Seite 15 von 50

1990er, Platz 6: Gang Starr

Wann ist eine Crew eine Crew? Fällt Hip Hops kleinste Einheit, ein Ein-MC-ein-Producer-Gespann auch schon darunter, oder müssen wir an dieser Stelle die Gang Starr Foundation anführen, den losen Zusammenschluss New Yorker Künstler*innen, zu denen unter anderem Afu-Ra, M.O.P., Freddie Foxx, Group Home und Bahamadia zählen? Nö, wie finden: Auch Gang Starr alleine sind eine vollwertige Crew, eins dieser Arsch-auf-Eimer-Duos, die zusammen so viel mehr waren, als sie einzeln in die Wagschale geworfen haben. Und das war auch schon viel.

DJ Premier hat einfach die coolsten Soul-, Funk und Jazz-Samples und ist obendrein ein Virtuose am Turntable, ein Meister der Cuts und Scratches. Nach seinen Beats, keine vielschichtigen, undurchsichtigen Epen, sondern prägnante, klare Gebilde, leckt sich der rappende Teil der Hip Hop-Welt die Finger, während Produzenten den Style reihenweise zu kopieren versuchen. Primo produziert für eigentlich alle Großen, sein eigenes Denkmal hat er sich aber zusammen mit Guru errichtet.

Der wiederum interpretiert seinen Künstlernamen mit vollem Recht als Akronym für "Gifted Unlimited Rhymes Universal": Die gelassene Smoothness, die seinen Flow dominiert, ist das eine, Guru hat darüber hinaus aber auch eine Mission: "Ich möchte die Jugend leiten, ihr eine positive Message mitgeben." Im Duo mit Gang Starr schwingt er sich zu ungeahnten Höhen auf. So lange die Kooperation dauerte, war sie schlicht und ergreifend sehr, sehr gut und setzte Maßstäbe für eine Zeit, die als Golden Era in die Geschichte eingehen sollte.

Doch leider muss auch das beste Team irgendwann seinem moment of truth ins Gesicht sehen: Als Guru 2010 mit nur 43 Jahren von einem Krebsleiden geschwächt einem Herzinfarkt erliegt, hinterlässt er einen Abschiedsbrief, der für einigen Wirbel sorgt: "Ich wünsche nicht, dass mein Ex-DJ mit meinem Namen in Verbindung gebracht wird oder ihn benutzt, für Tribute-Events oder was und warum auch immer", schießt er da (angeblich) späte Giftpfeile in Richtung DJ Premier. "Ich habe meine Rechtsanwälte beauftragt, dagegen vorzugehen. Ich hatte in meinem Leben in den letzten sieben Jahren nichts mit ihm zu tun und möchte auch im Tod nichts mit ihm zu tun haben."

Ob der Brief nun echt gewesen ist oder, wie die Gerüchteküche munkelte, von Premos Nachfolger Solar gefälscht oder manipuliert worden: egal. DJ Premier ließ sich kein böses Wort über seinen ehemaligen musikalischen Partner entlocken: "Alles, was ich zu diesem Thema sagen werde, ist, dass wir eine wunderschöne Zeit miteinander hatten. Wir haben Hip Hop ein Vermächtnis hinterlassen, und niemand kann die Geschichte umschreiben oder mir meine Liebe für ihn nehmen."

So gehts doch auch.

Seite 15 von 50

Weiterlesen

Noch keine Kommentare