Satarii, Pt. 2
Doch wirklich befremden mich diese ganzen Partytracks. Ich kann mir irgendwie vorstellen, dass da für sie sehr viel Persönliches und Identität dranhängen. Will ich gar nicht beurteilen. Ich habe nur ein Problem: Vielleicht mag diese Frau tatsächlich die loco Partyqueen sein, als die sie sich in diesen Tracks immer wieder beschreibt. Wer weiß, ich kenn' sie nicht. Vielleicht schreit wirklich der ganze Club "Yallah Habibi!", wenn sie dem Raum betritt.
Aber sollte das tatsächlich stimmen, kommt es null und nichtig rüber. Sie klingt auf dem ganzen Album konstant gestresst, bitter und wenige Sekunden vom Burnout entfernt. Immer wieder behaupten die Tracks, wir würden gerade eine gute Zeit haben. Aber die positive Energie und das Empowerment fühlen sich wie hauchdünner Lack an.
Ich wähne mich ein bisschen an die Zeiten an der Uni zurückversetzt, als die Literatur-Fachschaft damit dran war, die Clubhausparty zu hosten. Nachdem die introvertierten Bücherwürmer sich über Wochen unter größtem Stress Konzepte und Awareness ausgedacht hatten, standen sie am schicksalhaften Tag angespannt und übermüdet da und sollten dann vor den ankommenden Gästen sorgenlose Freude vermitteln. Ihr könnt euch vorstellen: Es wehte ein Hauch von Absurdität um das Unterfangen.
Das alles kommt für mich als Eindruck von diesem Album zusammen. Wenn Satarii dann noch solche Sachen schreibt:
Ich weiß, ich oversteppe meine Kompetenzen als Kritiker maßlos, das zu schreiben: Aber wenn sie erzählt, sie arbeite gerade 16 Stunden am Tag an diesem Ding, dann sehe ich einen jungen Artist, den ich für maßlos talentiert und sympathisch halte, der sich im Grunde auf Rapidkurs dahin bewegt, sich selbst kaputtzumachen, und damit auch die Freude an der eigenen Musik.
Wie gesagt: Ich bin nicht die Zielgruppe. Ich kann nicht beurteilen, ob dieses Album den Grundstein für die Domination migrantischer FLINTA-Dancefloors legen wird. Ich würde es Satarii gönnen. Aber mir haben dieses Album und seine Versuche, neues Land zu erschließen, einen so weirden und schwer zu beschreibenden Vibe gegeben, dass ich meine Gedanken nicht mehr in die Form einer Review bringen wollte.
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