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The Lovin' Spoonful - "Daydream"

Gurgelt ihr beim Zähneputzen? Das kann sich musikalisch anhören. Da wir unterstellen dürfen, dass man 1966 im Kreise der Lovin' Spoonful noch nicht gescratcht hat, entstand "Bald Headed Lena" wohl beim Gurgeln. Heute ginge der Mittelteil des Tunes sicher auf TikTok viral, damals ging er bei uns irgendwie unter, war aber in manchen Pressungen die B-Seite der Vinyl-45 "Summer In The City". Genau dieser amtliche Welthit fehlt auf dem Album, welch eine Marketing-Panne! "Daydream" ragt trotzdem heraus, vor allem aus dem Sound der damaligen Zeit. John Sebastian und seine Mitstreiter fügten von New York aus Country und Blues, damals dezidierte Südstaaten-Musik, mit dem Hippie-Feeling der nahenden Monterey-Woodstock-Welle zusammen.

Eine weitere Strömung spezifisch auf diesem zweiten Spoonful-Album war der Easy Listening-Jazz der 1940er und 50er und Frank Sinatras Technik des Crooning. John Sebastian konnte das mit seiner charismatischen und erfrischenden Stimme auch. Bereits dem Hit "Daydream" merkt man seine einzigartige Mischung aus Kleinkunst und Jazz-Entertainment in der Phrasierung und hüpfendem Novelty-Folk im Spiel der Instrumente an. Der Vaudeville-Twang in "Jug Band Music" erklingt als US-Pendant zu den Konzeptalben der Kinks, "There She Is" ist Psychedelic-Rock vom Feinsten, in "Didn't Want To Have To Do It" zittert und wabert zumindest die Lead-Guitar in diesem Stil und somit dem Trend des Jahres '66. Das Instrumental "Big Noise From Speonk" entspricht zappa'eskem "Freak Out!"-Blues, nachzublättern in einem der vorigen Slides dieser Liste.

Die Spoonful hatten übrigens tatsächlich die Löffel voll: Ihr Percussionist, der Musical-Schauspieler Joe Butler, trommelte mit Löffeln. Ein weiteres ihrer vielen Alleinstellungsmerkmale beschert den Lovin' Spoonful ihr Zither-Spiel, das "Butchie's Tune" und "Warm Baby" mit einer Pop-weit und Rock-breit einzigartigen Klangfarbe veredelt. Die Single "You Didn't Have To Be So Nice" lehnt sich an den Surf-Style und räumlich abgemischten mehrstimmigen Gesang der Beach Boys an. Während sich die Zeitgenossen Small Faces dazu bekannten, dass die Lovin' Spoonful sie inspiriert haben, ziehen sich die Einflüsse bis heute zu Wilco, The Mountain Goats und Lambchop durch. Den Urknall der soul-folkigen Hippie-Americana-Aufsaugung traditioneller Musiken im Sixties-Gewand lösten allerdings die Lovin' Spoonful mit dem Titellied "Daydream" aus.

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The Lovin' Spoonful - "Daydream"*

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