Seite 40 von 40

Die Ärzte - "Die Ärzte"

Niemand wirft seinen gutaussehenden Bassisten aus der Band. Außer man hat sehr gute Gründe. Anfang 1986 hat sich die "Berliner Funpunk-Band" (Bravo) Die Ärzte bereits einen beachtlichen Fankreis erspielt, was ihrem Bassisten Sahnie deutlich zu Kopf steigt. Er will nur noch des Geldes und der Groupies wegen auftreten und halluziniert öffentlich von PR-Auftritten in Limousinen und Playback-Shows. Zu viel für Bela und Farin: Sahnie fliegt raus, mit einer Abfindung in Höhe von 10.000 DM.

"Die Ärzte" entsteht als Duo mit Hilfsbassist Manne Praeker von Spliff und hält das Interesse aufrecht. Allerdings erst einmal bei der falschen Zielgruppe. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften hört "Geschwisterliebe" und reagiert sofort: Die deutsche Jugend muss vor diesen Männern geschützt werden. Die "Debil"-Songs "Claudia hat 'nen Schäferhund" und "Schlaflied" werden gleich mit einkassiert. Die Ärzte sind fortan ein Synonym für Skandalband.

Der ganze Wirbel verdeckt die Klasse dieses Albums. Natürlich besorgen sich interessierte Jugendliche die Platte nun erst recht unter der Ladentheke und entdecken dort den extrem langlebigen Live-Evergreen "Wie Am Ersten Tag", die Pop-Hymne "Für Immer", die Halbstarken-Ode "Ist das alles?", das frivol-provozierende "Sweet Sweet Gwendoline", das herrlich sinnfreie "Ich bin reich" und mit "Mysteryland" den besten 80er-Song aus dem Schattenreich des Dunkelfürsten Bela B. Einzig die Produktion fällt aus heutiger Sicht etwas flach aus, aber darüber musste man beim Vorgänger "Im Schatten der Ärzte" auch schon hinwegsehen.

Kaufen?

Die Ärzte - "Die Ärzte"*

Wenn du über diesen Link etwas bei amazon.de bestellst, unterstützt du laut.de mit ein paar Cent. Dankeschön!

Seite 40 von 40

Weiterlesen

Best of 1986 40 Jahre, 40 Alben

Atomkraft? Nein, danke! Lieber Pop in seiner Prime, Pionierarbeit im Hip Hop, packendes Storytelling im Schlager und Metal-Meilensteine satt.

Noch keine Kommentare