Albanien: Alis- "Nân"
Wen haben wir denn hier?
Dieser lichtscheue junge Mann, der sich hinter Sonnenbrille, plissierten Gewändern, schwarzen Handschuhen und einer ganzen Batterie klobiger Ringe verschanzt, heißt Alis. Alis Kallaçi, um genau zu sein, Sänger und Komponist. 2024 hat er die albanische Version von "X-Factor" gewonnen, seitdem mischt er vor und hinter den Kulissen im Pop-Business seines Heimatlandes mit. Sieht ein bisschen angeekelt aus, scheint es aber ernst zu meinen.
Was singt der da?
[Sendung mit der Maus-Voice: on] Das war Gegisch, eine der beiden Dialektgruppen der albanischen Sprache. Man lernt ja jeden Tag dazu: "Nân" bedeutet "Mutter". Die Inspiration für den Text lieferte aber gar nicht Alis' Mama, sondern die seiner Texterin Desara Gjini, die wiederum ihre Mutter beobachtete, wie sie abreisende Verwandte verabschiedete. Glauben wir der Landessprache mächtigen Menschen, lassen sich die Lyrics als eine Allegorie auf ein ausblutendes Land verstehen, dem die junge Generation den Rücken kehrt, um ihr Glück anderswo zu suchen, und ihre Mütter bleiben, in offenen Türen stehend, zurück und winken ihnen nach. Uff. Kein Wunder, zieht Alis so einen Flunsch.
Wie finden wir das?
Grundsätzlich gibt schon einmal Pluspunkte, wenn jemand in Landessprache singt und der Song irgendwelche landestypischen Eigenarten mitbringt: Lokalkolorit ist Trumpf. Gut bei Stimme ist Alis auch, ihn flankieren dramatische Background-Chöre und dunkle Bläser, das Gesamtbild ist so düster, dass er in seinem schwarzen Fummel darin kaum noch zusehen ist. Nicht schlecht, aber jetzt halt auch nicht extra-originell.
Hat das Chancen?
Die gewöhnlich recht treffsicheren britische Buchmacher-Szene unkt: No fuckin' way. Was die Wettquoten betrifft, rangiert "Nân" im hintersten Bereich. Dass die meisten nicht verstehen, wovon Alis da erzählt, gilt gemeinhin ja eher als Nachteil, und es gibt halt wahrscheinlich einfach zu wenige Exil-Albaner*innen, um das in irgendeinen konkurrenzfähigen Bereich zu hieven. Da helfen wohl auch die Kusshände am Ende nicht mehr viel. Och.
Noch keine Kommentare