"Alles Aus Liebe"(Erschienen auf: "Kauf Mich!", 1993)Irgendwann zwischen Mauerfall und "Kauf Mich!" passiert es, dass Die Toten Hosen endgültig beschließen, so etwas wie eine seriöse Band werden: Sie verzichten in Songs wie "Fünf Vor 12" ("Auf dem Kreuzzug ins Glück") immer öfter auf Humor und …
Okay, ich bin irritiert. Nicht, dass ich den Song damals nicht auch mitgegrölt hätte, aber das Ding ist ja wohl ein Paradebeispiel für kulturelle Normalisierung männlicher Gewalt gegen Frauen. Dude hat Kontrollverlust in Beziehung. Dude bringt Frau und sich um. Keine Ebene der Reflexion oder Brechung, das ist einfach nur komplett stumpfes zur Schau stellen eines gefährlichen Männerbildes mit einer Zwinker-Zwinker-Edgy-Attitude. Die Vorstellung, morgens um fünf einem sturzbesoffenen Typen dabei zuzusehen, wie er versucht, den Song beim Karaoke zu performen, jagt mir wirklich kalte Schauer über den Rücken. Wenn der schon in der Liste vorkommen muss, wäre mit 30 Jahren Abstand ein bißchen kritische Einordnung doch wohl dring gewesen, oder?
Okay, ich bin irritiert. Nicht, dass ich den Song damals nicht auch mitgegrölt hätte, aber das Ding ist ja wohl ein Paradebeispiel für kulturelle Normalisierung männlicher Gewalt gegen Frauen. Dude hat Kontrollverlust in Beziehung. Dude bringt Frau und sich um. Keine Ebene der Reflexion oder Brechung, das ist einfach nur komplett stumpfes zur Schau stellen eines gefährlichen Männerbildes mit einer Zwinker-Zwinker-Edgy-Attitude. Die Vorstellung, morgens um fünf einem sturzbesoffenen Typen dabei zuzusehen, wie er versucht, den Song beim Karaoke zu performen, jagt mir wirklich kalte Schauer über den Rücken. Wenn der schon in der Liste vorkommen muss, wäre mit 30 Jahren Abstand ein bißchen kritische Einordnung doch wohl dring gewesen, oder?
Den Punkt muss ich dir lassen und dir Recht geben, da wäre in der Tat mehr kritische Einordnung dring gewesen. Ich war da beim Schreiben sehr geprägt von Bildern von gemischtgeschlechtlichen Gruppen, die das schunkelnd mitsingen, ohne über den Text nachzudenken. Deswegen will ich das auch gar nicht als Gegenargument gegen die grundsätzliche Problematik des Songs verstanden wissen, aber als Zwinker Zwinker edgy habe ich den nie wahrgenommen, wenn ich das richtig verstehe, was du meinst. Du sagst ja selbst, dass es da keine Reflexion oder Brechung gibt.
Meine persönlichen Hypothesen zu diesem (textlichen) Machwerk:
1) Er hat das im festen Glauben geschrieben, es sei in irgendeiner Art und Weise "romantisch" und dann wäre es damals, heute und für immer widerlich af.
2) Er hat da bewusst einen toxischen Dude persiflieren wollen, indem er den ekelhaftesten Text eben so schreibt, aber die anderen bittet, da eine Charthitmelodie zu zu schaffen, um dann mal zu schauen, wie viele Leute dazu dann eben so grölen und schunkeln und Karaoke singen und es Null checken und dann wäre es auf eine gewisse Weise schon gewitzt. Bisschen wie Belas "Manchmal haben Frauen" vielleicht...
Hm.. ich hab das nie als romantisch oder zum Mitgröhlen verstanden. Für mich war das immer die Beschreibung eines üblen Stalkers, oder wie auch immer man so jemanden nennen will. Die in Richtung Liebeslied gehende Musik sollte wohl die Wahrnehmung des "Liebeskranken" widerspiegeln, aber der Text war für mich immer klar, dass da nichts verherrlicht wird.
Spätestens mit " Es ist die Eifersucht, die mich auffrisst, immer dann, wenn Du nicht in meiner Nähe bist. Von Dr. Jekyll werd ich zu Mr. Hyde, ich kann nichts dagegen tun, plötzlich ist es so weit." wird meiner Meinung nach klar, dass da nichts normalisiert wird. Ganz im Gegenteil. So hab ich es zumindest verstanden.
Dass es natürlich manche als Normalisierung, oder womöglich gar als Verherrlichung verstanden haben oder verstehen, will ich aber nicht bestreiten.
Ich hab das auch mit 12 schon als ironische Persiflage auf einen eher toxischen Charakter wahrgenommen, weil ja auf der ganzen Kauf mich solche Rollen eingenommen werden (Hot Clip Videoclub, Drunter drauf oder drüber), kenne aber auch Menschen, die den Song unironisch ihren Liebsten vorgesungen haben.
Hab diesen Song in meiner Jugend auch mitgegrölt. Hab nie angenommen, dass davon irgendwas ernstgemeint ist...ich finde bereits Campinos Tonfall trieft vor Ironie. Das plus die aberwitzige Schlussfolgerung, dass er sie (und sich selbst) umbringen müsste um seine Liebe zu beweisen...äh okay. Klar Persiflage auf toxische Machotypen, bin da bei Herr Vorragend.
"Alles Aus Liebe"(Erschienen auf: "Kauf Mich!", 1993)Irgendwann zwischen Mauerfall und "Kauf Mich!" passiert es, dass Die Toten Hosen endgültig beschließen, so etwas wie eine seriöse Band werden: Sie verzichten in Songs wie "Fünf Vor 12" ("Auf dem Kreuzzug ins Glück") immer öfter auf Humor und …
Okay, ich bin irritiert. Nicht, dass ich den Song damals nicht auch mitgegrölt hätte, aber das Ding ist ja wohl ein Paradebeispiel für kulturelle Normalisierung männlicher Gewalt gegen Frauen.
Dude hat Kontrollverlust in Beziehung. Dude bringt Frau und sich um.
Keine Ebene der Reflexion oder Brechung, das ist einfach nur komplett stumpfes zur Schau stellen eines gefährlichen Männerbildes mit einer Zwinker-Zwinker-Edgy-Attitude.
Die Vorstellung, morgens um fünf einem sturzbesoffenen Typen dabei zuzusehen, wie er versucht, den Song beim Karaoke zu performen, jagt mir wirklich kalte Schauer über den Rücken.
Wenn der schon in der Liste vorkommen muss, wäre mit 30 Jahren Abstand ein bißchen kritische Einordnung doch wohl dring gewesen, oder?
Okay, ich bin irritiert. Nicht, dass ich den Song damals nicht auch mitgegrölt hätte, aber das Ding ist ja wohl ein Paradebeispiel für kulturelle Normalisierung männlicher Gewalt gegen Frauen.
Dude hat Kontrollverlust in Beziehung. Dude bringt Frau und sich um.
Keine Ebene der Reflexion oder Brechung, das ist einfach nur komplett stumpfes zur Schau stellen eines gefährlichen Männerbildes mit einer Zwinker-Zwinker-Edgy-Attitude.
Die Vorstellung, morgens um fünf einem sturzbesoffenen Typen dabei zuzusehen, wie er versucht, den Song beim Karaoke zu performen, jagt mir wirklich kalte Schauer über den Rücken.
Wenn der schon in der Liste vorkommen muss, wäre mit 30 Jahren Abstand ein bißchen kritische Einordnung doch wohl dring gewesen, oder?
Den Punkt muss ich dir lassen und dir Recht geben, da wäre in der Tat mehr kritische Einordnung dring gewesen. Ich war da beim Schreiben sehr geprägt von Bildern von gemischtgeschlechtlichen Gruppen, die das schunkelnd mitsingen, ohne über den Text nachzudenken.
Deswegen will ich das auch gar nicht als Gegenargument gegen die grundsätzliche Problematik des Songs verstanden wissen, aber als Zwinker Zwinker edgy habe ich den nie wahrgenommen, wenn ich das richtig verstehe, was du meinst. Du sagst ja selbst, dass es da keine Reflexion oder Brechung gibt.
Meine persönlichen Hypothesen zu diesem (textlichen) Machwerk:
1) Er hat das im festen Glauben geschrieben, es sei in irgendeiner Art und Weise "romantisch" und dann wäre es damals, heute und für immer widerlich af.
2) Er hat da bewusst einen toxischen Dude persiflieren wollen, indem er den ekelhaftesten Text eben so schreibt, aber die anderen bittet, da eine Charthitmelodie zu zu schaffen, um dann mal zu schauen, wie viele Leute dazu dann eben so grölen und schunkeln und Karaoke singen und es Null checken und dann wäre es auf eine gewisse Weise schon gewitzt. Bisschen wie Belas "Manchmal haben Frauen" vielleicht...
Das Cover-Artwork der Single sollte wahrscheinlich schon eine gewisse Ebene der Reflexion oder Brechung mit rein bringen:
https://www.dth.de/diskographie/musik/alle…
Hm.. ich hab das nie als romantisch oder zum Mitgröhlen verstanden.
Für mich war das immer die Beschreibung eines üblen Stalkers, oder wie auch immer man so jemanden nennen will. Die in Richtung Liebeslied gehende Musik sollte wohl die Wahrnehmung des "Liebeskranken" widerspiegeln, aber der Text war für mich immer klar, dass da nichts verherrlicht wird.
Spätestens mit " Es ist die Eifersucht, die mich auffrisst,
immer dann, wenn Du nicht in meiner Nähe bist.
Von Dr. Jekyll werd ich zu Mr. Hyde,
ich kann nichts dagegen tun,
plötzlich ist es so weit." wird meiner Meinung nach klar, dass da nichts normalisiert wird. Ganz im Gegenteil.
So hab ich es zumindest verstanden.
Dass es natürlich manche als Normalisierung, oder womöglich gar als Verherrlichung verstanden haben oder verstehen, will ich aber nicht bestreiten.
Der Track wird oben als "heiter-melancholischer Song übers Saufen und Lieben" charakterisiert
Okay, ich geb's zu, ich hab hier nur die Kommentare gelesen.
Heitermelancholisch etc. ist ... uff... ne.. da fehlen mir gerade die Worte.
Ich hab das auch mit 12 schon als ironische Persiflage auf einen eher toxischen Charakter wahrgenommen, weil ja auf der ganzen Kauf mich solche Rollen eingenommen werden (Hot Clip Videoclub, Drunter drauf oder drüber), kenne aber auch Menschen, die den Song unironisch ihren Liebsten vorgesungen haben.
Hab diesen Song in meiner Jugend auch mitgegrölt. Hab nie angenommen, dass davon irgendwas ernstgemeint ist...ich finde bereits Campinos Tonfall trieft vor Ironie. Das plus die aberwitzige Schlussfolgerung, dass er sie (und sich selbst) umbringen müsste um seine Liebe zu beweisen...äh okay. Klar Persiflage auf toxische Machotypen, bin da bei Herr Vorragend.