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The Fugees - "The Score"

Irgendwie muss es den Fugees gut bekommen sein, dass die Musikpresse ihr Debüt komplett in der Luft zerriss. Statt nach den vernichtenden Kritiken von "Blunted On Reality" die Segel zu streichen, die Mics an den Nagel zu hängen und die Köpfe im Sand zu versenken, vergruben sich Pras, Wyclef Jean und Lauryn Hill im Studio, das sie sich von ihrem Vorschuss vom Label eingerichtet hatten, und setzten sich mit einer Mischung aus "Eh schon alles egal"- und "Jetzt erst recht"-Attitüde an ihren Zweitling.

Im Februar 1996 hieß es "It's time to settle the score" und, guck: Die Rechnung fiel eindeutig zugunsten des zuvor so geschmähten Trios aus. Man kann darüber streiten, ob man einen zauberhaften Song wie Roberta Flacks Version von "Killing Me Softly" unbedingt hätte kaputtcovern müssen, doch bezüglich des Albums als Ganzes herrscht im Grunde weithin Einigkeit: "The Score" ist ein Meilenstein, es zeigt 1990er-Hip Hop, der ohnehin schon auf einem Höhepunkt stand, im Zenit.

Wie kommts? Nun, bewusst oder unbewusst haben sich die Fugees darauf besonnen, was das Genre einst ausgemacht hat: sich aus allen Schubladen das Passende herausfischen, mit den eigenen Stärken und Skills in einen Topf werfen, und aus alldem etwas Neues kochen, etwas Unerhörtes: Ein Album wie "The Score" eben, auf dem Rap-Verses und R'n'B-Hooks, Reggae-Grooves, Soul-Klassiker und aktueller Pop nebeneinanderstehen, als müsse es genau so sein, zusammengehalten von einer Flut von Samples, die teils selbst irgendwoher gesamplet wurden ... öffz!

Dass, was dabei herauskam, trotzdem so simpel klingt, ist ein mittleres Wunder, recht sicher aber auch ein Grund dafür, dass die Beats auch nach inzwischen Jahrzehnten noch funktionieren. Sie bilden jedenfalls die perfekte Grundlage für Wyclefs Storytelling, Pras' Mordfantasien und Lauryn Hills Rap-Skills, ihr Gesangstalent und ihr lyrisches Genie, das vom Wahnsinn, wie sich zeigte, nie besonders weit entfernt war. Diese Crew, dachte man damals, hat das Potenzial, um Hip Hop gründlich auf links zu drehen. Dieses Trio ist gekommen, um zu bleiben.

Yo, ein Jahr nach der Veröffentlichung gingen alle drei Fugees getrennte Wege. Über die Gründe für den Split hörte erst man lange sehr wenig, dann Verschiedenes, je nachdem, wen man fragte. Mal soll es musikalische Unstimmigkeiten gegeben haben, mal soll die (zumindest irgendwann einmal romantisch gewesene) Beziehung zwischen Lauryn und Wyclef als Dynamit fungiert haben, das das Bandgefüge sprengte. Woran es genau gelegen hat, wissen, wenn überhaupt noch jemand, wohl höchstens die Beteiligten. Im wesentlichen war es mit den Fugees danach jedenfalls vorbei. "The Score" aber bleibt ein großartiges Vermächtnis.

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