Massive under Attack
Massive Attack sind in Singapur aufgetreten, haben eine palästinensische Flagge gezeigt und "free Palestine" gerufen. Die Behörden reagierten mit Verhören, Durchsuchungen der Hotelzimmer, zeitweilig eingezogenen Pässen und einem künftigen Auftrittsverbot. Singapur beruft sich auf seine strengen Vorschriften für ausländische nationale Embleme und auf den Schutz des religiösen und gesellschaftlichen Friedens. Die Band bezeichnete die Behandlung als Einschüchterung.
Überraschend war die Aktion von Massive Attack nicht. Robert Del Naja und Grant Marshall haben ihre Musik seit Jahrzehnten mit politischen Aussagen verbunden. Auch das Konzert in Singapur enthielt Botschaften zu Gaza, dem Iran, Sudan und der Ukraine. Wer Massive Attack bucht und anschließend von Politik überrascht wird, könnte ebenso Rage Against The Machine engagieren und sich über deren kritische Haltung zum Kapitalismus wundern.
Bedauerlich ist deshalb nicht, dass Künstler Haltung zeigen. Bedauerlich ist, wie vollständig der israelisch-palästinensische Konflikt inzwischen jeden kulturellen Raum durchdringt und in ein Loyalitätsverhör verwandelt. Es bleibt Erschöpfung. Nicht gegenüber dem Leid und nicht gegenüber der notwendigen politischen Debatte, sondern gegenüber einer Situation, in der diese Debatte keinen anderen Gegenstand mehr neben sich duldet. Der Konflikt hat längst begonnen, auch jene Räume zu zerstören, in denen Menschen sich überhaupt noch begegnen könnten, ohne vorher ihre weltpolitische Zuverlässigkeit nachzuweisen.
Noch keine Kommentare