollten.
"Opium fürs Volk" und das davon nicht zu trennende 1000. Konzert ist für mich das Ende ihrer zweiten Phase, die mit "Horrorshow" begann. Campino sagte mal, dass der Nachfolger so düster ausgesehen hätte, dass er viele Ideen verworfen hat. Nach "Wir warten aufs Christkind" hat er sich für "Unsterblich" dann nicht zufällig Funny van Dannen mit ins Boot geholt und auch Frank Zs (RIP) "Sonntag im Zoo" gecovert, was trotz dessen Hang zur Misantrophie das Album dennoch auflockert.
Die letzte der vier Phasen begann dann mit "Ballast der Republik", die stark von Nostalgie geprägt war und in der der Einfluss Marterias (und am Ende Koljahs) auf die Texte schon deutlich wurde. Vieles ist gelungen, einiges aber auch sehr betont verspielt. Mir haben Campinos eigene Texte am Ende immer besser gefallen. Am Ende sind es nicht nur die perfekten Reime, die Menschen berühren.
Erst vor einer Woche an dieses Album gedacht und gehofft, dass ihr dazu mal nen Meilenstein macht, wie kann das real sein