laut.de-Kritik
Die Kalifornier agieren mit fast schon beängstigender Routine.
Review von Stefan JohannesbergGroße Melodien, epische Chöre, stabile Gitarrenriffs, der immer noch grandiose Gesang von Michael Sweet und die gewohnt christlichen Lyrics: Stryper setzen ihren Höhenflug im Winter ihrer Karriere fort. Zum Glück. Das aktuelle Melodic-Rock- und Heavy-Metal-Boomer-Revival befördert auch unsere geliebten, Jesus-fürchtigen Profimusiker weiterhin in bombastische Sphären.
Ihre Instrumente beherrschten Stryper seit jeher, der nötige Grip ging ihnen in all der glattgebügelten Reinheit früher jedoch gerne mal ab. Seit "No More Hell To Pay" von 2013 gelingen der Band dagegen erstaunlich konstant starke Alben, die sich weder hinter der Power-Metal-Konkurrenz noch hinter klassischen Hardrock-Bands verstecken müssen. Songs wie "End Of Days" vom 2024er Album "When We Were Kings" oder der Überhit "Yahweh" vom 2015 erschienenen "Fallen" schrauben die Erwartungen an das inzwischen 18. Studioalbum "Throne Of Thorns" deshalb ziemlich hoch. Und Stryper enttäuschen sie nicht.
Schon der Titelsong eröffnet das Album mit genau jener Mischung, die die Band mittlerweile nahezu perfektioniert hat: treibende Drums, wuchtige Riffs, Midtempo und ein Refrain, der sich mit seinen großen Chören sofort in Richtung Stadiondecke schraubt. "Here In Your Heart" stampft anschließend etwas melodischer voran. Die Gitarren drängen sich weniger in den Vordergrund, stattdessen sorgen Streicher und orchestrale Elemente für zusätzlichen Bombast.
"Falling" setzt noch stärker auf Melodie und Dynamik. Wieder türmen Stryper einen gewaltigen Refrain auf, weibliche Backing-Vocals weiten das Klangbild zusätzlich. Die Band versteht es hier hervorragend, die Strophen vergleichsweise klein zu halten, damit ihr Alleinstellungsmerkmal noch stärker strahlt. Mit "I'm Alright (I'm Okay)" folgt schließlich der Hit des Albums. Der Song drängelt sich tatsächlich in die Nähe jener vorher genannten Hits, mit denen Stryper in den vergangenen zehn Jahren ihre erstaunliche zweite Karrierephase geprägt haben.
"Waiting For You" übernimmt anschließend den obligatorischen Powerballaden-Part. "Carry The Flame" zieht die Zügel dagegen wieder deutlich an und bewegt sich stärker Richtung Power Metal. Entscheidend ist, dass Stryper dabei trotz aller Melodieseligkeit nie in Schlagergefilde abrutschen. Der Song bleibt riffbetont, bewegt sich überwiegend im Midtempo und lebt erneut von herausragenden mehrstimmigen Vocals.
Überhaupt fällt auf, wie souverän Stryper inzwischen zwischen Heavy Metal, Hardrock und Melodic Rock wechseln. "Ashes To Roses" liefert Letzteren vom Feinsten, ohne dass die Band plötzlich wie ein Fremdkörper klingen würde. Und ganz am Ende lässt "Shadowbreaker" noch mal die Nacken knacken.
Bemerkenswertes zum Schluss: "Throne Of Thorns" klingt extrem stimmig, obwohl der gesundheitlich schwer angeschlagene Oz Fox diesmal keine Gitarren einspielen konnte. Michael Sweet übernahm sämtliche Gitarrenspuren selbst – Rhythmus-, Lead- und die typischen mehrstimmigen Stryper-Harmonien. Dass dieser personelle Ausfall auf dem Album praktisch nicht zu hören ist, sagt einiges über die inzwischen fast schon unheimliche Routine dieser Band aus. Wer hätte das Mitte der 80er gedacht, als die Truppe der Treppenwitz der Metal-Szene war?


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