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2010er, Platz 9: Brockhampton

2017 erschien die "Saturation"-Trilogie von Brockhampton Schlag auf Schlag und katapultierte die interessanteste Rap-Crew des Internetzeitalters nach Odd Future ins Rampenlicht. Die selbsternannte "beste Boyband seit One Direction", galt in den späten 2010ern für einige Jahre als Kultphänomen.

Kevin Abstract fand die frühen Mitglieder über ein Kanye-West-Forum. Aus einem losen Online-Zusammenschluss wurde ein vielköpfiges kreatives Kollektiv. Rap und Gesang, Produktion, Videos und Management lagen in den Händen eines festen Zirkels. Doch nicht die Einheit, sondern die Widersprüche machten ihren Sound so besonders. Aggressiv und chaotisch, aber auch verletzlich und transparent. Auf Größenwahn und Party folgen Selbstzweifel und Identitätskrise.

Neben offensivem queeren Begehren und dem Brechen heteronormativer Muster der Rapszene stehen zugleich Wut, Gewaltfantasien und harte Männlichkeit. Brockhampton waren nie so widerspruchsfrei, wie ihr Ruf als progressive Crew manchmal nahelegte. Diese Reibung erhielt 2018 eine reale, tragische Dimension: Mitgründer und prägende Stimme Ameer Vann wurde nach Vorwürfen sexueller Übergriffe aus der Gruppe rausgeworfen. Ein geplantes Album wurde verworfen und die Crew sah sich gezwungen, sich künstlerisch und persönlich neu zu sortieren.

Darauf erschienen noch fünf weitere Alben, bevor 2022 die Auflösung folgte. Die ursprüngliche Leichtigkeit der "Saturation"-Phase erreichten sie dabei nur noch gelegentlich. Ihre zentrale Stärke blieb jedoch durchweg bestehen: eine unvergleichbare, diverse und kreative Rap-Crew, die nicht als geschlossene Einheit, sondern als Zusammenprall verschiedener Stimmen und Stile funktionierte.

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