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Vierter Teil der indischen Elektrogeschichte: Indische elektronische Musik heute II

Die Verbindung indischer Musiktraditionen mit elektronischen Beats ist vermutlich der naheliegendste und gefährlichste Bereich der gesamten Szene. Sie kann großartig sein. Sie kann aber ebenso schnell nach dem Prinzip 'Put a tabla on it' funktionieren: Man nehme einen gewöhnlichen House-Track, füge ein gut erkennbares Instrument, eine Sufi-Stimme und etwas Wüstenfotografie hinzu und verkaufe das Ergebnis als spirituelle Grenzüberschreitung.

Die überzeugenderen Projekte beginnen deshalb nicht beim exotischen Klang, sondern bei tatsächlicher Zusammenarbeit. Hamza Rahimtula hat sein Album "Origins" über Jahre gemeinsam mit den Rajasthan Folkstars entwickelt. Sarangi, Stimmen und regionale Spielweisen werden nicht als Samples aus einer Bibliothek eingesetzt, sondern von Musikern eingebracht, die den Charakter der Stücke mitbestimmen. Das Album umfasst zehn Tracks und verbindet organischen House mit Rajasthani Folk, ohne dass eine Seite vollständig zur Dekoration der anderen wird.

Tech Panda und Kenzani arbeiten populärer und erheblich näher an Streaming, Festivals und großen melodischen Bögen. Ihr 21 Tracks umfassendes Album "Tijori" stellt Sarangi, Tabla, Hindustani-Gesang und Folkaufnahmen neben House, Garage, Trap und Techno. Nicht jedes dieser Experimente entgeht der Wohlfühl-Folktronica, doch das Duo hat die indische Electronica aus ihrer Nischenposition heraus in einen breiteren Pop- und Dance-Kontext geführt.

Besonders auffällig ist außerdem die Verbindung von Qawwali und Afro House. "Mohabbat" von Firaaq und Skopos legt ein Sample des Sängers M. Abdul Gani über eine hypnotische Afro-House-Produktion. Der Track funktioniert, weil Qawwali und Afro House ohnehin ähnliche Mittel kennen: Wiederholung, Steigerung, Trance und eine Stimme, die weniger erzählt als einen Zustand herstellt.

Natürlich bleibt dieser Bereich ambivalent. Sufi-Stimmen und organische Percussion gehören inzwischen zum globalen Lifestyle-Sound von Strandclubs, Luxushotels und Festivals, auf denen kulturelle Tiefe gern in siebenminütigen Extended Mixes geliefert wird. Je erfolgreicher die Formel wird, desto größer die Gefahr, dass sie jede regionale Besonderheit in denselben makellos produzierten Sonnenuntergang verwandelt.

Im besten Fall entsteht aber etwas anderes: Tradition wird nicht konserviert und auch nicht bloß modernisiert. Sie gerät unter neuen rhythmischen Druck. Ein Folkensemble muss sich gegen die Bassdrum behaupten; eine Qawwali-Aufnahme verliert ihren ursprünglichen Raum und erzeugt dafür einen neuen; ein altes Instrument wird nicht zum Herkunftsnachweis, sondern zum aktiven Störfaktor im elektronischen Arrangement.

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