RIP Nico Stojan
Der Tod von Nico Stojan trifft eine Berliner Elektroszene, deren Geschichte sich allmählich nicht mehr nur in Clubschließungen, sondern auch in Nachrufen fortschreibt. Seine Familie gab seinen Tod Ende Juli bekannt; weder sein Alter noch eine Todesursache wurden öffentlich mitgeteilt.
Stojan stand für eine andere Vorstellung von Berliner Clubmusik als die international oft zum alleinigen Markenzeichen erhobene Berghain-Strenge. Seine Wurzeln lagen im Hip Hop, Jazz und Soul der Neunzigerjahre. Später wechselte er zu House und Techno, wurde Resident der Bar 25 und spielte unter anderem im Watergate und im Panoramabar. Gemeinsam mit Acid Pauli gründete er das Label Ouïe; zuletzt arbeitete er mit SONARA erneut an einer gemeinschaftlich gedachten Plattform.
Stojans Deep House und späterer Organic House lebten von federnden Grooves, warmen Stimmen, akustischen Farbtupfern und einer gewissen Afterhour-Melancholie. Gerade die Bar 25 wurde gern auf Zirkusdekoration, exzentrische Besucher und sehr lange Sonntage reduziert. Stojans Musik zeigt, was musikalisch dahinter stand: eine Abkehr vom frontalen Technobefehl zugunsten eines lockeren, sozialen und manchmal beinahe zärtlichen Dancefloors.
Dabei war er kein eskapistischer Klangschamane, der irgendwo zwischen Räucherstäbchen und Panflöte verschwand. Seine Produktionen blieben präzise gebaut und rhythmisch klar. Sie verbanden die entspannte Oberfläche des Deep House mit jenem unterschwelligen Zug, der eine Nacht zusammenhält, ohne sie permanent zur Explosion bringen zu müssen.
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