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All Flop Everything!

Apropos Polo G: An den musste ich eh noch einmal denken, als Stereogum in ihrer absoluten Goat-Kolumne "The Number Ones" zu seinem ein paar Jahre zurückliegenden Nummer Eins-Smash "Rapstar" gekommen sind. Das fand ich megaspannend, weil das nicht nur die Geschichte dieses einen Songs erzählt, sondern sich auch als eine Bestandsaufnahme der kontemporären Rap-Stardom lesen lässt.

Die ganze Auslegung, wie der Reviewer über Polo fühlt und gefühlt hat, finde ich schmerzlich relateable:

"Zweimal habe ich den Lesern von Stereogum erzählt, Polo G habe das beste Rap-Album des Jahres gemacht, einmal 2019 und einmal 2021. Sein Debütalbum 'Die A Legend' beschrieb ich als 'den neuen Chicago Blues', und sein drittes Album 'Hall Of Fame' erhob ich sofort zum 'Klassiker'. Ihr seht, ich bin eben manchmal enthusiastisch. Manchmal überschätze ich Dinge. Ich schreibe täglich unzählige Beiträge auf dieser Website und wenn ich nicht gerade an irgendeiner Retrospektive arbeite, lese ich meine Texte nie wieder. Ich denke nie darüber nach, wie etwas altern könnte. Ich schreibe einfach.""

"Ein paar Jahre lang war ich der festen Überzeugung, Polo G sei der Nas von 1995 oder der Gucci Mane von 2009. Heute komme ich mir damit selbst fremd oder seltsam vor. Polo G aber war immer wirklich talentiert, und es hat mir Spaß gemacht, dass ich einen Grund hatte, diese beiden Alben, die ich geliebt habe, erneut anzuhören. Ich liebe sie halt bloß nicht mehr so heftig wie früher."

Gerade diese seltsame Ambivalenz, dass man gerne jemanden zum nächsten großen Ding adeln würde, dass man gerne neue Stars auferstehen sehen möchte: Wer fühlt es nicht? Trotzdem haben die Zwanziger bisher vor allem die Erfahrung gegeben, dass vielversprechende Rapper*innen dich über kurz oder lang kreativ enttäuschen, wenn sie nicht sterben, lange bevor sie das tun könnten. Was für eine seltsame Zeit für dieses Genre.

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