2000er, Platz 9: Madvillain
Eine Gruppe, die, abgesehen von einigen Remixes jenes Werkes, nur ein Album vorzuweisen hat, landet auf dieser Liste? Selbstverständlich! Schließlich handelt es sich bei dieser Platte ausgerechnet um eines der besten Hip Hop-Alben, wenn nicht sogar eines der besten Musikalben überhaupt. Madvillain ist das charismatische Duo, bestehend aus dem rappenden Superschurken und wohlbekannten Lieblingsrapper deines Lieblingsrappers MF DOOM und Madlib, dem Sample-Guru schlechthin. "Madvillainy" hieß das Monster, das beide gemeinsam 2004 auf die Welt losließen. Die in gerade einmal 46 Minuten gepressten 22 Songs sind kompakt, nie zu lang, und dennoch strotzen sie nur so vor lyrischen und musikalischen Ideen.
MF DOOM stellt spätestens hier unter Beweis, warum man ihn nur in ALL CAPS zu schreiben hat. Er erzählt urkomische Geschichten und verpackt diese "with enough rhymes to spread throughout the boundless universes", wie er selbst im Outro "Rhinestone Cowboy" berichtet. Wir sprechen hier von Reimketten, vor denen sogar Kreuzworträtsel-Futzis wie Kollegah erblassen würden, und trotzdem ist das Ganze nicht nur reines Geflexe, sondern vermittelt wahrlich abstrakte Gedankengänge und wirklich unterhaltsame Ideen.
Madlib demonstriert mit diesem Album, dass es materiell nahezu nichts benötigt, um großartige Werke zu erschaffen. Zeitweise ließ er sich während der Phase der Albumproduktion in Brasilien nieder und arbeitete an dem Werk mit nicht mehr als einem Boss-SP-303-Sampler, einem tragbaren Plattenspieler und einem Kassettendeck. Mit minimalen Mitteln das Maximum herausholen: ein Stunt, den der Super-Producer immer wieder wagte, wie auch bei Freddie Gibbs' Album "Bandana", wofür er wohl lediglich ein iPad nutzte.
Immer wieder kursieren Gerüchte über einen zweiten Teil von "Madvillainy", es soll sogar daran gearbeitet worden sein. Besonders zwei Dinge erschwerten die Vollendung eines Nachfolgers jedoch: Als DOOM 2010 seine Europa-Tour vollendete, verwehrte man dem gebürtigen Londoner die Einreise in seine amerikanische Heimat. Er war gezwungen, für den Rest seines Lebens in Großbritannien zu verweilen. Rund zehn Jahre später, am 31. Oktober 2020, starb der Mann mit der verchromten Maske mit 49 Jahren im St. James's University Hospital in Leeds tragischerweise an einem Angioödem, in seinem Falle eine allergische Reaktion auf ein Blutdruckmedikament. Dem NME gegenüber hieß es, der zweite "Madvillainy"-Teil sei zu rund 85 Prozent fertig, und auch Madlib teilte mit, er wolle das Album fertigstellen. Bis dahin bleibt "Madvillainy 2" voraussichtlich das "Half-Life 3" der Musikindustrie.
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