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11. William Basinski - "The Disintegration Loops"

Zwischen Juli und August 2001 hat ein New Yorker Experimentalmusiker an einem Projekt gearbeitet: Er hat einem Muzak-Tape eine Kontermelodie hinzugefügt und dann schrittweise das Magnetband verlottern lassen, auf das die Musik aufgenommen war. Nach getaner Arbeit sitzt er viele Tage seines Lebens auf seiner Dachterasse und hört die fertige Musik auf Lautsprechern. Im September fliegt ein Flugzeug in die Twin Towers. William Basinski sitzt auf seiner Dachterasse, sieht die Türme fallen und hört diese Musik, die er gemacht hat. Etwas klickt in ihm.

"The Disintegration Tapes" wurden rückwirkend diesem Event zugeordnet, aber eigentlich sind sie sehr logische Schlussfolgerungen der Tradition, in der Basinski steht. Experimentale Komponisten klingen immer erstmal anspruchsvoll und einschüchternd, aber sobald man einmal weiß, wer John Cage, Terry Riley und Steve Reich sind, hat man gefühlt genug Vokabular, um mit 80% der Szene zu bestehen.

Und genau dort setzt Basinski an: Sein Projekt ist grundlegend nicht untypische New Yorker Hipster-Fuckery. Aber als diese Hipster-Fuckery auf ein so essenzielles Moment der Weltgeschichte trifft, merkt er, dass in seiner Musik ein besonderer Affekt steckt. Ich glaube, der Kontrast funktioniert so sehr, weil "The Disintegration Loops" das Gegenteil alldessen ist, wie musikalisch auf 9/11 reagiert wurde. Es ist kein Country darüber, dass man den Muslimen jetzt den Arsch versohlen will. Es ist keine große, staatstragende Orchestermusik. Es ist nicht Enya.

"The Disintegration Loops" ist abwesende Musik, die ohne Pathos und ohne Kitsch das Verstreichen von Zeit markiert. Du siehst also, wie die Weltgeschichte ihren nächsten, großen Knick eingehen wird. Und alles, was du in diesem Moment hörst, ist wie die Zeit vergeht, Sekunde für Sekunde, Loop für Loop, egal, was da gerade passiert, für immer.

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