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Platz 16: Foreign Tongues

Huch, da sind sie ja schon wieder! Erst lassen sich die Rolling Stones fast zwei Jahrzehnte Zeit für ein Album mit neuen Songs, dann schieben sie in weniger als drei Jahren direkt das nächste hinterher. Kaum sind sie in ihren Achtzigern, sind sie so produktiv wie zuletzt in den Achtzigern. Fast gerät man in Panik. Wie soll man so viel Output verarbeiten?

Im Grunde machten die Glimmer Twins und Nesthäkchen Ronnie Wood auf "Foreign Tongues" genau das, was die Stones eben machen. Jagger und Richards entdeckten weder plötzlich ihre Liebe zu Hyperpop 2.0, noch experimentierten sie mit Rage. 2026 zu einem Stones-Album zu greifen, ist wie seit Jahrzehnten in das griechische Stammlokal "Akropolis" zu gehen und ein Bifteki mit Pommes zu bestellen. Man weiß, was man bekommt, und genau deshalb kommt man immer wieder. Überraschungen finden anderswo statt. Wer die Band mag, fühlt sich vor allem im ersten Drittel bestens aufgehoben. Wer mit den Stones nie warm wurde, dürfte auch diesmal kaum die bestehende Meinung ändern.

Dennoch entpuppte sich das fünfundzwanzigste Album als überraschend aktuell. Verantwortlich dafür zeichneten vor allem die politischen Texte und die bissigen Abrechnungen mit Menschen wie Elon - würg - Musk. Hier spielte noch immer die Band, die einst "Gimme Shelter" und "Street Fighting Man" schrieb. Damals ging es um Vietnam, um Studentenproteste in Paris. 2026 richteten die Stones einen beklemmenden Blick auf den Untergang der USA, die Täter und die Auswirkungen auf die Welt. Genau diese Haltung hielt die Band auch 2026 lebendig.

Leider brachte "Hackney Diamonds" nicht nur vier unveröffentlichte Songs, sondern erneut Andrew Watt mit. Den Mann, der übermotiviert gefühlt alles auf Anschlag produziert. Ruhe kennt er nicht, nur Vollgas. Seine Aufnahmen gehen bis elf. Alles will dich zu Boden schreien. Nuancen können andere haben, hier bleiben sie draußen. Um so erstaunlicher, dass "Foreign Tongues" nicht wegen, sondern trotz ihm gelingt.

Die Band hinter den drei Rest-Stones funktionierte auf den Punkt. Steve Jordan gab weiterhin seine bestmögliche Charlie Watts-Imitation. Darryl Jones legte darunter sein warm brummendes Bassfundament, während sich Neuzugang Steve Winwood an der Orgel als Volltreffer erwies. Dazu kam eine ganze Reihe an Gästen mit großen Namen wie Paul McCartney, Robert Smith, Chad Smith und Bruno Mars, die sich aber entweder freundlich zurückhalten, oder gleich ganz im Mix verschwanden. Die Stones teilten sich vielleicht gerne das Studio, nicht aber das Rampenlicht.

Mit "Rough And Twisted" gelang der stärkste Albumauftakt seit "Tattoo You", seit 45 Jahren. Statt auf Stadionrock setzte der körnige Opener auf dreckigen Chicago-Blues mit knurrendem Bass, rumpelndem Schlagzeug, Jaggers heulender Mundharmonika und Woods kratziger Slide-Gitarre. Ein garstiger Blues-Bastard und ein grandioser Start, der mit dem lahmarschigen "Angry" vom Vorgängeralbum kurzerhand den Boden aufwischt.

Für die Playlist: "Rough And Twisted", "In The Stars"
Für die Tonne: "You Know I'm No Good", "Hit Me In The Head"

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1 Kommentar

  • Gerade eben

    Für die Tonne ist auf dem Album eigentlich kein Song. Es ist auch kein Übersong darauf und die Produktion auf Anschlag nimmt dem Ganzen halt doch einiges, aber es ist ein erstaunlich gutes Album ohne echte Ausfälle. Zumindest für mich.