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Die Ansichten eines Drop-Watchers

Und zuletzt war es mir natürlich auch ein Anliegen, mit ihm über Rap selbst zu sprechen. Eine besondere Frage brennt mir natürlich immer unter den Nägeln: Was sind Artists, auf die es so richtig zu achten gilt? Und allein dafür kann man natürlich gut ins Gespräch kommen, gerade über die XXL-Freshman Class haben wir uns ein bisschen ausgetauscht.

Stellt sich raus: Er könnte zwar eine Menge Artists herauspicken, die er für sehr interessant und gut hält, aber massive Superstars sieht er gerade nicht im kommen. Er mag den nostalgischen Stoner-Rap von Marco Plus. Ovrcast ist einer der potentiellen Alben-Artists. Sk8star steht für ihn für die aktuelle Generation an Atlanta-Rappern, denen er viel Potenzial zuschreibt.

Aber grundsätzlich sieht er das Problem in einer Verschleppung der neuen Generation an Rap-Artists aus dem Lockdown. Eigentlich hätten Leute wie Roddy Ricch, Polo G und Lil Tjay oder Jack Harlow längst die Fackel übernehmen sollen. Aber der Übergang ist so leider nie passiert. Viele Projekte wurden nach hinten gezogen, Alben wurden geshelft.

In der Gesamtkonstellation hat sich in seinen Augen auf eine Art verschoben, dass auch die Labels immer weniger in Artist-Development investieren und stattdessen auf virale Hits setzen. Die Geschichte von Sada Baby scheint da stellvertretend: Der war 2020 eine massive Hoffnung und wurde perfekt auf seinen Durchbruchs-Hit "Whole Lotta Choppas" aufgebaut. Wenn man ihn verfolgt hat: Da waren gute Singles davor (fucking "Slide"!!), gute Videos, Ästhetik. Ihm wurde da offensichtlich so zugearbeitet, dass er seine Stärken ausspielen konnte.

Dann kam sein Crashout-Moment, in dem er Lil Nas X homophob beleidigt hat. Das Label hat ihn fallengelassen, seitdem kämpft er für sich selbst. Und die fünf Mixtapes der letzten Jahre hatten halt einfach nicht das, was ihn zu einem Event-Rapper machen würden. Es war wahlloses Zeug, das an die Wand geworfen wurde.

Er ist ein gutes Extrembeispiel, das zeigt, was Labelarbeit und Artist Development eigentlich tun sollte - und was passiert, wenn man es ganz einstellt. Klar, hier ist es extrem, aber grundsätzlich gilt. Mehr Rapper denn je haben Verträge, aber für viele von denen wird eigentlich nichts getan. Entsprechend verzahnen sich weniger und der gesamte Hip Hop-Kuchen wird kleiner.

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