Platz 17: Hackney Diamonds
"Hours are like diamonds / Don't let them waste", sangen die Rolling Stones bereits 1974 in "Time Waits For No One". Selbst daran gehalten haben sie sich eher mäßig. Zwischen "A Bigger Bang" und "Hackney Diamonds" verstrichen letztendlich ganze 18 Jahre. Erst als mit Charlie Watts' Tod das Herz der Band aufhörte zu schlagen, wurde ihnen wohl bewusst, dass selbst sie nicht unsterblich sind. Während die meisten dachten, das sei es nun gewesen, fiel in Wirklichkeit der Startschuss für eine letzte Stones-Ära.
Leider suchten sie sich auf Empfehlung von Paul McCartney (der ihnen wohl noch eins auswischen wollte) Andrew Watt (Iggy Pop, Eddie Vedder, Miley Cyrus) als Produzenten aus. Dessen größte Kunst besteht darin, einfach alles auf laut zu stellen. Immerhin schaffte er nach den ziellosen Versuchen mit Don Was etwas Entscheidendes: Er brachte die Band wieder dazu, konzentriert und zielgerichtet an einem Album zu arbeiten.
Dass sich die Stones ihrer eigenen Endlichkeit mittlerweile bewusst waren, hört man "Hackney Diamonds" an. Für die große Sause trommeln sie Paul McCartney, Elton John, Stevie Wonder, Lady Gaga und leider sogar Bill Wyman zusammen. Auf "Mess It Up" und "Live By The Sword" ist noch einmal Charlie Watts zu hören. Musikalisch bleibt die Band dagegen weitgehend auf sicherem Terrain: gut abgehangener Rock, Blues und Country. Alles ordentlich, vieles gut, wenig davon unverzichtbar. "Angry" möchte zu sehr "Start Me Up" sein, "Depending On You" gehört dagegen zu den gelungensten Balladen ihrer späten Phase.
Den großen Moment hebt sich "Hackney Diamonds" für "Sweet Sounds Of Heaven" auf. Stevie Wonder an Piano und Keyboards, Lady Gaga am Mikrofon und die Stones mitten in einem siebenminütigen Gospel-Rock-Ungetüm, das über eine Dynamik verfügt, die man der Band in diesem Alter kaum noch zugetraut hätte. Fast ist er da, dieser eine späte Klassiker. Fast. Denn bei aller musikalischen Klasse fehlt auch hier die eine Melodie, die eine Hook, der eine Gedanke, der sich für immer festsetzt.
Am Ende steht der perfekte Schlusspunkt ihrer Karriere, den sie mit "Foreign Tongues" wenig später jedoch wegwarfen, der Song, dem die Band ihren Namen verdankt: Muddy Waters' "Rolling Stone Blues", von Richards und Jagger alleine, auf die rauste, schmutzigste, schmuddeligste Art und Weise.
Für die Playlist: "Sweet Sounds Of Heaven", "Depending On You", "Rolling Stone Blues"
Für die Tonne: "Bite My Head Of", "Mess It Up"
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1 Kommentar
"Sweet Sounds Of Heaven" ist nicht nur was für die Playlist, das ist schon ein ganz ordentlicher Übersong, gegen den andere Titel auf dem Album natürlich nur schlecht aussehen können. Insgesamt auch ein sehr gelungenes (sehr) Spätwerk, dass aber alles in allem nicht ganz die Klasse des noch späteren Spätwerks "Foreign Tongues" erreicht.