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2010er, Platz 1: Odd Future Wolf Gang

Schriller Name, noch schrillere Crew. Odd Future Wolf Gang Kill Them All, der Einfachheit halber auch einfach Odd Future oder OF genannt, waren von Stunde Null an durchweg anders. Ein Komplott, bestehend aus jungen Skatern und Edgelords, und deren Wegweiser: Tyler The Creator. Ende der 2000er und Anfang der 2010er entpuppte sich das zu Hochzeiten aus 60 Mitgliedern bestehende Camp als eine seltsame Antwort auf die vorangegangene, Gangsta- und Bling-Ära-Rap. Was sie ausmachte: ein ansteckender DIY-Approach, unkonventionelle Sounds sowie freche und provokante Lyrics. Passenderweise beschrieb Tyler die Texte der Gruppe in einem Interview als "shit to piss old white people off".

Doch auch außerhalb der Musik machte sich der Trupp mit schrägen Aktionen und Stunts einen Namen, zum Beispiel in ihrer eigenen "Adult-Swim"-Serie "Loiter Squad", mit ihrer leicht "Jackass"-esken Machart und saukomischen Comedy-Skits. Ihre Treue zur Klamottenmarke Supreme setzte obendrein den Grundstein für einen neuen Hype in der Streetwear-Branche und beflügelte damit auch die Hypebeast-Kultur. Im Dunstkreis der Gruppe befanden sich auch zukünftige etablierte Namen wie Vince Staples und Freddie Gibbs.

Mitte der 2010er löste sich das Kollektiv allmählich auf. Einige der Ex-Mitglieder wie L-Boy schafften den Sprung in die Entertainment-Branche. Syd, bekannt als die einzige Frau bei Odd Future, gründete noch während ihrer Zeit bei der Gruppe zusammen mit Matt Martians (ebenfalls OF) die Alternative R'n'B-Band The Internet, die mit ihrem 2015er Album "Ego Death" sogar eine Grammy-Nominierung einheimste. Der ursprünglich noch recht Horrorcore-lastige Earl Sweatshirt avancierte nach Odd Future in seiner Solokarriere zu einem Liebling in den Kreisen des Abstract Hip Hop.

Frank Ocean erarbeitete sich mit dem Mixtape "Nostalgia, ULTRA" und den Alben "Channel ORANGE" und "Blonde" den Status einer R'n'B-Legende, und dem Chef Tyler The Creator merkte man frühestens nach "Wolf" an, dass er sich von seiner edgy Persona verabschieden möchte. Der Künstler, den man für seine kontroversen Texte unter anderem der Homophobie beschuldigte, outete sich 2017 auf "Flower Boy" urplötzlich als bisexuell. Mit diesem Album sowie Grammy-ausgezeichneten Nachfolgern wie "Igor", das viel mehr mit Neo-Soul und Alternative R'n'B als mit Hip Hop zu tun hatte, oder "Call Me If You Get Lost", entwickelte er seinen Sound und seine Persona stetig weiter und zählt heute zu den respektiertesten Namen in der Musikindustrie.

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