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Xavier, Pt. 2

Trotzdem: Es gab eine Passage, mit der Rützel in meinen Augen seltsam umgegangen ist, und die kommt im ersten Drittel von Xaviers Rede. Da spricht er, wie er als Achtjähriger in Südafrika sexuell missbraucht wurde. Sie erwähnt das und eiert ein bisschen drumherum, geht dann aber schlussendlich weiter.

Ich muss sagen: Ein bisschen musste ich doch stocken. Dass Naidoo selbst Missbrauchserfahrung gemacht hat, erklärt vielleicht doch auf menschlicher Ebene sehr viel darüber, warum er bei diesem Thema dieses immense Level an Emotionalisierung erreicht. Irgendwie erklärt es mir persönlich auch gut, was vielleicht schlussendlich zu seiner Radikalisierung beigetragen hat. Diese ganze Rede, auch wenn er dann direkt wieder zu übersinnlichen Eingebungen und anderen Verschwörungen übergeht, hat mir irgendwie deutlich weniger Lust gemacht, Meme-Xavier zu behandeln.

Am Ende ist es doch vor allem traurig, oder nicht? In der Sache: Ich will auch, dass der ganze Epstein-Scheiß aufgedeckt wird. Ich will auch, dass Kinder geschützt werden. So weit, so gut. Und ich nehme an, dass die Sorte Wut und Ohnmacht, die viele der Leuten an diesem Ort empfinden, zumindest verwandt mit der Wut und Ohnmacht ist, die viele Linke empfinden: Wir sollten ja eigentlich alle darin einig sein, dass die Strukturen über uns einen Scheiß dafür tun, unser aller Leben besser zu machen. Schon bevor sie systematisch Kinder missbrauchen.

Soweit so Kumbayah: Ich verstehe jetzt nur nicht, wie die Analyse von 'Wir müssen etwas in Reaktion auf Epstein tun' hinschwappt zu 'Lass uns ganz viele seltsame Neofaschos und Trumpisten einladen'. Als wären das nicht die Schlimmsten! Naja. Man muss nicht alles verstehen.

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