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The Smashing Pumpkins - "Mellon Collie And The Infinite Sadness"

Es gehört zum Lauf der Dinge, dass der aktuellste Musiktrend auch immer zum Tod des Vorgängers führt. Während der Britpop 1995 also trunken vor Glück gerade von einer rauschenden Festivität zur nächsten stolperte, lag Grunge in den letzten Atemzügen. Läutete Cobain einst mit "Smells Like Teen Spirit" den Start ein, endete dieser eh ziemlich konstruierte Trend im Grunde mit seinem Tod am 5. April 1994. Ende Gelände. Gab es diesbezüglich noch irgendwelche offene Fragen, beendete "Mellon Collie And The Infinite Sadness" von den Smashing Pumpkins diese am 24. Oktober 1995. Ab nun trugen wieder nur bärtige Holzfäller in einsamen Hütten Karo-Flanellhemden. Der modische Herr hatte sich fürderhin in einem Sternchen-Pulli zu kleiden.

Obwohl sich immer wieder wütende Gitarren durch das Album winden, weiter von "Nevermind" könnte es kaum entfernt sein. Wer außer Guns N' Roses-Fans hätte Anfang der 1990er schon ein Doppel-Album gewollt? Im Grunde nicht einmal die. Grob nach den Vorbildern von Fleetwood Macs "Tusk" und Pink Floyds "The Wall" lieferte Billy Corgan nun jedoch genau das: ein vielfältiges Alternative-Rock-Werk, ebenso vollgepackt mit Streichern und melancholischem Kitsch wie mit Bratgitarren. Das Doppel-Album für die an der Welt und sich selbst verzweifelnde Abteilung der Generation X.

Erstaunlicherweise funktionierten die Smashing Pumpkins genau in diesem überdimensionalen Moment als Band am besten. Löschte Corgan auf dem Vorgänger "Siamese Dream" noch sämtliche Spuren seiner Mitmusiker:innen und spielte sie danach selbst neu ein, durften hier alle mit an Bord sein und sich einbringen. Am Ende lieferte das von Alan Moulder, Flood und Billy Corgan im traditionell schlechtem Smashing Pumpkins-Soundbrei abgemischte und produzierte Werk natürlich auch einige Lückenfüller, auf die man getrost hätte verzichten können. Keine Doppel-LP kommt ohne aus. Ihnen gegenüber stehen aber auch Songs wie die Prog-Romantik in "Porcelina Of The Vast Oceans", das schwärmerische "Tonight, Tonight", das riffbetonte "Zero" oder das New Order-hafte "1979".

"'Mellon Collie' ist zu einem Drittel traurig, zu einem Drittel sehr traurig und zu einem Drittel völlig depressiv", erklärte Corgan bei der Veröffentlichung das Longplayers. Dabei standen die schlimmen Zeiten erst bevor. Bei einer Show in Dublin erdrücken die Massen ein 17-jähriges Mädchen. Nach einer Überdosis Heroin stirbt Tour-Keyboarder Jonathan Melvoin. Schlagzeuger Jimmy Chamberlin, der mit ihm Heroin nahm, flog aus der Band. Der Auftakt zu einer Serie von Niederlagen, von denen sich die Smashing Pumpkins nie wieder ganz erholen sollten. "Someone will say what is lost can never be saved."

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The Smashing Pumpkins - "Mellon Collie And The Infinite Sadness"*

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