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Dritter Teil der indischen Elektrogeschichte: 2010er bis heute: Dezentralisierung, Bandcamp, SoundCloud, kleine Labels II

Delhi bekam eine andere Prägung: düsterer, technischer, clubnäher, stärker auf Techno, Minimal, Leftfield und globale Underground-Kommunikation ausgerichtet (höre beispielsweise Kohra unten). Qilla Records war dafür ein wichtiger Marker, später kamen weitere Radio-, Label- und Archivstrukturen hinzu. Mumbai blieb dagegen durch Agenturen, Festivals, Werbung, Filmnähe und KRUNK ein Knotenpunkt für Bass Music, Bookings und Clubbetrieb.

Auch Bass Camp spielte in dieser Entwicklung eine wichtige Rolle. Seit 2010 brachte die Plattform Jungle, Drum'n'Bass, Dubstep, Footwork und andere basslastige Formen in verschiedene Städte und machte damit sichtbar, dass Indien längst nicht mehr nur über Goa, Mumbai oder Delhi beschrieben werden konnte. Die Szene wurde zum Netz: lose verbunden, aber widerstandsfähiger als eine reine Hauptstadt- oder Festivalgeschichte.

Genau deshalb ist diese zweite Geschichte indischer Elektronik fast spannender als die erste. Goa bleibt der große Mythos, klar. Aber die Gegenwart liegt in den Rückkopplungen: Diaspora zurück nach Indien, Festivals zurück in lokale Szenen, Bass Music zurück in Straßensounds, Bandcamp zurück in Schlafzimmer, Labels zurück in Städte, die lange übersehen wurden. Aus einem exotisierten Ort wurde nach und nach eine Infrastruktur. Aus "Goa Trance" wurde nicht einfach "Indian Electronic Music". Aber vielleicht war Goa der erste breite Pfad, aus dem später auf verschlungenen Wegen etwas Eigenes entstehen konnte. Ein Thema fehlt uns noch für die nächste Ausgabe: Folktronica und Alt-Electronica dezidiert indischer Prägung. Gibt es nämlich, und ist geil.

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