9. Januar 2026

"Wir stehen für Demokratie ein"

Interview geführt von

Versengold starteten als Geheimtipp in Mittelalter- und Live Action Role Playing-Kreisen, bespielen mittlerweile aber große Festivals wie das Wacken Open Air. In diesen Tagen veröffentlichen die Norddeutschen mit "Eingenordet" ihr erstes Album auf dem eigenen Label Küstenkind Records.

Trotz der besorgniserregenden Zeiten lassen sich Versengold, die Ende 2023 ihr 20-jähriges Bestehen mit einer ausverkauften Show in der Hamburger Barclays Arena feierten, ihren Optimismus nicht nehmen, wie sich auf der Platte sehr gut nachhören lässt. Dabei schreckt die Band auch nicht davor zurück, politische und gesellschaftskritische Themen anzusprechen. Die Platte entstand zwischen Dezember 2024 und Oktober 2025 und in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Hannes Braun, der mit Sänger Malte Hoyer auch das Erfolgsduo Dämmerland bildet, an sechs verschiedenen Orten in Norddeutschland.

Per Videocall sprechen wir mit Sänger Malte Hoyer und Geiger Florian Janoske über "Eingenordet", ihre politische Haltung und zukünftige Pläne.

Wie geht es euch?

Flo: Gut. Wir sind alle so ein bisschen im Vorweihnachtsstress, glaube ich. Man versucht, die letzten Vorbereitungen zu machen. Malte und ich zum Beispiel hatten vorgestern auch noch eine Show mit unserer anderen Band, Knasterbart, die auch noch dazwischen grätschte. Und jetzt müssen wir sehen, dass wir alles irgendwie in den letzten Minuten noch hinbekommen. So ist es jedenfalls hier.

Malte: Ich wundere mich, dass du sagst, dir gehts gut, Flo. So hart, wie wir vorgestern gefeiert haben.

Flo: Ich merks auch noch, aber so anderthalb Tage dazwischen reichen dann, um ein Interview führen zu können.

Malte: Rechne das mal nach mit den anderthalb Tagen.

Flo: Das stimmt gar nicht.

Malte: Läuft!

Euer letztes Album "Lautes Gedenken" erschien vor zwei Jahren. Im selben Jahr entstanden schon die ersten Ideen und Texte für "Eingenordet". Woher schöpft ihr als Band so schnell eure Ideen?

Malte: Ja, die Texte schreibe ich bei Versengold. Ich habe ja, wie vermutlich jeder Texter, auf meinem Rechner einen Ordner. Und immer, wenn ich Ideen habe im Laufe des Jahres, mache ich mir Notizen. Manchmal, wenn wir so ein Motto haben bei einem Album, wenn es zum Beispiel "Eingenordet" heißen soll, dann gucken wir, dass wir relativ viel Nordbezug auf dem Album haben. Ich recherchiere nach Themen, über die man schreiben könnte. Und das kommt dann relativ schnell zusammen.

Die Produktion dauert in der Regel ja auch anderthalb Jahre. Dementsprechend entsteht dann auch das Material, das man benötigt. Vieles wird auch aussortiert. Es wird ja nicht jede Idee verwendet, aber es kommt quantitativ schon sehr viel zusammen in der Regel, relativ schnell. Und es gibt manchmal auch Songs, die es nicht aufs Album schaffen. Das hatten wir jetzt in diesem Fall auch. Bei "Lautes Gedenken" hatten wir einen Song mehr oder weniger fertig gemacht. Das ist der "Krug Voll Mondenschein". Den haben wir aber nicht mehr ganz fertig gekriegt für "Lautes Gedenken", weil uns einiges dran noch nicht gefallen hat. Den haben wir dann einfach mit rüber genommen in die Produktion.

Das Album kreist inhaltlich um den Norden. Welche Gefühle verbindet ihr mit dem Norden persönlich?

Flo: Ja, das ist für uns alle irgendwie Heimat, Sehnsuchtsort, Ort, an den wir gerne zurückkehren nach den ganzen Reisen, die wir als Band machen. Ein Ort der Einkehr und der Ruhe. Irgendwie auch eine Art Schutzraum. Der Vibe, den man im Norden hat, das flache Land, das Meer, diese ganzen Eigenheiten, wie die Leute hier drauf sind: Das zusammen ergibt dieses heimwohlige Nachhausekommen-Gefühl, das wir auch alle dringend brauchen, wenn wir von den Konzerten zurückkommen.

Malte: Sind Berge um uns rum, fühlen wir uns erstmal ein bisschen gefangen. Also ist das für uns hier ein Stück Heimat. Und wenn du noch eine geografische Expertise haben möchtest, wo der Norden beginnt, dann musst du mal nach dem Lakritz-Äquator googeln.

Flo: Der ist, glaube ich, nördlich von Osnabrück, oder?

Malte: Weiß ich nicht genau gerade. Ich glaube, der ist noch ein bisschen drunter. Und alle, die über dem Lakritz-Äquator sind, die sind für mich Norddeutsch.

Flo: Das ist so das Äquivalent zum Weißwurst-Äquator, genau.

Malte: Gibt es den auch?

Flo: Ja, den gibt es auch tatsächlich. Dort, wo man Weißwurst zum Frühstück isst.

Malte: Ja, hier isst man Lakritz zum Frühstück. (lautes Gelächter)

"Die Platte atmet den Geist der norddeutschen Region"

Kommen wir mal zum Albumtitel. Was kann man unter dem Begriff "Eingenordet" verstehen?

Malte: Du kannst mal deine Maritim-Kenntnisse zum Besten geben.

Flo: Genau. Es gibt ja mehrere Deutungsebenen. Das eine ist die rein technische. Wenn man etwas einnordet, also eine Karte einnordet, eine Seekarte oder einen Kompass, dann gleicht man das sozusagen miteinander ab. Oh Gott, das ist jetzt maritim völlig falsch gesagt wahrscheinlich, aber egal. Ich denke, man versteht, worum es geht. Also man nordet quasi die Instrumente ein, die man in der Navigation nutzt. Aber das ist im Alltagssprachgebrauch oft gar nicht so gemeint. Sondern man bringt jemanden auf Linie, wenn man ihn einnordet. Man nordet jemanden ein.

Das war uns als Band erstmal auch ein bisschen zu aggro. Deswegen haben wir auch das Titelstück dazu geschrieben, in dem der Text eben dieses Augenzwinkern ein bisschen reinbringt und das auch noch ausführt. Es geht ja darum, die Leute für eine Versengold-Party an Bord zu holen. Man kennt uns ja für die Stimmung auf den Konzerten, die wir so haben. Da gehört Publikumsinteraktion sehr stark dazu, und dass alle irgendwie sich angesprochen fühlen und mitmachen. Das meinen wir in unserem Sinne damit. Aber das kann Malte vielleicht noch genauer erklären.

Malte: Im Grunde genommen hast du alles damit gesagt. Das darf man halt nicht allzu wörtlich nehmen. Wir meinen das eher mit einem Augenzwinkern.

Also die Gemeinschaft, die Fans.

Malte: Man kann das auf verschiedenen Ebenen deuten. Das ist immer das Schönste an einem Albumtitel, wenn der halt auch ein paar Deutungsebenen hat und man was reininterpretieren kann. Und wie Flo schon sagt, wenn man unseren Song "Eingenordet" hört, dann weiß man auf jeden Fall, was wir meinen.

Insgesamt habt ihr sechs Bandcamps an verschiedenen Orten in Norddeutschland eingerichtet, um Songs für das Album zu schreiben, aufzunehmen und zu entwickeln. Hatten die Aufnahmeorte besonderen Einfluss auf den Sound?

Flo: Ich würde schon sagen. Also wir haben da auch so ein schönes Logbuch dazu gemacht. Und wir hatten immer Fotografen und Videografen dabei, die das alles dokumentiert haben. Ich habe das erst selber gar nicht so wahrgenommen. Erst beim Lesen dieses Logbuchs habe ich gemerkt, wie prägend und besonders diese Orte dann am Ende waren. Das kann man oft gar nicht an irgendwelchen einzelnen Ideen wirklich festmachen. Ich glaube aber, dieser gesamte Vibe, der hat schon arg Einfluss genommen auf das Ganze. Das Album heißt "Eingenordet". Das atmet schon den Geist dieser Region. Das kann man wohl so sagen.

Malte: Ja, wir haben das extra gemacht, damit es Einfluss nehmen kann. Wir haben vorher im Harz produziert. Das war auch schön. Das ist auch so eine ganz besondere Atmosphäre. Der Harz hat so viele Sagen und bringt so eine gewisse Melancholie mit sich.

Da ist "Lautes Gedenken" zum Beispiel entstanden. Diesmal wollten wir ein bisschen Seeluft beim Produzieren in der Nase haben. Deswegen sind wir an diese Orte hingegangen. Das hat ganz gut funktioniert, würde ich sagen. Es ist auch als Texter inspirierend, wenn du rausgehst, am Hafen bist und aufs Wattenmeer schaust. Aber zum Norden gehört noch mehr als das Meer. Auch das Flachland gehört dazu, Moore, die Geest, Marschgebiete natürlich. Das alles haben wir so ein bisschen erlebt und mitverarbeitet.

Diesmal haben sich auch Eike, Sean und Daniel viel am Songwriting-Prozess beteiligt. Welche Ideen haben sie eingebracht?

Flo: Das ist jetzt keine Ausnahme. Die bringen sich immer ein. Die Songs werden immer von allen Bandmitgliedern in Zusammenarbeit mit unserem Produzenten Hannes Braun geschrieben. Der schreibt ebenfalls mit. Das ist explizit von uns gewünscht, weil wir es schön finden, wenn alle, die da an dem Album beteiligt sind, sich kreativ auch einbringen. Was jetzt ein bisschen besonders war, ist, dass sie sich nicht nur eingebracht haben, sondern sich mit wirklich eigenen Songs beteiligt haben.

Malte: Dan ist immer schon einer derjenigen, der bei uns viel schreibt. Das muss man sagen. Das ist richtig.

Flo: Dan ist ja immer schon prägend, was das angeht. Die anderen beiden bringen sich immer ein. Also eine Songidee steht, und man hat noch eine Idee für einen Beat oder ein Instrumental oder einen C-Part oder sowas. Das ist das normale Einbringen, das eigentlich jeder von uns macht. Aber was jetzt nochmal anders war, war, dass die wirklich mit Grundideen ankamen, auf die wir dann alles aufgebaut haben. Für mich persönlich war das sehr schön, weil ich das Gefühl hatte, dass jetzt noch mehr Bandidentität drinsteckt, von allen, besonders von Eike und Sean, die wirklich nochmal frischen Wind reinbringen.

Welche besondere Rolle besitzt eigentlich Hannes im Versengold-Gefüge?

Malte: Hannes ist unser Produzent. Mit ihm arbeiten wir seit Jahren zusammen. Wir kennen uns sehr gut. Wir sind ja auch sowas wie befreundet. Der weiß, was wir wollen. Wir wissen, wie wir uns mit ihm streiten und unsere Konflikte austragen. Der Produzent ist vor allen Dingen dafür da, sich unsere Ideen anzuschauen und auch mal zu sagen, was halt kacke ist.

Als Band verliert man natürlich irgendwann so ein bisschen das Gefühl. Das kennt jeder, der Künstler ist. Dafür ist ein Produzent auch da. Der schaut sich Sachen an und sagt: 'Komm, wollt ihr euch die Stelle nicht noch mal überlegen?' Dazu bringt Hannes auch eigene Ideen ein und sagt: 'Ey, ich hab' hier eine Idee für einen Refrain, eine schöne Melodie. Was haltet ihr davon? Ist das nicht was für euch?' Dann setzen wir uns zusammen und hören uns das an.

Du musst dir das so vorstellen, dass wir bei diesen Bandcamps am ersten Tag uns erstmal ein, zwei, drei Stunden nehmen und uns die Ideen vorspielen, die wir alle so haben. Da kommt auch was von Hannes. Dann überlegen wir, was wir alle gut finden und woran wir arbeiten wollen. Hannes ist fast schon ein bisschen Teil der Band. Allerdings mit so einer Produzentenrolle innerhalb der Produktion.

Flo: Man muss auch sagen, der Produzentenjob ist echt undankbar. Du bist der Erste, der aufsteht, du bist der Letzte, der ins Bett geht. Du musst die Ideen von ganz vielen Menschen irgendwie alle in eine Form gießen. Du musst halt Ordnung halten in dem Chaos, das die Musiker um dich herum so machen. Zwischenmenschlich, musikalisch, egal auf welcher Ebene: Du bist immer so der Dreh- und Angelpunkt und musst das alles ein bisschen ordnen.

Und ja klar, ein Produzent ist am Ende auch jemand, der den Musikmarkt am besten kennt, der dann sagt: 'Yo, mit dem Song könnte man zum Beispiel das und das machen. Lass uns den doch mal in diese Richtung weiter denken. Was meint ihr? Da könnte man ja zum Beispiel eine Nummer machen, die vielleicht auch mal im Radio läuft.' Auch solche Gedanken macht sich vor allem der Produzent, damit wir Musiker einfach kreativ sein und raushauen können, ohne dass wir uns mit solchen Gedanken viel befassen müssen und davon belastet werden. Dafür ist er halt da.

"Der Tag Mag Kommen" verbreitet positive Aufbruchsstimmung und stimmt thematisch auf das Album ein. Woher nehmt ihr als Band den Optimismus und die Kraft, nach vorne zu schauen?

Flo: Ja. Das ist manchmal schwierig. Im Moment nehme ich die Zeit generell, in der wir gerade leben, auf verschiedenen Ebenen – politisch, gesellschaftlich, auch musikalisch, was so in Sachen Streaming Services und KI und so weiter passiert – als sehr turbulent wahr. Es gibt eigentlich wenig Ebenen, auf denen gerade nicht irgendwie alles in Frage gestellt wird. Da ist es manchmal echt schwer, optimistisch nach vorne zu gucken.

Ich glaube, gerade deswegen braucht es diesen Song, dass man mal irgendwie so einen Ausbruch schafft und eine Möglichkeit, mal kurz nach vorne zu schauen und dabei vielleicht ein Lächeln ins Gesicht zu bekommen, weil es vielen Menschen so geht, dass sie aufgrund der Gesamtlage relativ düstere Vorstellungen haben, wie es so weitergeht. Das war die große Challenge. Die Herausforderung ging dann an Malte, sowas zu schreiben. Er hat diesen Text draus gemacht, was schon ziemlich geil ist. Mir wäre das nicht so gelungen.

Malte: Man schreibt ja auch irgendwie für sich selbst. Die Zeiten sind relativ bedrückend. Wir sehen es auch in unserer Verantwortung, dass wir als Band Probleme ansprechen und gesellschaftliche Themen irgendwie auf den Tisch legen. Zum anderen wollen wir aber auch ein positives Mindset an den Tag legen und den Leuten da draußen, die unsere CDs kaufen oder die zu unseren Konzerten kommen, den gewissen Eskapismus zu ermöglichen, den man in diesen Zeiten auch braucht. Wir selbst ja auch. Dementsprechend ist uns das wahnsinnig wichtig und ein total großes inneres Bedürfnis, auf dem Album viele positive Tracks zu haben. Die haben wir fast nur auf diesem Album. Selbst die Balladen haben immer eine schöne positive Aussage, eine versöhnliche.

Flo: Ja, wir haben die letzten Alben ja auch viel dazu genutzt, uns zu positionieren. Das machen wir jetzt auf diesem Album auch wieder. So ist es nicht.

Ja, auf "Falscher Leuchtturm".

Flo: Genau. Das ist ja ein absolutes Statement. Aber wenn man sich den mal im Vergleich zu unseren anderen eher politischen, sozialkritischen Songs anguckt, dann ist der weniger direkt und lässt mehr Interpretation zu. Ich glaube nicht, dass wir jetzt Kante aufgegeben haben, aber wir haben uns bei dem Album mehr darauf konzentriert, für die Leute eine Welt zu schaffen, die so ein bisschen wegführt vom Alltag.

Wollte ich eh fragen, wie wichtig ihr es findet, textlich eine klare Haltung zu vermitteln.

Malte: Sehr. Das hört man bei allem, was wir machen. Das ist auch alles immer Band-Konsens. Das ist oft Thema bei uns, weil wir sehr unterschiedliche Personen sind in der Band, die auch im Detail unterschiedliche Einstellungen haben. Was uns zu sechst vereint, ist, dass wir alle Demokraten sind, und dass wir alle der Meinung sind, dass man für die Demokratie kämpfen und einstehen muss. Und deswegen ist das für uns einfach ein Teil unserer künstlerischen Verantwortung.

Die 80 Prozent der nicht sehr extrem und laut herumbrüllenden Bevölkerung, die sollen auch das Gefühl bekommen, wenn sie Musik hören, dass wir an deren Seite stehen. Ich glaube, einige Leute fühlen sich sehr allein und erfahren dann dadurch auch, dass wir eigentlich eine viel größere Gemeinschaft sind. Deswegen ist uns das sehr, sehr wichtig.

Flo: Da muss ich auch was dazu sagen, weil ich die ganze Zeit schon das Gefühl habe, dass wir als Versengold so ein bisschen missverstanden werden. Wir äußern uns klar für Demokratie, auch für Meinungsfreiheit, auch für LGBT-Rechte, einfach grundsätzlich für so ein humanistisches Menschenbild und Weltbild. Aber das macht uns nicht links. Wir sind keine linke Band. Also viele in der Band würden sich dem Spektrum vielleicht zuordnen, aber eben nicht alle.

Sondern wir sind, wie Malte gesagt hat, in erster Linie Demokraten und leider hat man heutzutage so eine merkwürdige Dynamik, dass, wenn man sich für Menschenrechte und Demokratie äußert, dass man dann dem linken Lager zugeordnet wird. Da sieht man mal, wie absurd die ganze Debatte eigentlich mittlerweile geworden ist, und wie wichtig es ist, dass mehr Leute, die sich eigentlich politisch gar nicht irgendwo links oder rechts verorten, dann trotzdem mal eine klare Aussage machen und sagen: "Ey, aber wir sind halt Demokraten." Das bräuchte die Welt noch viel mehr, damit auch allen irgendwie klar wird, wo eigentlich der vernünftige Konsens liegt, zwischen allen Lagern liegen sollte.

Ihr habt für "Falscher Leuchtturm" mit Madsen zusammengearbeitet. Wie kam eigentlich der Kontakt zustande?

Flo: Es gibt mehrere Berührungspunkte, die wir mit Madsen hatten. Unser Schlagzeuger Sean war zum Beispiel mal zu Gast beim Schlagzeuger von Madsen. Sascha heißt er, Sascha Madsen. Der hat einen Drum-Podcast und da hat es natürlich gepasst, dass die beiden dann mal miteinander sprechen. Das war, glaube ich, so der erste Berührungspunkt. Dann gibt es auf geschäftlicher Ebene einen Berührungspunkt, weil deren Tourmanager auch schon für uns Konzerte durchgeführt hat. Irgendwann haben uns Madsen dann gefragt, ob wir sie bei einem Release unterstützen wollen, weil sie ein Posting gemacht hatten, und ob wir das teilen würden. Wir sagten damals ja klar, wir finden die Sache gut, wir mögen euch als Band, wir kennen uns ja über zwei Ecken, dann posten wir das mal.

Das waren dann so die drei kleinen Berührungspunkte, die wir vorher hatten, und so hatte man Madsen schon beim Songwriting ein bisschen im Hinterkopf. Der Song ist bei uns im Bandcamp entstanden, und wir haben uns gefragt: Was machen wir damit? Dann war halt die Idee, Madsen zu fragen, ob die mitmachen wollen, das passt doch voll zu denen. Und es kam eins zum anderen. Wir schickten es rüber und sagten: 'Hey, wie siehts aus?' Und sie hatten Bock.

Also jetzt klassisch übers Internet.

Flo: So kann man es wahrscheinlich sagen. Wir sind uns vorher noch nicht persönlich begegnet, bis auf Sean und Sascha halt.

Zu dem Song wurde auch ein Video in Berlin gedreht. Wie war der Dreh so?

Malte: Total entspannt. Tatsächlich stellte sich heraus, dass wir uns mit den Jungs sehr gut verstehen. Wir sind auf einer Wellenlänge. Sebastian Madsen und ich sind auch derselbe Jahrgang, meine ich, und sie kommen auch aus der Nähe von Hamburg, wir hatten gleich viele Gesprächsthemen. Ich hab' Sebastian von Anfang an gemocht, muss ich sagen. Ich zumindest habe den Eindruck, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Und wir hatten einen sehr, sehr lustigen, sehr entspannten Drehtag. Es war schön.

Wir sind im Nachhinein auch in Kontakt geblieben, und ich kann mir gut vorstellen, dass wir in Zukunft noch mal was zusammen machen. Zumindest wollte ich unbedingt auf ein Madsen-Konzert. Das hat aber leider nicht gepasst aufgrund familiärer Gegebenheiten. Aber ja. Das ist ein super Kontakt zu einer super Band und super freundlichen Musikern, die, nebenbei gesagt, auch tolle Songs geschrieben haben. Es gibt eh Leute bei uns in der Band, die Madsen musikalisch abfeiern, lange bevor wir persönlich Kontakt hatten.

"Mit der "Nacht der Balladen" ist noch längst nicht Schluss“

"Die Gonger Kommen" greift eine norddeutsche Sage auf. Könnt ihr mehr über die Sage erzählen, auf der der Text basiert?

Malte: Gonger ist ein altes Wort, das bedeutet wahrscheinlich Gänger, Wiedergänger. Mit Wiedergängern sind ja in der Regel Geister gemeint, Tote, die in irgendeiner Art und Weise und Form wieder erscheinen. Es gibt auf Sylt eine Sage von Menschen, die zur See gefahren und ums Leben gekommen sind. Die steigen des Nachts dann aus dem Meer und kommen zu ihren Verwandten und Liebsten in die Häuser. Die Sage ist ziemlich gruselig, weil es heißt, dass die ins Haus kommen und sich dann, etwa zu den Liebsten, in das Bett legen und da einfach nur heimlich liegen und dann wieder gehen. Am nächsten Tag ist das Kissen nass, weil sie da geweint haben, weil sie nicht mehr zu Hause sind. Man kann natürlich auch rein interpretieren, dass die Liebsten um ihre Toten geweint und getrauert haben und Bett aufgrund ihrer eigenen Träume nass war. Eine ziemlich gruselige Angelegenheit.

Das hat mir mal ein Fan zugeschickt, mit der Bitte, ob man da nicht mal einen Song darüber machen könnte. Das ist schon viele Jahre her und ist genau das, was ich zu Beginn des Interviews gesagt habe. Man nimmt es, packt es in den Ordner rein und sagt, ja, das ist eine interessante Geschichte. Ich interessiere mich ja sowieso extrem viel für Sagen und für Mythologie. Das verarbeiten wir immer mal wieder bei Versengold. Und jetzt war die Zeit, dass wir ein Lied daraus machen.

Mit "Krug Voll Mondenschein" und "Zwei Raben" habt ihr auch nachdenkliche, ruhige Nummern im Gepäck, die man sich gut auf der "Nacht der Balladen"-Tournee vorstellen kann. Wie geht es mit der Konzertreihe weiter, nachdem es 2026 auf "Eingenordet"-Tour geht?

Malte: So wie die letzten Jahre auch. Alle zwei Jahre machen wir eigentlich eine "Nacht der Balladen". Ich bin mir jetzt gar nicht sicher. Wir haben ja 2028 wieder ein großes Jubiläum. Da wird die Band 25 Jahre alt. Da planen wir natürlich gerade, wie wir das feiern wollen. Dann werden wir natürlich mal gucken, wie das mit der "Nacht der Balladen" dann irgendwie passt.

Aber grundsätzlich wird diese Konzertreihe von uns weitergeführt. Die ist sehr erfolgreich, sehr beliebt bei den Fans. Für uns ist das auch eine ganz tolle Sache. Wir sind dann immer in Theatersälen unterwegs mit vielen Gastmusikern, Streichquartett, Gastsängern und so weiter. Das ist ein ganz einmaliges, ja nicht einmaliges, ein wiederkehrendes Event, aber in der Art und Weise immer sehr, sehr einmalig und speziell. Die "Nacht der Balladen" wird es auf jeden Fall in irgendeiner Form geben. In welchem zeitlichen Rhythmus jetzt genau, das weiß ich nicht. Da müssen wir schauen.

Letzte Frage: "Eingenordet" ist das erste Versengold-Studioalbum, das auf dem eigenen Label Küstenkind Records erscheint. Aus welchen Gründen habt ihr euch dazu entschieden, ein eigenes Label zu gründen?

Flo: Ja, das war natürlich ein großer Schritt für uns, da jetzt auf eigenen Beinen zu stehen. Es gibt eine Menge Gründe, warum man das macht. Man muss vielleicht direkt einschränkend sagen, künstlerische Freiheit hatten wir schon immer. Also auch im Vertrag unter Sony konnten wir schreiben, was wir wollten. Das heißt, darum ging es weniger. Wir sehen ja einfach zu, dass wir von den verkauften Tonträgern und von den Streamings, die so reinkommen, eben auch möglichst viel haben als Band.

Wir haben uns angeguckt, was ein Label eigentlich macht: Was sind so die Aufgaben, und was können wir davon selbst stemmen? Dann haben wir uns entschieden, wir nehmen uns das vor, wir machen das jetzt mal selber. So haben wir mehr davon. Das ist vielleicht auch gut zu wissen für die Fans. Wer das Album holt, der weiß, dass ein Großteil davon eben auch wirklich an die Band fließt und nicht an irgendwelche Anzugträger. Das ist so der Hauptgrund, warum man das macht.

Man muss aber sagen, das kannst du nicht einfach so von Beginn an so machen. Wir mussten erstmal lernen und schauen, wie ein Label arbeitet. Was muss man beachten? Diese ganzen Lektionen, die haben eben ein paar Jahre gedauert, bis wir auch den nötigen Erfolg hatten, um uns entspannt hinzusetzen und zu sagen: 'Ey, komm', das trauen wir uns zu. Wir haben diesen Schritt gemacht und bereuen es bis jetzt überhaupt nicht. Es läuft sehr gut. Und wir sind sehr gespannt, wie sich der neue Release so macht, wie erfolgreich wir damit sind.

Malte: Genau, und wir arbeiten ja auch noch ein Stück weit mit Sony weiter. Das ist noch unser Vertrieb. Wir waren immer sehr zufrieden, wie das gelaufen ist. Ich glaube, für jede Band ist das so ein bisschen ein eigener Traum, irgendwann ein eigenes Label zu machen und sich dann damit zu etablieren. Diesen Traum wollten wir uns halt ermöglichen.

Flo: Ja, langfristig. Man hat natürlich auch Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln und dann vielleicht irgendwann mal andere Bands unter Vertrag zu nehmen, die dann davon profitieren können. Das sind Ideen, die noch weit in die Zukunft gehen, nichts davon ist in die Wege geleitet. Aber einfach, dass man diese Möglichkeiten hat, ist schon eine super Sache.

Danke für das tolle Gespräch.

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