Platz 3: Vun Drinne Noh Drusse (1982)

"Für Usszeschnigge" und "Vun Drinne Noh Drusse" – das eine wäre ohne den anderen weder denkbar, noch komplett. Trotz ähnlicher Hit-Schlagzahl fällt das Ranking an dieser Stelle leicht: Denn die zahlreichen Runden Live-Arsch-abspielen zwischen den beiden Werken ermöglichten einen Fortschritt, der nach weit mehr als nur zehn Monaten klingt.
"Vun Drinne Noh Drusse" ist ein großer Sprung nach vorne: sowohl fürs Zusammenspiel im Bandgefüge als für die einzelnen Instrumentalleistungen. Einen gigantischen Sprung macht aber auch der Lyriker Niedecken: Das in düsteren Metaphern schwelgende "Kristallnaach" führt einen neuen assoziativen Stil ein, der meilenweit über typischen Politrock hinausgeht.
Den gibt es zwar auch ("Zehnter Juni", "Wenn Et Bedde Sich Lohne Däht"), doch auch der bewegt sich weit abseits erhobener Erklärbär-Zeigefinger. Denn Niedecken besingt die Ängste des Kalten Krieges aus der Perspektive des kleinen Mannes: aus seiner eigenen. Obendrauf "Wellenreiter", obendrauf "Do Kanns Zaubere", obendrauf die Leichtigkeit von "Carmen". Wahnsinn!
Das schwierigste Album für eine Band ist nicht immer das zweite, sondern das nach dem großen Durchbruch. Mit welcher Trefferquote, mit welch empathischer Dringlichkeit, mit welcher Leichtigkeit "Vun Drinne Noh Drusse" seinen Vorgängern 1982 vom Thron der Albencharts schmeißt, ist eigentlich kaum zu fassen. Und dann hier nur auf Platz drei? UN-FASS-BAR!
Wolfgang Niedecken:
"Es ging immer weiter. Wir hatten während der 'Usszeschnigge'-Tour schon an den Stücken geschrieben und uns viel Live-Routine erarbeitet. Aber auch hier sind wieder ein paar Songs dabei, die ewig rumlagen, siehe 'Wie 'Ne Stein'. Als ich mit 'Kristallnaach' ankam, dachte ich, die Band würde mich hassen: sechs Strophen, kein Refrain. Aber die fanden es super."
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