laut.de-Kritik

Pop umarmt Rock und sie verlieben sich.

Review von

Es gibt sie immer wieder, diese Phasen im Leben, in denen gar nichts läuft. Und oft ist das gar kein ständig spürbares Gefühl, sondern wabert unter der Bewusstseinsgrenze. Mit ihrem neuen Album "Pylon" holt Beabadoobee diese negative, nebelige Gedanken, verpackt in ihre gefällige Stimme, ans Tageslicht. Der Albumtitel bezeichnet die Strommasten, die Beatrice Laus auf ihrer Tour am Weg sieht. Elektrisierend ist auch die Mischung, die die Musikerin im neuen Longplayer serviert: Shoegaze, verletzliche und verträumte Texte und eine deutliche Rückbesinnung auf die rohe Energie von Rockmusik.

Der erste Song "Pylon" wirkt wie eine Dissoziierung von der Welt, ohne viel Text erschafft Beabadoobee eine Parallelwelt. Zurück auf die Erde und zwar mit einem Knall: "Sun Has Set" rechnet ab, ist unerbittlich und hart. Wie auch in den meisten Songs auf dem Album geht es um Liebe, oder besser gesagt um alles was nach ihr ist. Mutig sticht auch "Switchblade" hervor, einer der stärksten Tracks des Albums, der es nicht nötig hat zu schreien, um aufzufallen.

Leise und zerbrechlich klingt "Write Me A Letter". Die Sängerin thematisiert Selbstzweifel, was auch im weiteren Verlauf der Platte immer wieder durchblitzt. Introspektiv zeigt sich auch "In Motion". "I'm in motion, my emotions / Melting in my head / Drownin' noises with the voices / Swirlin' 'round my head".

Gemeinsam mit Hayley Williams von Paramore stellt Beatrice Laus fest: "'Cause I've got nothing to prove (La-la-la, la-la-la-la-la-la) / To you /'Cause I've got nothing to prove (La-la-la, la-la-la-la-la-la)". Selbstbewusst und mit viel Grunge-Gitarren geht es auf "Radio" weiter.

Das zweite Feature wartet in "Powerlines" mit Brendan Yates. Im Refrain steuert der Turnstile-Frontmann eine zwar harmonische, aber fast schon schüchterne Zweitstimme bei. Ein echter Powermove, sich nicht auf großen Namen auszuruhen, sondern sich nur eine kleine Portion Unterstützung zu holen.

Obwohl "Spark" es vom Titel her anders andeuten will, ist der Song eher ein Downer und plätschert recht nichtssagend vor sich hin. "Despite That" wird am Ende noch mal besser. "Satellite" ist ein passender Abschied für ein Album, das viel ausprobiert, einiges wieder aufwärmt und sich dabei ständig neu erfindet.

Laus Affinität zu Rockmusik schmälert keineswegs ihr Händchen für gefällige Melodien und mainstreamigen Themen. Ob Mainstream in diesem Kontext etwas negatives oder positives ist, muss jede*r für sich entscheiden. Dass aber das Sprengen von Grenzen und Barrieren fasziniert und uns Menschen im Blut zu liegen scheint, beweist die britische Singer-Songwriterin allemal.

Trackliste

  1. 1. Pylon
  2. 2. Sun Has Set
  3. 3. Estranged
  4. 4. Switchblade
  5. 5. Write Me A Letter
  6. 6. It's Alright
  7. 7. In Motion
  8. 8. Memories
  9. 9. Nothing To Pave
  10. 10. Radio
  11. 11. Powerlines
  12. 12. Spark
  13. 13. Despite That
  14. 14. Satellite

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