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Großbritannien: Look Mum No Computer - "Eins, Zwei, Drei"

Wen haben wir denn hier?

Wer Sam Battle heißt, bräuchte eigentlich keinen Künstlernamen. Diesem Sam Battle hier scheint aber extrem wichtig zu sein, darauf hinzuweisen, was er macht. Respektive darauf, was er nicht macht, deswegen nennt er sich Look Mum No Computer. Der britische Multiinstrumentalist setzt statt dessen auf Vintage-Technologie, die er auseinander- und zu neuen Gerätschaften wieder zusammenschraubt. Mit derlei Basteleien habe er sich schon als Kind beschäftigt, heißt es. Auf seinem YouTube-Kanal lässt er sich von Interessierten, derer es fuckin' viele gibt, beim Bau seiner bizarren Instrumente über die Schulter schauen. In seinem Gerätepark befinden sich unter anderem ein aus einem GameBoy geschmiedeter Synthesizer, ein anderer, der mit einem Fahrrad verschmolzen ist, und eine Orgel aus Furbys, weil ... warum nicht? Ah, und nur, weil ich vorhin irgendwo schrieb, es gäbe wohl nicht allzu viele Kandidat*innen im Feld, die bereits beim Glastonbury aufgetreten sind: Dieser hier schon, damals, 2015, noch mit seinem Bandprojekt ZIBRA.

Was singt der da?

Achtung, eine echte Premiere: Erstmals in seiner langen Eurovisionsgeschichte tritt das Vereinigte Königreich nicht mit einem vollständig auf Englisch gesungenen Titel an: "If only there was a language that I could cound in that would make me feel better", sinniert der britische ESC-Botschafter da - und verfällt dann ausgerechnet in die schnarrende Zunge der Krauts: "Eins, Zwei, Drei". Oh, ja. Oh, ja. Deutsch als Ausweg aus dem britischen Alltags-Hamsterrad ... Sachen gibts!

Wie finden wir das?

Ganz ehrlich? Das ist der Sieger meines Herzens, mit weitem Abstand. Der Typ ist völlig verrückt und was er da macht, ist noch verrückter. Ich liebs.

Hat das Chancen?

Null. Leider wird nämlich niemand raffen, was er da macht. Dass er den Song an den Gerätschaften, an denen er herumfuhrwerkt, wirklich spielt, und dass er besagte Gerätschaften vorher aus was-auch-immer zusammengelötet hat, das transportiert sich ohne Hintergrundwissen halt einfach nicht in drei Minuten. Ins Finale kommt Großbritannien ja automatisch, Big-Five-Regelung, wissen wir ja längst. Dort dürfte die einst so stolze Seemacht aber schneller absaufen, als Sam Battle bis drei zählen kann. Schade, schade.

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