"Keine Angst" von Danger Dan und Igor Levit ist kein bloßer Kommentar zur politischen Lage und sorgt noch vor dem Release für Ärger mit dem Sender.
Mainz (map) - Kurz vor der Aufzeichnung der 100. Ausgabe von "Die Anstalt" hat das ZDF einen geplanten Auftritt von Danger Dan gestrichen. Der Musiker sollte gemeinsam mit Pianist Igor Levit den neuen Song "Keine Angst" präsentieren, der sich mit Widerstand gegen Rechtsextremismus beschäftigt. Stattdessen legte die Intendanz kurzfristig ihr Veto ein. Für Danger Dan ist die Ausladung ein Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit – und zugleich das jüngste Kapitel einer inzwischen erstaunlich konstanten Konfliktgeschichte mit dem öffentlich-rechtlichen Sender.
Das ZDF zieht die Reißleine
Das ZDF begründet die Ausladung mit dem Inhalt des Songs. Einzelne Passagen könnten als Aufruf zu Gewalt verstanden werden und stünden damit im Widerspruch zu den Programmrichtlinien des Senders. Deshalb habe man entschieden, den Auftritt nicht stattfinden zu lassen. Stattdessen wolle man sich zu einem späteren Zeitpunkt journalistisch mit dem Lied auseinandersetzen.
Nach Angaben von Danger Dan und seiner Promotion-Agentur lag der Song dem ZDF bereits seit Wochen vor. Demnach habe auch die Rechtsabteilung des Senders zunächst keine Einwände erhoben. Eine schriftliche Begründung für das kurzfristige Veto habe der Musiker bis heute nicht erhalten. Das Team von "Die Anstalt" soll den Song bereits fest in die Jubiläumsausgabe eingeplant und die Sendung entsprechend umgeschrieben haben. Laut Danger Dan habe es auch innerhalb der Redaktion Protest gegen die Entscheidung der Intendanz gegeben.
Worum es im Song geht
"Keine Angst" ist allerdings weit mehr als ein klassischer Protestsong. Danger Dan belässt es nicht bei einem Appell gegen Rechtsextremismus, sondern entwirft über knapp sieben Minuten eine Art Aktionsplan für antifaschistische Organisierung. Der Song handelt von der Gründung lokaler Gruppen, beschreibt konspirative Kommunikationswege, ruft zu Recherchen über rechte Netzwerke und sogenannten Outing-Aktionen gegen Neonazis auf. Im letzten Drittel wird der Ton deutlich kämpferischer: Danger Dan fordert dazu auf, sich auf mögliche Konfrontationen mit Rechtsextremen vorzubereiten und deutet weitere Schritte nur noch an. Zeilen wie "Koordiniert euch, fangt an zu trainier'n" oder "Habt Überraschungen dabei wenn sie komm'" gehören zu den Passagen, die das ZDF als problematisch einstuft.
Zwischen Vorsicht und Vorzensur
Dass ein öffentlich-rechtlicher Sender problematische Inhalte sorgfältig prüft, gehört zu seinem Auftrag. Die kurzfristige Absage wirft dennoch Fragen auf. Wenn ein Beitrag trotz vorheriger Prüfung erst unmittelbar vor der Aufzeichnung gestoppt wird, entsteht zwangsläufig der Eindruck, dass hier nicht allein juristische, sondern auch politische Erwägungen eine Rolle gespielt haben könnten. Genau diesen Vorwurf erhebt Danger Dan, der von einem autoritären Eingriff spricht und der ZDF-Intendanz vorwirft, ein antifaschistisches Lied aus dem Programm verbannt zu haben.
"Die Anstalt" gehört seit Jahren zu den wichtigsten politischen Satiresendungen im deutschen Fernsehen und greift regelmäßig gesellschaftliche und politische Konflikte auf. Die Sendungsmacher kritisierten die Entscheidung des ZDF auf Instagram mit den Worten "Wir, 'Die Anstalt', distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF" und kündigten für die Sendung am Dienstag ein "ausführliches Statement an.
Eine Geschichte mit Vorgeschichte
Für Danger Dan ist der Konflikt mit dem ZDF alles andere als neu. Bereits sein Auftritt mit Jan Böhmermann zu "Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt" sorgte hinter den Kulissen für erheblichen Streit. Später berichtete Böhmermann, der Auftritt sei einer der wenigen Momente gewesen, in denen er beim Sender laut geworden sei.
Auch bei der Verleihung des Opus Klassik geriet Danger Dan mit dem ZDF aneinander. Damals schnitt der Sender eine AfD-kritische Passage aus einer Laudatio heraus. Nachdem der Musiker die ungekürzte Version selbst veröffentlicht hatte und öffentliche Kritik laut wurde, entschuldigte sich das ZDF und stellte die ursprüngliche Fassung im Stream wieder her.
Die aktuelle Ausladung reiht sich damit nahtlos in eine Serie von Auseinandersetzungen ein, in denen es immer wieder um dieselbe Frage geht: Wie weit darf politische Kunst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gehen – und wer entscheidet letztlich darüber?
















5 Kommentare mit 18 Antworten
Es ist mir ein absolutes Rätsel, warum nicht wenigstens der Versuch unternommen worden ist oder wird, die AfD zu verbieten. Erst vor einigen Wochen gab es doch ein sehr aussagekräftiges Gutachten, dass stringent aufgezeigt hat, inwiefern die AfD verfassungsfeindlich ist.
"Die aktuelle Ausladung reiht sich damit nahtlos in eine Serie von Auseinandersetzungen ein, in denen es immer wieder um dieselbe Frage geht: Wie weit darf politische Kunst im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gehen – und wer entscheidet letztlich darüber?"
Unfassbar wichtige und geniale Frage. Ich würde fast vermuten, dass da keiner darüber entscheidet, außer einzelne Paragraphen des StGB. Ansonsten ist aushalten gefragt. Mich würde ansonsten nur noch interessieren: würde es in der von Danger Dan postulierten Systemanpassung eigentlich noch Banken und Versicherungen geben, weiß das zufällig jemand? Hab' jetzt grad' keinen Bock auf Lyrikanalyse.
Hier der Text. Refrain habe ich nach dem ersten Mal weg gelassen: Es gibt jetzt zwei Optionen, beide machen Stress
Eine ab morgen schon, die andere ab jetzt
Wir können darauf warten, dass sie in den Parlamenten
Und auf der Straße erstarken, bevor wir sie bekämpfen
Und wir warten, warten, warten, das ist erstmal bequemer
Es geht uns trotzdem an den Kragen, nur halt etwas später
Die andere Möglichkeit bedeutete schon heute
Stress mit der Polizei und den ganz besonders Deutschen
Dafür `ne kleine Chance, das Blatt nochmal zu wenden
Oder vielleicht das Schlimmste noch verhindern zu können
Du weißt nicht, was du tun kannst, du weißt nicht, wie das geht
Hör mir zu, ich hab´ vielleicht eine passende Idee.
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Keine Angst, keine Angst, keine Angst, keine Angst
Ruf' erst mal ein, zwei Leute an, denen du vertraust
Auf die man sich verlassen kann und macht ein Treffen aus
Ihr gründet eine Gruppe, die keinen Namen hat
Kein Gründungsdatum und auch kein Verein oder so'n Quatsch
Redet mit Bars und Kneipen, fragt ob die für ‚nen Abend
Räumlichkeiten für 'ne Party gegen Nazis haben
Ladet eure Freunde ein, ein kleines Festival
DIY, Eintritt frei, sammelt auf Spendenbasis Geld
Mit dem Geld, das ihr verdient, kauft ihr Dosen um zu sprüh'n
Kauft ihr Aufkleber und Marker, sorgt dafür dass jeder sieht
Ihr habt keinen Bock auf Faschos und das hier ist eure Stadt
Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras
Nie ohne Handschuh, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen
Und erst recht nie filmen und niemals ein Foto davon machen
Von Aktionen nur denen, die selbst dabei waren, erzähl'n
Es geht um linke Straßenpolitik und nicht um Fame
Ihr braucht Regeln für die Kommunikation
Nicht nur Nazis und Konsorten, die in eurer Gegend woh'n
Auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell interessier'n
Ihr dürft von Anfang an alles nur geheim kommunizier'n
Das bedeutet: keine DMs, keine Messenger und Mails
Alles was verboten sein könnte immer Face to Face
Lasst das Handy zuhaus wegen Bewegungsprofil'n
Und wenn sie euch erwischen: Redet nicht mit ihn‘
Man wird sich wundern, wenn man weiß, dass in den Kern'
dieser Gruppen meistens nur ein paar wenige gehör'n
Eine Handvoll Leute reichen meistens aus
Eigene lokale Antifastrukturen aufzubau'n
Als Nächstes müsst ihr die rechten Strukturen recherchier'n
Heimlich ihre Treffen und Demonstrationen fotografier'n
Findet raus, wer sie sind, was sie tun, wo sie leben, wo sie arbeiten
Und findet raus, mit wem Sie sich umgeben
Baut Fake-Accounts bei TikTok und bei Telegram
Dokumentiert alles, was Sie schreiben, alles was Sie sagen
Holt den Papiermüll ab, lauft Ihnen nach
Zu Ihren Häusern, ihren Wohnungen, den Treffpunkten und Bars
Meldet euch bei jeder Singlebörse an
Irgendwie und irgendwann, kommt man an jeden Nazi ran
Werdet dreist, delinquent, akribisch und kreativ
Stück für Stück füttert ihr so euer Antifaarchiv
Faschos leben abgeschottet, sie leben im Wahn
Mit Argumenten kommt man meistens nicht mehr an sie ran
Die Erfahrung zeigt, dass aber trotzdem doch etwas passiert
Wenn man ihr gesamtes Umfeld kontaktiert
Früher nannte man so etwas „Outingaktion“
Es hing'n Flyer und Plakate in den Vierteln, wo sie woh'n
Mit Fotos und Funktionen, mit Namen und Adressen
Niemand wird ein Nazischwein als seinen Nachbarn möchten
Das frankierte man mit ein paar Telefonaten
Um ihre Schulen, Unis, Arbeitgeber zu beraten
Man wünschte einen guten Tag und fragte dann wie
Passt so etwas in eure Firmenphilosophie
Helft euren Lokalzeitungen mit Information'
Wenn sie nicht schon von selbst dahinter komm'
Dass es Probleme gibt mit Nazis in der Stadt
Vielleicht wird dann sogar die Staatsanwaltschaft wach
Mit etwas Glück kriegen sie Post oder gehen in den Knast
Doch hier wärt blöd wenn ihr euch auf den deutschen Staat verlasst
Die Erfahrung zeigt genau das Gegenteil:
Es gibt so viele Faschos bei der Polizei.
Man möchte mein' dass die Sicherheitsbehörden
Rechte Strukturn' nicht bekämpfen, sondern fördern
So mancher Polizist steht für die AfD zur Wahl
Uniter hat die Munition vom KSK
Das bedeutet: Parallel zum recherchiern'
Müsst ihr eure Sicherheit selbst organisier´n
Nazis machen ihre Politik immer mit Angst
Mit Hass, mit Terror und roher Militanz
Man kann ihnen vieles vorwerfen
Aber jedoch nicht, dass man das, was sie mit uns vorhaben, nicht wüsst'
Und die Geschichte hat uns schonmal gezeigt
Es wird noch schlimmer wenn man gar nichts tut und schweigt
Keine Angst, nehmt es selber in die Hand
Die seh'n gefährlich aus, aber wir legen sie lang
Koordiniert euch, fangt an zu trainier'n
Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionier'n
Schon am ersten Tag, wenn ihr die Party macht
Besteht die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht
Also plant immer mit der Konfrontation
Habt Überraschungen dabei, wenn sie komm'
Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrappt
Ich lasse ihn jetzt einfach mal im Raum den Elefant
Ist eh klar was zu tun ist, ich sag nichts mehr dazu
Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk.
Danke. Hört sich nach einigen Verschwörungstheorien an. Denke, hier gibt es keine Belege für. Akteneinsicht habe ich allerdings nicht.
Ich finde den Text schon drüber, gerade gegen Ende. Auch wenn seine Absicht ehrenhaft sein mag, kann ich schon nachvollziehen, warum dass dem ZDF zu heikel war.
Wenn Dieter Nuhr und andere AfD Mitglieder da ständig ohne Probleme zu sehen und zu hören sind, kann man ja erahnen, aus welchen Gründen hier so ein Fass aufgemacht wird.
18.36 pro Monat an Leute, die Faschos den Vortritt lassen. Deutschland schafft sich ab.
Song bleibt trotzdem ungehört, sollte klar sein.
Dieter Nuhr mag ein selbstgefälliger Idiot sein, aber er ist weder bei der AfD noch ein Fascho.
viele intelignete und gebildete deutsche sagen sie zahlen beitrag sehr gern weil ohne ard zdf wir haben nur fake news
"Dieter Nuhr mag ein selbstgefälliger Idiot sein, aber er ist weder bei der AfD noch ein Fascho."
Rechtspopulist passt. Schließlich war er bei NIUS und schrieb an einem NIUS-Buch mit und verharmlost den Klimawandel und bedient auch alle anderen talking points der Rechtspopulisten.
Dabei muss ich gestehen, dass ich Nuhr vor 25 Jahren nicht schlecht fand. Mittlerweile kommt er mir jedoch vor, wie ein Moralprediger für die Generation Ü65. Oder Ü75
Naja, Sarah Bosetti ist der Inbegriff von Selbstgefälligkeit und eigentlich auch gar nicht links, weil sie Menschen, die sich nicht impfen lassen wollten, beleidigte. Finde unser Grundgesetz ist sehr wichtig, gerade für linke, perspektivisch - das nur so am Rande. Es ist nicht nur Nuhr.
Links sind schließlich nur mutige Querdenker wie Wendler, Naidoo oder Hildmann.
Jetzt dürfen die Linken ihre eigene Medizin der jahrelangen Cancel Culture kosten. Der ÖÖR hat neutral zu sein und sich gegen eine Partei stellen, die im Bund 30 % und in vielen Bundesländern an der absoluten Mehrheit kratzt, ist antidemokratisch.
Ich habe obigen Kommentar mal durch einen KI-Detektor gejagt und der hat festgestellt, dass darin 0 % Intelligenz vorhanden ist.
Die Partei AfD ist antidemokratisch.
Dass du kleiner Fascho hier auftauchst, war abzusehen. Ich hoffe, man hat auch bald eine Überraschung für dich.
Die Partei steht auf dem Boden der Demokratie sonst wäre sie verboten. Gerichte haben das bestätigt und die haben mehr zu sagen als eure linken Meinungen.
Kannst du auch Beiträge formulieren, die nicht nach russischen Bots klingen?
Streng genommen würde auch auch eine Antidemokratische Verfassungsfeindliche Partei erst mal "auf dem Boden der Demokratie" stehen, wenn man auf Gerichte warten möchte. So ähnlich dumm wie anzunehmen, es werde gerade durch Israel kein Genozid an Palästinensern begangen (Grüße an Danger Dan und Igor an der Stelle), bloß weil endgültige Gerichtsbeschlüsse darüber idR. über ein Jahrzehnt andauern können.
Im Übrigen ist vor deutschen Instanzen auch überhaupt nicht geklärt, ob die AfD demokratisch ist. Aber das weiß auch ein huso... ähm, bufo, wenn er den nächsten Hihi-Troll-Beitrag schreibt
"Liebe Grüße an Lina, Gucci, Maja und Nanuk.."
das sagt doch alles ... terror egal von welcher Seite ist mies
Verherrlichung von linker Gewalt.
Deswegen mag ich den Song ja so.
Ach so, das sind Namen von Terrorist*innen!? Ich dachte, die Art und Weise Namen aufzuzählen in der Lyrik wäre per se Terror gewesen. Ist heute Sonntag zufällig?