Rock ist tot, nur Reading weiß es noch nicht
Reading und Leeds gehören ungefähr so fest zur britischen Rockfolklore wie Gummistiefel und schlechte Festivaltoiletten. Umso schöner, dass ausgerechnet die neue Dance-Bühne "The Warehouse" den Veranstaltern dieses Jahr um die Ohren flog: Wegen Überfüllung mussten an beiden Standorten wiederholt Bereiche geschlossen und Sets gestrichen werden. Betroffen waren unter anderem Prospa, Skepta und Silva Bumpa.
Das Interessante daran ist weniger das organisatorische Versagen als die Ursache. Der Guardian beobachtete die größten Publikumsbewegungen bei Tech-House-Leuten wie Josh Baker und Kettama; selbst während großer Headliner zog es erstaunlich viele Besucher auf die Dance-Flächen.
Man hat elektronische Musik bei Reading und Leeds also endlich ernst genug genommen, ihr ein eigenes Warehouse hinzustellen – und zugleich nicht ernst genug, das Warehouse groß genug zu bauen. Früher war Dance auf einem Rockfestival die Alternative für Menschen, denen gerade die Gitarren auf den Sack gingen. Heute muss sich eher das Rockfestival fragen, ob es noch Hauptprogramm oder bereits Rahmenveranstaltung ist.
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