laut.de-Kritik
Das Quintett besinnt sich auf seine Wurzeln.
Review von Yan TemminghoffMetal existiert in 666 Schattierungen von hart bis zart. Dabei lohnt es sich für den Lebensunterhalt, sowohl den Die Hard-Fan als auch den Weekend-Warrior zu adressieren. Genau dies tun Insomnium mit ihrer Spielart des Melodic Death Metal.
In der frostigen Finsternis Finnlands gedeiht die Todeswurzel besonders schmackhaft. "Anno 1696" war ein klirrend kaltes Schauermärchen, konzeptuell auf einer Kurzgeschichte des grunzenden Bassisten Niilo Servänen gebaut. "Netherworlds", das bis dato härteste Exponat aus dem Hause Insomnium führt die Band anno 2026 back to the roots.
Als Fan freut man sich beim Hören wie ein Apostel nach der Auferstehung. Das Quintett besinnt sich auf seine Wurzeln und kredenzt zum zehnten Platten-Jubiläum eine Songkollektion, die wie eine Best Of funktioniert, mit gänzlich neuen Stücken wohlgemerkt.
Ein Novum wartet gleich zu Beginn. "The Cold Song" ist ein Cover von Henry Purcell, der dieses Stück für seine Oper King Arthur komponierte. Im Klanggewand von Achtziger Horror-Schinken à la Carpenter kriecht die Alptraum-Adaption des Klassikstückes aus den Boxen.
Mit den ersten drei regulären Stücken lässt die finnische Formation Flammen-Fontänen und Pyros vor dem geistigen Auge emporschießen und explodieren. Das Trio aus "Shadowlife", "Remembrance" und "Gleam In The Black" ist wie gemacht für die Festivalbühne, eifert dem Hit "Lilian" auf dem Vorgänger-Album nach und präsentiert hymnischen Metal mit harten Kanten im fasslichen Songformat.
Was direkt ins Ohr sticht: der Klargesang nimmt deutlich zu. "Remembrance" wartet zudem mit reichlich Dur in den Harmonien auf, was den positiven Charakter der Lyrics unterstreicht. Auch der härteste Track des Albums "The Banished", mit dem Neuzugang Tomy Laisto seine ersten Credits einheimst, kredenzt einen Fist Raising-Refrain, wie ihn etwa Sorcerer in ihren besten Momenten zelebrieren.
Die Traum- oder Unterwelt zwischen zwei Welten gibt die Hintergrundfolie für die Lyrics der Songkollektion. Die Band wendet sich bewusst von den historisch angehauchten und mythisch durchwirkten Konzepten der jüngeren Vergangenheit ab wie etwa der Wikinger-Sause auf dem Ein-Song-Epos "Heart Like A Grave".
"The Hour Grows Late" versammelt die halbe Amorphis-Besetzung hinter sich. Tomi Koivusaari und Tomi Joutsen glänzen guttural und clean, während Santeri Kallio ein abgespaceres Synthie-Solo in die Tasten hämmert.
Die größte Hook holen Insomnium bei "Arch Of The Sky" aus dem Köcher, das auf einer samischen Tradition basiert und den Stadion-tauglichen Zeile "I will never walk alone" zum Besten gibt. Episch und wie eine Liaison aus Doom und Postrock erklingen "Ethereal Sleep" und "Journeys End", die getragen, melancholisch und melodisch die Luft mit reichlich Emotion zum Schwingen bringen.


1 Kommentar mit 3 Antworten
"Metal existiert in 666 Schattierungen von hart bis zart" scheibt der Rezensent und spielt damit auf die Vielfalt des auf diesem Album dargebotenen Spektrums an.
Persönlich war ich nie der große Insomnium Fan, wobei ich nie genau sagen konnte, wieso es mich nicht angesprochen hat. Beim Melodic Death Metal stört mich aber auch ehrlich gesagt das "Melodic" ein wenig. Death sollte eben Death sein und nicht zart und melodisch, also weder Fisch noch Fleisch.
Genau das ist hier aber der Fall. Absoluter negativer Höhepunkt ist "Journey's End"; wenn man sich die Gitarren wegdenkt, sieht man Céline Dion am Bug der Titanic stehen und ihre Titanic Hymne "My Heart Will Go On" singen.
Death Metal steht hier also drauf und Death Metal ist auch drin, aber mir ist das Ganze insgesamt zu überproduziert und irgendwie fehlt der Musik auch einfach eine "Gruftie" Note. Das Album klingt nicht so, wie es das Cover vermittelt.
Wird aber seine Freunde finden, besonders bei der Amorphis Fraktion, die mit völlig überladenem Metal ja ohnehin keine Probleme hat. Mir persönlich ist das zu wenig Dark, zu wenig Gothic und zu wenig Death! Und insgesamt halt auch zu überladen.
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Schön, dass Theos Belästigungen jetzt konsequenterweise gelöscht werden