Platz 12: Hard Candy (2008)
Rückblickend fängt der ganze Schlamassel 2008 an: Zum ersten Mal klingt Madonna nicht nach sich selbst, sondern nach dem Sound ihrer Kollabopartner. Sie wünscht sich ein Urban-R'n'B-Album, weg vom "Confessions On A Dance Floor"-Elektro, der zumindest in den USA nicht mehr die Clubs regiert. Dort gilt längst Black Music und Hip-Hop als Maß aller Dinge.
Spürt sie den Druck von acht Millionen verkauften "Confessions"-Alben ("Hard Candy" erreicht gerade mal die Hälfte)? Nagt das fortschreitende Alter an ihr (sie wurde 50 Jahre alt)? Irgendwas ist jedenfalls anders, denn ihr "Expect the unexpected"-Erfolgsrezept fährt sie mit Anlauf gegen die Wand und trommelt stattdessen die vorhersehbarsten Künstler zusammen, die einem im Jahr 2008 in diesem Genre einfallen: Timbaland, Justin Timberlake und Pharrell. Das Ergebnis konnte gar nicht frisch klingen, da alle genannten Acts schon einen Trademark-Sound etabliert hatten - den sich Madonna nun einfach einkauft.
Dass sie sich so kaum noch merklich von einer Nelly Furtado unterscheidet, wäre ihr in früheren Jahren sicher selbst aufgefallen und vielleicht kam sie auch deshalb auf die Idee, in "Candy Shop" ausgiebig über ihre Vagina zu singen. Kanye ist damals noch ein veritabler Feature-Gast und darf auf "Beat Goes On" ran, einem der besten Songs der Platte, allerdings weniger wegen West, sondern weil der early New-York-Electro und die Neptunes-Beats hier mit einer klassischen Madonna-Hook harmonieren. Der Rest ist für Madonna-Verhältnisse fast schon anspruchsloser Industrie-Standard. Wie es eben klingt, wenn man Dienstleister wie Nate Danja Hills einbestellt, weil der Britney zurück an die Chartsspitze schrieb.
Anspieltipp:
"Beat Goes On" (feat. Kanye West)
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