Max Romeo & The Upsetters - "War Ina Babylon"
Fragst du außerhalb der Genre-Blase nach Roots-Reggae-Tunes, die nicht von Bob Marley stammen, wird die Luft sehr schnell sehr dünn. Trotzdem: Die Mär vom aufrechten Streiter, der sich in sein eisernes Leibchen wirft, um den Beelzebub vom Erdenrund zu verscheuchen, haben die meisten schon einmal gehört. Dafür darf sich Max Romeo wahrscheinlich bei The Prodigy bedanken. Für deren Erfolg mit "Out Of Space" legte wiederum "Chase The Devil" die Grundlage: ein Geben und Nehmen.
Das Album, das diesen Über-Hit birgt, trägt seinen Titel mit vollem Recht. Als es erschien, herrschte in der Tat "War Ina Babylon". Jamaika erfreute sich erst seit kurzem seiner Unabhängigkeit. Gang-Gewalt florierte, die Gier trieb hässliche Blüten. Die noch junge Demokratie strauchelte bereits wieder, der anstehende Parlaments-Wahlkampf drohte in einen Bürgerkrieg zu kippen. Statt sich um das Seelenheil ihrer Schäfchen zu kümmern, witterten Kirchen ihre Chance, sich im aufkommenden Machtvakuum Einfluss zu sichern, "Stealing In The Name Of Jah". Den Preis bezahlten, wie immer und überall, die Habenichtse: Immer weiter klaffte die Schere zwischen Arm und Reich auseinander.
Max Romeo, gesegnet mit scharfer Beobachtungsgabe und kritischem Geist, hatte also plötzlich einiges mehr zu sagen, als sich (wie zuvor) in schlüpfrigen Lyrics zu suhlen. Er hängte sein Rude Boy-Image an den Nagel, versenkte seine Finger in den zahlreichen offen schwärenden Wunden, predigte gegen die grassierende Bigotterie an und beschwor seine Landsleute zugleich, durchzuhalten. Und er sagte dem Bösen den Kampf an: "Lucifer, son of the mourning, I'm gonna chase you out of Earth!" Im Zusammenspiel mit Produzent Lee Scratch Perry, dessen legendärer Studioband, den Upsetters, und Background-Vocals von Marcia Griffiths im Rücken erschuf er das bis dato wahrscheinlich Vocal-lastigste Album der Dub-Geschichte. Mit jedem Recht der Welt ein Klassiker.
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Max Romeo & The Upsetters - "War Ina Babylon"*
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