laut.de-Kritik

Ein schlechter Scherz.

Review von

So abgestumpft man angesichts der aktuellen Weltlage sein mag: Es macht trotzdem etwas mit einem, wenn President als eine der Bands gehandelt werden, die angeblich den modernen Metal retten. Ruft diese Aussage keine Reaktion hervor, sollte man sich Gedanken machen. Denn President mit Bands wie Spiritbox, Bad Omens, Dayseeker und Bring Me The Horizon auf eine Stufe zu stellen, ist verhöhnend. Ein Scherz. Na gut, ein schlechter.

President machen allerdings keine Witze. Sie nehmen sich gottverdammt ernst. Sie packen fünf Klischees in einen Song und erwarten, dass man ihnen für ihre Eloquenz und Kreativität dankt. Was einige Fans durchaus machen. Dann wäre da noch der ewige Sleep-Token-Vergleich. Von dem will der Präsident nichts hören. Nur weil man Masken trage und vom gleichen Management vertreten werde, sei man schließlich nicht gleich Sleep Token. So zumindest der ungefähre Wortlaut aus einem Metal-Hammer-Interview. Wäre da nur nicht das Ding, dass President ebenfalls eine eigene Lore spinnen, sich am Genremix versuchen und auf Social-Media-Posts mit eigenen, Sleep-Token-ähnlichen Formulierungen absetzen. Naja.

An dieser Stelle hören die Vergleiche dann auch auf. Denn wenn Sleep Token so etwas wie "Blood Of Your Empire" produzieren würden, wäre ich raus. Einige sind allerdings drin. Sehr drin sogar. Und President können sich offenbar einiges erlauben: Einspieler mit vermeintlich revolutionären Erkenntnissen ("Zeit ist ein Konstrukt", siehe "Doom Loop"), Gerappe mit kreativen "Hey"-Zwischenrufen (siehe "dark heaven") und schlicht unoriginelle Lyrics. Letzteres ließe sich an fast jedem Song festmachen, aber nennen wir hier mal "Mercy".

Damit hätten wir auch schon fast alle Singles genannt. "Doom Loop" ist davon wohl noch die beste, weil sie zugegebenermaßen hängen bleibt. Dass der Refrain catchy ist, kann man dem Quartett, das sich in The President, Heist, Protest und Vice unterteilt, nicht absprechen. Sehr wohl aber, dass es eine gute Idee war, einen Song wie "Sleepwalker" aufs Album zu packen.

Der Ansatz, einen empowernden Song zu schreiben, ist grundsätzlich kein schlechter. Die Umsetzung dann schon. Ja komm, lass uns ein generisches Zitat, das genauso gut aus einem TikTok stammen könnte, als Intro nehmen. Ach ja, super. Wie inspirierend. Was danach kommt, ist leider mindestens genauso beliebig. Da können der Synth und ein random reingeworfener Breakdown nicht mehr helfen.

Auch das Gesamtkonzept will für mich nicht aufgehen. Besonders deutlich wird das bei den letzten drei Songs. Erst kommt ein langsames Pianostück mit Trap-Beat-Einsätzen, dann gibt es noch Blasinstrumente und Gitarrengeplänkel. Anschließend folgt ein Feature mit dem durchaus talentierten Ando San. Nur passt es einfach nicht wirklich rein. Und dann kommt noch "White Devil" mit seinem hüpfenden Klavier, das später ohne Vorwarnung in Pop-Metal übergeht und irgendwann wieder zurückkehrt.

Nach dem Album fühlt man sich entsprechend ein wenig benebelt. Was ist gerade passiert? Und vor allem: warum? President wollen zu viel in ein einziges Werk stopfen, auch wenn das bei gerade einmal zehn Songs zunächst unwahrscheinlich klingt. Man wird von einem Song in den nächsten geschubst, irrt durch die LP, ohne dass sich ein klarer Weg erkennen lässt. Klar, singen und screamen kann der Präsident. Sollte er auch – schließlich soll er, glaubt man den Gerüchten um seine Person, bereits drei Projekte hinter sich haben. Vielleicht sollte man sich lieber die statt President anhören.

Trackliste

  1. 1. Angel Wings
  2. 2. DOOM LOOP
  3. 3. dark heaven
  4. 4. Pink Noise
  5. 5. Mercy
  6. 6. Sleepwalker
  7. 7. Dionysus
  8. 8. This Will Divide Us
  9. 9. Hate Figure (feat. Ando San)
  10. 10. White Devil

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LAUT.DE-PORTRÄT President

Und dann steht da einfach "President" auf dem Flyer. Und keiner hat irgendeine Ahnung, was das bedeuten soll. Als das Line-Up für das Download-Festival …

8 Kommentare mit 20 Antworten

  • Vor einem Monat

    Aber mutiger Stilwechsel nach Coco Jamboo. Das muss man ihnen lassen.

    • Vor einem Monat

      Auch, dass sie nicht mehr auf das "Mr." bestehen, echt sympathisch! Als hätte Kohl damals stattdessen so was wie: "Für disch bin isch de Helmut!" gesagt oder so.

    • Vor einem Monat

      Ah okay, ich dachte erst, dieser eine komische Rapper mit der dünnen Stimme und den intellektuellen Texten macht jetzt Rockmusik so wie Lil Yachty.

  • Vor einem Monat

    Ist doch ein interessantes Album. Schöne Mischung aus Rock, Synthies und fantastischer Stimme! Ich feier es.
    Aber die laut.de User sind nur Hater und mit ihrem Leben unzufrieden. Deswegen hab ich mich nach 20 Jahren endlich mal angemeldet, um mal was positives beizutragen. Praise me

    • Vor einem Monat

      Da du erst heute dazu gekommen bist, gibt es noch ein paar Fragen:

      A) ist dir das Logo Metal genug?
      B) sind Sabaton und Kanonenfieber auch für dich unhatebar die besten Metalbands aller Zeiten
      C) wie stehst du zu Money Borgir?

    • Vor einem Monat

      Sagt mir alles nichts. Da hör ich was anderes. Geschmäcker sind verschieden

  • Vor einem Monat

    Nur mal zur Einordnung. Schlagerpiloten 3 Sterne. Was wird dem Angeklagten denn konkret vorgeworfen? Wenn man dem Präsidenten etwas vorwerfen sollte, dann ist es die Tatsache, dass er sich selbst kopiert (und das nach gerade mal 20? Songs). Wenn man bedenkt, dass das Projekt mit Sicherheit als Versuchsballon gestartet wurde und jetzt unter Zeitdruck ein Album her musste, dann würde ich das mal durchgehen lassen. Alles in Allem. 3 Sterne...weil mindestens 3 Songs verdammt gut ins Ohr gehen...und für den Scheißtext interssiere ich mich dann später.