Ein kleiner Schnack mit dem Drop-Watcher
Ich beende die heutige Ausgabe mit einer Art Mini-Interview. Denn seit ein paar Jahren frequentiere ich sehr gerne eine Ressource auf dem hiphopheads-Subreddit, die wirklich sehr viel Mehrwert bietet: Jede Woche nämlich kuratiert der User u/drop-watcher dort eine massive und akkurate Auflistung aller großen Releases der Woche. Alben, EPs, Singles, alles ist schön aufgereiht. Außerdem aggregiert er auch eine große Liste der Verkaufszahlen des Hip Hop-Jahrs.
Klingt wie eine nette kleine Fleißarbeit, aber ich will ehrlich festhalten: User wie er (oder u/chemnitzer-fc im deutschsprachigen Raum) machen in einer Zeit, in der das Social Media-Content-getriebene Internet sehr vergesslich geworden ist, wahnsinnig wertvolle Archiv-Arbeit. Und sie machen Arbeit, die Journalistinnen wie Userinnen eine Handhabe über die Breite des Genres geben, die nicht von Algorithmen abhängig ist. Das kann man in meinen Augen nicht hoch genug anrechnen.
Seinen Beiträgen zufolge scheint der Drop-Watcher auch einfach nur ein chiller, sehr kluger Typ zu sein, der sich wahnsinnig viel Rapmusik reinzieht. Also bin ich ihm mal in die gottverdammten Reddit-DMs geslidet und habe gefragt, ob er Lust hätte, sich für ein paar Takte mit mir zu unterhalten. Siehe an: Eine Woche später hocken wir uns in einem Discord-Videocall gegenüber.
Drop-Watcher ist ein Guy Anfang dreißig, er arbeitet einen IT-Job, der viel von zuhause aus läuft (ergo ihm viel Zeit gibt, auf der Arbeit Musik zu hören). Er lebt in Philly, hat türkische Wurzeln und hat genau die enzyklopädische Bandbreite modernen Raps, die ich mir aus dem Gespräch erhofft habe. Dabei ist es nicht so, als wolle er einem das Ohr abkauen. Aber wenn man ihn etwas fragt, merkt man, dass er wirklich tief plugged in ist.
Bevor wir aber zu seinen in meinen Augen sehr interessanten Rap-Takes kommen: Wie wird man eigentlich der Drop-Watcher? Naja: Relativ proaktiv. Die Releases sammelt er, weil er sich halt gewünscht hat, jemand würde das machen. Er benutzt dafür die Neuerscheinungs-Tabs bei Apple Music, Rateyourmusic und ein paar anderen Seiten. Irgendwann wurde er ins Moderatoren-Team des Subreddits eingeladen, auf die tatsächlichen Mod-Tätigkeiten der Seite hat er aber eigentlich gar nicht so viel Lust. Seine Bereitschaft, nerdige Liebesarbeit zu machen, ist aber wohl für das Rap-Internet schon Glücksfall genug. Also können bitte gern andere die wildgewordenen Kanye-Fans bannen oder was auch immer ein Reddit-Mod sonst noch so zu tun pflegt.
Langfristig will er sich aber von der reinen Subreddit-Existenz emanzipieren. Dafür baut er sich gerade eine eigene Website mit allen Funktionen auf, die das Releases-Scrollen ein bisschen kompakter machen könnten. Die findet ihr hier entlang.
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