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Platz 11: Madame X (2019)

Aufatmen: Sie kann es ja doch noch. Inspiriert vom lateinamerikanischen Einfluss des angesagten Reggaeton und von ihrer Wahlheimat Lissabon gelingt ihr mit "Madame X" zumindest wieder ein Album, das nicht mehr anbiedernd klingt, jedenfalls ihr natürlichstes Werk seit "Confessions On A Dance Floor" (2005). Das betrifft aber auch nicht die komplette Spielzeit, denn dieser antrainierte Drang, musikalisch alles ausprobieren zu wollen, zerrt nach wie vor an ihrer Kunst.

Längst sieht Madonna ihre Rolle als Musikerin ausgeweitet auf eine gesellschaftliche Vorkämpferin für Frieden und Gleichheit, also geht sie gegen Autoritäten und Waffenlobbyisten vor, vermählt Latin Pop mit Synth-Sounds, Gospelchören, Tschaikowski, Vocoder-Vocals und einer unfrewillig komischen Rap-Einlage. Sie singt auf englisch, spanisch und portugiesisch. Als Jeanne d'Arc mit Julia-Tymoschenko-Zöpfen und Augenklappe schlüpft sie 2019 in zahlreiche Identitäten - "Nonne, Sängerin, Heilige, Hure, ein Spion im Haus der Liebe", wie es im Album-Teaser heißt.
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Highlights sind "Medellín" mit dem kolumbianischen Star Malua, das wieder mit Mirwais entstandene "Dark Ballet" und der mit "Vogue"-Vibes ausgestattete House-Track "I Don't Search I Find". So wuchtig die Produktion auch ausfällt, ihre Stimme versteckt Madonna vornehmlich hinter Effekten. In "Crave" leistet sie sich kurz den Luxus, die Masken abzuziehen, und einfach nur eine verletztliche 60-jährige Frau zu sein: "I'm tired of being far away from home / Far from what can help / Far from where it's safe."

In Interviews erzählt sie im selben Jahr erstmals von ihrem Kampf gegen Altersdiskriminierung, sie würde von der Öffentlichkeit dafür bestraft, alt zu werden. Ihre Erfahrungen mit der gerade im Internet millionenfach verbreiteten Misogynie oder den Nachwehen ihres unglücklich gelaufenen Promostunts beim Eurovision Song Contest in Israel mögen dazu ihren Teil beigetragen haben. Vor allem ist es aber ihre Musik der vorangegangenen zehn Jahre gewesen, die man nicht vordergründig mit würdevollem Altern in Verbindung bringt.

Anspieltipps:

"Dark Ballet", "Medellin", "I Don't Search I Find"

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