Bei Schandmaul-Frontmann Thomas Lindner wurde 2023 ein Karzinom im Rachenraum diagnostiziert. Mittlerweile gilt er glücklicherweise als krebsfrei. Doch die Krankheit hat deutliche Spuren hinterlassen, und Lindner reichte das Mikrofon vor zwei Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge an Marco …
"Im Vergleich zu anderen Bands im Folk- und Mittelalterbereich hat die Musik noch immer etwas Authentisches und Bodenständiges."
Habe das Album nicht gehört, kann daher keine konkrete Aussage dazu treffen. Aber von Authentizität und Bodenständigkeit, hatte sich die Band eigentlich schon lange verabschiedet. Die Bezeichnung Plastik "Rock/Metal" mit dezent mittelalterlicher Duftnote, hat zu keiner Band besser gepasst
Ich frage mich bei diesen ganzen Authentizität-Diskussionen immer ... Es sollte doch klar sein, dass Schandmaul und die ganzen "Mittelalterrocker" kein authentisches Klangbild von Mittelalter liefern. Diese Rekonstruktionen mittelalterlicher Melodien sind dabei zu sehe aufgehübscht von Fantasy-Fans, um ihre Vision von "Ein Dudelsack war voll das volkstümliche Instrument im Mittelalter" aufrecht zu erhalten. Und das ist okay so. Die ganze Szene baut auf Eskapismus auf und hat manchmal diese romantisch verklärte Art von "damals wurden noch Jungfrauen mit der Minne umworben" dabei. Solang es Spaß macht ... Und den Vorwurf von Plastik kann ich nicht nachvollziehen. Schandmaul, Subway To Sally, In Extremo, Saltatio Mortis und wie sie nicht alle heißen, machen - technisch gesehen - solide Rockmusik. Nix aufregendes, aber auch keinen Hyper-Pop mit viel Autotune und so. Ich mochte Schandmaul früher sehr, aber da war ich 15 und schwer verliebt, da hat sowas wie "Willst du" oder so übel reingeknallt jetzt finde ich die Kombi aus Dudelsack und Rockmusik und dem doch recht begrenzten Themenpool eher etwas cringe, wie die coolen Kids sagen, aber das ist halt individuell... Würde niemanden verteufeln, nur weil er Schandmaul cool findet. Und "Die letzte Tröte" ist immer noch das stabile "To the Barricades" der Trötenrock-Szene. Was ein Schwall an Worten ..
"Ich frage mich bei diesen ganzen Authentizität-Diskussionen immer ... Es sollte doch klar sein, dass Schandmaul und die ganzen "Mittelalterrocker" kein authentisches Klangbild von Mittelalter liefern."
Das authentisch bezieht sich nicht darauf, dass man eine exakte Nachbildung der Musik des Mittelalters erschafft. Wenn du jedoch ein mittelalterlich anmutendes Konzept verfolgst und es mit Rock kombinierst, das Ganze dann aber so poliert klingt, dass es eher zum ZDF-Fernsehgarten passt, dann folgt man eher dem popkulturellem Zeitgeist, möglichst den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, anstatt sich als ernsthafte Mittelalterrock Band zu präsentieren
„Wenn du jedoch ein mittelalterlich anmutendes Konzept verfolgst und es mit Rock kombinierst, das Ganze dann aber so poliert klingt, dass es eher zum ZDF-Fernsehgarten passt, dann folgt man eher dem popkulturellem Zeitgeist, möglichst den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, anstatt sich als ernsthafte Mittelalterrock Band zu präsentieren“
Diese Mittelaltermarktmenschen sind größtenteils Freaks (nicht böse gemeint), die sind definitiv mehr alt culture als die Metal-Community. Von wegen kleinster gemeinsamer Nenner…
Schandmaul haben sich von diesen Mittelaltermarktmenschen eigentlich schon längst veabschiedet! Die treten da vielleicht hin und wieder noch auf, aber eigentlich haben die da nichts mehr zu suchen
Bestimmt mindestens so sehr, wie Jimmy ein Eichentyp ist, wenn Wolf ihm und seiner sicher so attraktiven wie willensstarken Frau Bonnie im Namen von Marsellus Wallace ein neues Schlaftzimmer, z.B. in Eiche rustikal, für ihre Umstände sependieren möchte.
Süß, wie hier einer Band, die noch nie authentisch war, angekreidet wird, das sie sich von Authentizität und Bodenständigkeit verabschiedet hätte. An den Gröbenzellern und der Puchheimer Bürgermeisterstochter war unter dem Namen Schandmaul noch nie etwas authentisch und bodenständig.
Das Album hat Platz 2 der Deutschen Album Charts erreicht. Genau das ist der Fokus dieser Band und nicht nach einer authentischen Mittelalterrock Band zu klingen
Die Band ist nett, Puschel. Sympathisch. Das sind ganz liebe Menschen. Eine frühere Freundin hing mit denen in ihren Anfangszeiten gelegentlich im Proberaum rum. Insofern passt das "bodenständig" zumindest auf einer menschlichen Ebene. Man möchte eigentlich nichts Schlechtes über sie sagen. Die ersten Alben waren tatsächlich ganz schön, die hatten noch diese leichten Liedermacher-Vibes mit angenehmer Stimme und sie klangen etwas subtiler und nicht so dumpf wie viele Mitkonkurrenten. Jetzt klingt eine Ballade wie "Zwei Raben" eben nach LaFee . Die man ja auch irgendwie mögen will, aber dann macht sie eben diese Musik. Nun gut.
Das mit dem "nicht bodenständig" sein kam nicht von mir. Du hast genau verstanden, was ich sagen wollte. "Die ersten Alben waren tatsächlich ganz schön, die hatten noch diese leichten Liedermacher-Vibes". Genau, das war noch Mittelaltermarktmusik! Das machen die jetzt nicht mehr. Jetzt klingen die so wie jemand, der den 2. Platz in den Deutschen Albumcharts im Blick hat. Ist das schlimm? Sind das jetzt nicht mehr ganz liebe Menschen. Nein ist nicht schlimm und ganz lieb sind die sicher immer noch. Aber die Mucke ist halt jetzt angepasster Alleweltskram, der den Boden der Mittelaltermärkte längst verlassen hat. Nichts anderes sage ich und das muss man auch sagen können, ohne beleidigt zu werden. Aber ich wundere mich hier schon nicht mehr.
Mit "Liedermacher" meinte ich: Sie hatten eine Folkrock-Note. Und halt schon auch so ein paar Anklänge an Musiker wie Reinhard Mey, als er noch okay war, bis hin zu einer leichten Chanson-Note. Sie klingen eher JETZT nach Mittelaltermarkt: nämlich austauschbar nach allem, was man mit Mittelalter-Eventkultur verbindet. Früher war das Schöne, dass sie eher NICHT so klangen .
"Sie klingen eher JETZT nach Mittelaltermarkt: nämlich austauschbar nach allem, was man mit Mittelalter-Eventkultur verbindet. Früher war das Schöne, dass sie eher NICHT so klangen ."
Ja, das kann man schon bemängeln, aber für mich wirkt das im Vergleich zu Saltatio Mortis und Konsorten, gerade weil sich die Folk-Rock-Roots noch ein wenig erahnen lassen, doch so ziemlich eigenständiger und ja, auch ein wenig authentischer.
Würde sagen, sie füllen den Bereich sehr solide aus, genauso wie Santiano den Shanty-Schlager-Bereich recht solide ausfüllen. Man kann sich das Ganze zwischendurch schon anhören.
Yo Toni, es sind immer wieder gute Ansätze erkennbar und sie machen das, was sie tun, auch gut. Spätestens in den Refrains ist dann eben der Schlagerteufel drin . Und den generischen Bratgitarren-Sound braucht es für mein Empfinden auch nicht.
Ich bin eher enttäuscht, weil ich die Band mal mochte und ihren "modernisierten" Sound als viel uninteressanter und generischer empfinde.
Die einzige Band aus dem Dunstkreis, die ich mir heute noch anhören kann, sind Subway to Sally: auch darin begründet, dass sie in ihren frühen Jahren ständig in meiner damaligen Heimatregion spielten. Nachdem ich die Band eine zeitlang gar nicht mehr verfolgt habe, fand ich ihre neueren Alben dann hörenswerter und weniger cringy als erwartet.
Es wäre aber wünschenswert, wenn Ally mehr Einfluss auf das Songwriting nimmt. "Himmelfahrt" war schon sehr gut, aber "Post Mortem" war mir doch zu viel unnötiger Fanservice. "Mitgift" fand ich richtig gut, gerade weil StS auf der Platte eine inhaltliche Vision hatten, die sie auch von vorne bis hinten durchzogen.
Yo, unter den jüngeren Platten war "Post Mortem" deutlich die schwächste. Die erste Hälfte ist noch gut, im zweiten Teil folgt dann viel Entbehrliches und diese komplett ärgerliche und peinliche Kollabo mit dieser Schunkelmetalfaschingscombo Warkings.
"Sie klingen eher JETZT nach Mittelaltermarkt: nämlich austauschbar nach allem, was man mit Mittelalter-Eventkultur verbindet. Früher war das Schöne, dass sie eher NICHT so klangen"
Kann ich nicht ganz folgen. Für mich liest sich das so, als würdest du Mittelaltermarkt musik generell als austauschbar bezeichnen. Bzw. bist der Meinung, dass das heutzutage so ist. Persönlich vermittelt für mich so etwas wie Narrenkönig eher Mittelaltermusik, als das, was die Band seit einiger Zeit fabrizieren. https://www.youtube.com/watch?v=qgCUoj_Z-h4
Man kann ja hier leider keine eigenen Videos hochladen. Sonst würde ich ein paar schöne Mitschnitte von Mittelaltermärkten präsentieren können, die zeigen, dass nicht nur die Musik oft austauschbar ist, sondern die Sangesbarden zwischen den Songs gern auch mal exakt dieselben Witze erzählen . Und das ist ja okay. Es ist eben Familienunterhaltung.
Ich bin zu spät, denn ich war beruflich in sonnigeren Gefilden unterwegs. Schandmaul haben tatsächlich noch niemals nie „authentische Mittelaltermarktmusik“ gemacht, wobei die ersten Alben etwas mehr Getröte und weniger Gitarren hatten als spätere. Es war aber schon immer Schlagerhölle. Das sage ich als jemand, der die zwischen 15 und 20 wirklich gut fand. Aber da bin ich wirklich rausgewachsen. Halbwegs „authentisch“ in Instrumentierung und Texten sind diese speziell für Mittelaltermärkte geschriebenen Alben von Saltatio Mortis. Authentisch zumindest in dem Sinne, dass das der Prototyp der Mucke ist, die da so läuft. Ansonsten wurden diese Märkte hier schon ausreichend als kommerzielle Vorhölle für Metsaufende LARPfans charakterisiert. Und ich war auf 10+ davon…
"Man kann ja hier leider keine eigenen Videos hochladen. Sonst würde ich ein paar schöne Mitschnitte von Mittelaltermärkten präsentieren können, die zeigen, dass nicht nur die Musik oft austauschbar ist,"
Naja, es ist halt Musik "aus dem Mittelalter" und keine Innovationswerkstatt. Wenn ich auf einen Mittelaltermarkt gehe, dann will ich die Stimmung aus dem Mittelalter nachfühlen. So authentisch wie möglich, auch wenn einiges von der Authentizität eingebildet ist. Aber es gibt auch authentische Fantasy Filme! Und Schandmaul haben für mich diese Authentizität früher eher vermittelt, als heute. Heute ist die Musik dafür zu glatt poliert und klingt eher fürs Radio und die Charts gemacht, als für einen Mittelaltermarkt.
"sondern die Sangesbarden zwischen den Songs gern auch mal exakt dieselben Witze erzählen . Und das ist ja okay. Es ist eben Familienunterhaltung."
Ich finde Familienunterhaltung als Bezeichnung wertet es etwas ab. Familienunterhaltung ist Disneyland. Ein Mittelaltermarkt ist da schon etwas anderes.
Ein Mittelaltermarkt ist so ziemlich die Definition von Familienunterhaltung. Es ist ein mobiles Disneyland mit anderem Themenschwerpunkt.
"Wenn ich auf einen Mittelaltermarkt gehe, dann will ich die Stimmung aus dem Mittelalter nachfühlen. So authentisch wie möglich, auch wenn einiges von der Authentizität eingebildet ist." Nichts dort ist in irgendeiner Form authentisch, wirklich gar nichts. Es sind Leute, die Mittelalter spielen. Und das ist schon okay, aber man darf sich da keine Illusionen machen.
"Eine frühere Freundin hing mit denen in ihren Anfangszeiten gelegentlich im Proberaum rum." Da kam die Freundin aber schon aus recht gutem Hause, wenn man sich herablies sich mit ihr abzugeben.
"Nichts dort ist in irgendeiner Form authentisch, wirklich gar nichts. Es sind Leute, die Mittelalter spielen. Und das ist schon okay, aber man darf sich da keine Illusionen machen."
Genau das und nichts anderes. Völlig okay, wenn man Bock drauf hat, wenn die Stimmung gerade passt, alles gut, nur authentisch Mittelalter ist es halt nicht. Muss es auch nicht sein. Dafür gibt es andere Veranstaltungen, ohne Trallala.
"Ein Mittelaltermarkt ist so ziemlich die Definition von Familienunterhaltung. Es ist ein mobiles Disneyland mit anderem Themenschwerpunkt."
Es gibt keine (mir bekannten) mobilen Disneymärkte, und das hat aucs einen Grund. Bei einem Mittelaltermarkt werkeln meist begeisterte Fans des Mittelalters, im Rahmen ihres Hobbies, um eine vergangene Epoche möglichst authentisch nachzustellen und erlebbar zu machen. Alleine schon dieser historische Background lässt keinerlei Vergleiche mit Disyneland und hat als Zielgruppe ganz sicher nicht nur irgendwelche random Familien
"Nichts dort ist in irgendeiner Form authentisch, wirklich gar nichts. Es sind Leute, die Mittelalter spielen. Und das ist schon okay, aber man darf sich da keine Illusionen machen."
Wenn du es nicht magst, ist das eine Sache. Aber den Märkten jegliche Authentizität abzusprechen ist, das ist so ein Unsinn, darauf will ich gar nicht eingehen.
Puschelchen, wenn du Mittelaltermärkte für authentisch oder sogar als historisch empfindest, kann man dir wirklich nicht helfen. Das ist eine Fantasie, ein Wunschdenken, eine romantisierte Vorstellung von einem Mittelalter, das in der Wirklichkeit nichts mit dem gemein hat, was auf Mittelaltermärkten gelarpt wird. Hab im Studium viele Historiker*innen, auch mit Fachrichtung Mittelalter/Neuzeit kennen gelernt und niemand von denen hat auch nur ansatzweise die Worte "historisch", "authentisch" und "Mittelaltermärkte" in einem Satz verwendet. Selten so einen Bullshit gelesen.
Ich behaupte einfach nicht, dass diese Märkte pauschal der puren Fantasie entsprungen sind. Es gibt dort solche und solche Leute, manche nehmen es ernsthafter, andere weniger. Und es gibt auch Märkte, die sich tatsächlich der historischen Nachbildung verpflichten, auch wenn diese eher in der Minderheit sind. Letztlich geht es auch um einen mittelalterlichen Vibe und der wird nicht dadurch zerstört, weil man bspw. Epochen miteinander vermischt oder Fantasy Elemente einbaut. Die Wikinger hatten keine Hörner auf dem Helm. Wird der Vibe eines Wikingermarktes dadurch zerstört, weil die Leute Helme mit Hörnern tragen?
Hab kurz drüber nachgedacht und hab's begriffen. @Puschel Du willst sagen dass Menschen sog. Authenzität unterschiedlich auslegen oder sie sich gar einbilden wo si faktisch nicht da ist. Sie ist also eher ein subjektives Empfinden. Willst du das sagen?
Wenn ja, dann haben wir ja endlich die lang ersehnte Antwort auf deinen hundertdrölfzigsten "[Produkt] ist mir nicht authentisch genug, das ärgert mich"-Take gefunden.
"Das eine ist Kindergeburtstag, das andere nimmt den Stoff ernst"
Ist - im Wesentlichen - ein Unterschied des Tons und des Budgets. Das eine war ne billige Comedy, das andere ist ein hochbudgetiertes Drama. Comedy ist aber nicht "authentischer" als Drama, und vice versa.
Xena > Game of Thrones Und ich sterbe auf diesem Hügel. Xena ist eine hochgradig progressive Serie mit gut geschriebenen Charakteren, die extrem weit über ihrem Budget unterwegs ist, während GoT aufgrund der letzten beiden Staffeln einfach eine schlechte Serie ist.
Ich sehe keinen Grund, beide Serien gegeneinander auszuspielen. Waren/sind beides gutes Entertainment für ihre respektiven Ansprüche, etwaige problematische letzte Staffeln mal ausgeklammert.
"Hab kurz drüber nachgedacht und hab's begriffen. @Puschel Du willst sagen dass Menschen sog. Authenzität unterschiedlich auslegen oder sie sich gar einbilden wo si faktisch nicht da ist. Sie ist also eher ein subjektives Empfinden. Willst du das sagen?"
Alles ist immer subjektiv! Ich bin aber auch immer der Meinung, dass es eine gewisse Ebene gibt, die man auch objektiv betrachten und beurteilen kann. Sonst wären diese Reviews hier, zumindest die Wertungen, auf dieser Seite ja Unsinn, wenn das alles immer zu 100 % subjektiv wäre.
"Wenn ja, dann haben wir ja endlich die lang ersehnte Antwort auf deinen hundertdrölfzigsten "[Produkt] ist mir nicht authentisch genug, das ärgert mich"-Take gefunden."
Aaah, sweet denial. Ich kann's verstehen, ich glaube auch seit einiger Zeit, dass meine Waage falsch geht Trotzdem isses vielleicht mal an der Zeit, sich neue edgy takes auszudenken? Ragismn kann dir da sicherlich behilflich sein.
"Ist - im Wesentlichen - ein Unterschied des Tons und des Budgets. Das eine war ne billige Comedy, das andere ist ein hochbudgetiertes Drama. Comedy ist aber nicht "authentischer" als Drama, und vice versa."
OK, wenn du das als Comedy sieht. So schlimm hätte ich das jetzt nicht beurteilt. Klar muss Comedy nicht weniger authentisch sein. Ich fand XENA persönlich jedoch nicht als Comedy, sondern einfach maximal casual und billig gemacht. Das war alles so mega seicht und austauschbar, dass es halt eher eine breite Sonntagnachmittag-Zielgruppe im Visier hatte. So ähnlich wie die letzten Schandmaul Alben.
"während GoT aufgrund der letzten beiden Staffeln einfach eine schlechte Serie ist."
Ich stimme dir bzgl. der letzten beiden Staffeln zwar zu, zumindest plotmäßig, aber bzgl. XENA habe ich eine andere Meinung. Das ist einfach nur maximal casual!
"Ich sehe keinen Grund, beide Serien gegeneinander auszuspielen. Waren/sind beides gutes Entertainment für ihre respektiven Ansprüche, etwaige problematische letzte Staffeln mal ausgeklammert"
Kann jeder schauen was er will. Wenn man den Stoff aber einigermaßen ernst nimmt, kann man nicht XENA normalerweise nix anfangen. Weil es zu casual ist und zu billig wirkt (obwohl das Budget wahrscheinlich nicht niedrig war).
Dass ihr nicht nachvollziehen könnt, dass solcher Stoff (das Mittelalter ansich), für einen wichtig sein kann und daher ernst genommen wird, ist jetzt keine Überraschung für mich. Es wäre auch keine Überraschung, wenn ihr das ins Lächerliche zieht, was anderes bin ich hier im Forum, von vielen von euch auch nicht gewohnt. Deshalb sollte man hier eigentlich auch lieber auch keine persönlichen Aussagen kundtun.
Ich hab nie gesagt, ich würde keine Mittelaltermärkte mögen. Und da arbeiten keine Fans, sondern Leute, deren Beruf Schausteller ist. Die unterscheiden sich vom Reibekuchenmann auf dem Volksfest um die Ecke hauptsächlich durch Outfit, Verkleidung der Bude und Speiseangebot. Dass das eine für dich, Puschel, als kommerzieller Quatsch und das andere als authentisches Historienevent gilt, ist ein Marketingerfolg. Auch das ist nicht schlimm und kein Vorwurf
"Und da arbeiten keine Fans, sondern Leute, deren Beruf Schausteller ist."
Es mag so Märkte geben. Meine Erfahrung ist eher, dass sich auf diesen Märkten allerlei unterschiedliche Leute tummeln. Die einen haben eher den kommerziellen Blick im Fokus, für andere ist es ihr Hobby. Dass die Marketingleute bei vielen in der Bevölkerung scheinbar den Eindruck erwecken, dass das Ganze nur kommerzieller Quatsch sei, ohne jeden historischen Background, ist traurig. Für mich verbinden diese Märkte beides. Zumal es auch Mittelaltermärkte gibt, die sich tatsächlich in erster Linie der historischen Abbildung verpflichtet habe. So genannte Reenactment-Märkte.
Um mal die Kurve zu kriegen: wann haben Schandmaul oder irgendwer sonst aus diesem Genre denn jemals auf einem Reenacment-Event gespielt? Dazwischen liegen Welten. Der populärkulturelle Mittelaltermarkt, um den es hier nur gehen kann, ist eben Schaustellertum. Und wie gesagt, das ist gut so, nur macht eine Diskussion um Authentizität da überhaupt keinen Sinn.
Die Frage ist nicht, wann hat die Band auf welchen Märkten gespielt, sondern ob ihre Musik für derartige Mittelaltermärke geeignet ist. Und das war früher deutlich eher der Fall. Dass die Band auch früher nicht besonders authentisch war, ist mir durchaus bewusst. Aber wie du ja schon selbst geschrieben hast, ist das bei den heutigen Mittelaltermärkten auch garnicht zwingend erforderlich. Aber das was die Band seit einigen Jahren spielt, das hat auf diesen Märkten garnichts mehr zu suchen.
Boah, Mittelaltermärkte und Reenactment in einen Topf zu schmeißen ist so hirnverbrannt, dass es weh tut. @Puschel Wie soll Dich irgendjemand ernst nehmen, wenn Du jedes mal, wenn Dir argumentativ entgegengetreten wird, den Dummen spielst? Es nimmt Dir niemand ab, dass Du beides nicht unterscheiden kannst und nein, es gibt da auch keine Überschneidungen. Warum führst Du eine Diskussion, wie so oft ad absurdum, und das ausgerechnet immer dann, wenn versucht wird sie sachlich zu führen und auf Dich einzugehen?
"sondern ob ihre Musik für derartige Mittelaltermärke geeignet ist. Und das war früher deutlich eher der Fall." Da besteht doch keine ernsthafte Frage. Für Mittelaltermärkte natürlich, für Reenactments definitiv nicht. Was sollen solche absurden Fragestellungen?
"Boah, Mittelaltermärkte und Reenactment in einen Topf zu schmeißen ist so hirnverbrannt, dass es weh tut."
Würde ich jetzt gar nicht mal so sagen. Bin von beidem kein profunder Kenner, aber beim letzten Mittelaltermarkt, den ich hier in der Gegend besucht habe (am Schloss Broich in Mülheim a.d. Ruhr) war das bunt gemischt. Da gab es den üblichen Markt mit den Schaustellern, Händlern, Geschichtenerzählern und der Turniertruppe und es gab einen Bereich mit Reenactors, die da an ihren Feuern sitzen, Suppe kochen, ihrem Handwerk nachgehen und einfach nur fürs Flair sorgen.
Habe ich auch schon auf anderen Märkten so gesehen...
Da haben auch irgendwelche Mittelaltermarkt-Bands gespielt, aber - soweit ich mitbekommen habe - nur ohne "Rock"-Einschlag
@Archivicious Das hat dann aber mit Reenactment nichts zu tun. Kann gut sein, dass da ein paar Leute nicht völlig im Fantasy Bereich unterwegs waren, aber Reenactment ist das konkrete Nachstellen, so nah wie irgend möglich an der geschichtlichen Realität. Da ist dann das Schloss schon die falsche Lokalität und erst recht in Kombination mit dem Mittelaltermarkt.
Das ist auch alles nicht schlimm und hat völlig seine Daseinsberechtigung, nur sollte man es eben nicht mit Authentizität verwechseln.
@Capsi Hat's nicht gereicht, dass Du Dich heute mit deinem Uhrenspruch mal wieder öffentlich zum Deppen gemacht hast? Bleib bei Deiner Inselbegabung, spiel mit KI, das kannst Du. Alles andere liegt Dir einfach nicht.
@Puschel Genau dieses den Kasper spielen meinte ich. Was soll das?
Stellen wir uns den "authentischen" Mittelaltermarkt doch einmal vor. Ich habe hierfür extra einen Zeitreisenden befragt . Ich glaube der hieß Ernst Schubert: "Alltag im Mittelalter".
Eine moderne Kanalisation gab es nicht. Das heißt: Es roch schon eher unangenehm. Wir finden viel Stroh und Heu. Und Schlamm, wenn es nicht längere Zeit trocken gewesen ist. Und Tiermist. Warum? Der Zeitreisende hat mir zeitgenössische Darstellungen gezeigt. Was sehen wir da? Tiere, viele Tiere. Die wurden dort nämlich gehandelt und haben Waren, haha, quasi vor Ort produziert. Pferde, Ochsen, Schweine, Ziegen, Hühner, Schafe, Hunde. Folglich auch Tierexkremente. Der Boden war feucht. Es roch nach Urin. Auch menschliche Notdurft wurde oft mangels Kanalisation in einfachen Gruben oder Kübeln gesammelt.
Da es keine Schornsteine an den Zelten gab, sondern offene Lagerfeuer, würde der Markt permanent in einer dichten Rauchwolke hängen. Die Augen würden brennen und die Kleidung sofort nach kaltem Rauch riechen.
Die Menschen hatten Zahnlücken und verfärbte Zähne. Zahnersatz, wie wir ihn heute kennen, gab es ja nicht. Und es war sehr laut. Menschen feilschten. Kinder schrien. Da konnten Kleinkinder auf dem Boden herumkrabbeln, vielleicht von einem Holzgitter gesichert. Vielleicht auch nicht.
Und man sah Menschen mit Abszessen. Es gab schließlich keine Antibiotika. Schon eine vergleichsweise kleine Wunde konnte sich zu einer ernsthaften Infektion entwickeln. Wenn sich Eiter unter der Haut sammelte, konnte man nicht einfach eine Tablette nehmen. Wir sehen Fehlstellungen, Missbildungen und verkürzte Gliedmaßen.
Und Fliegen, viele Fliegen. Es gab den kleinen Nachteil, dass man keine Kühlschränke besaß, um Fleisch und Speisen über längere Zeiträume zu kühlen. Fleisch kam nicht aus einer hygienisch abgeschotteten Kühltheke. Auf Märkten und bei Metzgern konnte man geschlachtete Tiere, tote Tierkörper, Blut, Häute, Innereien und Schlachtabfälle sehen. Es wurde auch direkt vor Ort geschlachtet.
Kinderarbeit! Also nicht jetzt im Sinne von: am Fließband. Aber Kinder, die selbstverständlich bei ihren Eltern oder Meistern mitarbeiteten: tragen, verkaufen, Tiere versorgen, Botengänge erledigen, handwerkliche Tätigkeiten lernen. Kinder würden überall sein. Sie würden herumrennen, helfen, betteln, Tiere ärgern, Sachen anfassen, Geschwister beaufsichtigen und im Dreck spielen. Ein Begriff von Kindheit, so wie wir ihn heute kennen, gab es damals nicht.
Verheiratete Frauen trugen ausnahmslos ihre Haare bedeckt (Gebende oder Wimpel). Männer trugen eine Bundhaube. Barhäuptig oder mit offenen, langen Haaren herumzulaufen, war unüblich.
"Ich bevorzuge ehrlich gesagt die "unauthentische" Variante. Allerdings ist mir ein authentischer Mittelaltermarkt auch noch nicht untergekommen."
Ich bevorzuge solche Märkte, die sich so weit es möglich ist und den Komfort nicht zu sehr einschränkt, an einer authentischen Nachbilung eines Mittelaltermarktes versuchen. Am Ende geht es darum den Vibe authentisch zu vermitteln und da muss ich nicht unhygienisches Fleisch essen, damit ich damit glücklich bin. Die eigentliche Faszination des Mittelalters, spiegelt sich für mich ohnehin in anderen Dingen wieder.
Puschel, dieser „Vibe“ war für die Menschen im Zweifel ein täglicher Überlebenskampf ! Ich folge Dir ja insoweit, dass solche heutigen Märkte es im Idealfall schaffen können, dass sich Menschen vertiefend mit dieser Zeit beschäftigen. Und so ein Schmied auf dem Mittelaltermarkt, der handgefertigt nach alten Darstellungen und Bauplänen ein Hufeisen fertigt, kann zum Beispiel eine ungefähre Ahnung davon vermitteln, wie anspruchsvoll und faszinierend altes Handwerk gewesen ist.
Nur: Für den Menschen war das keine fremde, faszinierende Welt, in die man für ein Wochenende eintauchte. Das war sein Alltag. Und dieser Alltag war beschwerlich. Vom Gelingen der Arbeit konnte im Zweifel abhängen, ob am Ende etwas auf dem Tisch stand.
Lama: "Puschel, dieser „Vibe“ war für die Menschen im Zweifel ein täglicher Überlebenskampf !"
Klar, das würde ich auch niemals bezweifeln!
"Ich folge Dir ja insoweit, dass solche heutigen Märkte es im Idealfall schaffen können, dass sich Menschen vertiefend mit dieser Zeit beschäftigen. Und so ein Schmied auf dem Mittelaltermarkt, der handgefertigt nach alten Darstellungen und Bauplänen ein Hufeisen fertigt, kann zum Beispiel eine ungefähre Ahnung davon vermitteln, wie anspruchsvoll und faszinierend altes Handwerk gewesen ist."
Ja, z.B.
"Nur: Für den Menschen war das keine fremde, faszinierende Welt, in die man für ein Wochenende eintauchte. Das war sein Alltag. Und dieser Alltag war beschwerlich. Vom Gelingen der Arbeit konnte im Zweifel abhängen, ob am Ende etwas auf dem Tisch stand."
Nun, ich finde das Mittelalter schon faszinierend, trotz der ganzen Beschwerlichkeit, die diese Zeit mit sich gebracht hat. Ich finde das ist kein Widerspruch. Etwas kann beschwerlich sein und trotzdem in gewisser Weise faszinierend. Spinnen sind eklig und angsteinflößend, und trotzdem irgendwie tolle, teils sogar schöne, faszinierende Tiere. Faszination hat kein Alleinstellungsmerkmal auf angenehm empfundene Emotionen.
Ich will dir nur mal ein Beispiel kennen, vielleicht empfindest du das ja auch anders.
Das Mittelalter war eine Zeit, in der Menschen noch nicht in der Weise aufgeklärt waren, wie wir es sind. Häufig kannten die Menschen nur ihren Ort, ihr Land und das wars. Die Meisten wussten nicht, was sich hinter dem großen See befindet. Sie glaubten an Geister, an Rituale, an Bräuche, an Flüche, an alles Übernatürliche, an Hokuspokus. An Wanderer, die ihnen sonderbare Geschichten, aus angeblichen fern liegenden Ländern erzählten.
Wie muss es gewesen sein in dieser Zeit gelebt zu haben, in der das alles keine GoT Fantasien im TV waren, sondern die Menschen wirklich daran gelaugt haben oder es zumindest nicht sicher leugnen konnten? Das Mittelalter war diesbzgl. eine sehr intensive Zeit und das nachzufühlen, macht diese Zeit, aber auch Filme die sich daran anlehnen, für mich sehr intensiv. Sofern man sich eben um einen möglichst authentischen Vibe bemüht. Von einem Mittelaltermarkt habe ich mal gehört, welches eher wie in Zirkus geführt wurde, die also ständig gemeinsam reisten. Dass diese sich nach dem offiziellen Markt am Abend zusammensetzen, ums Lagerfeuer herum, und gemeinsam Lieder aus dieser Zeit singen. So etwas zu erleben stelle ich mir als etwas sehr besonders und intensives vor. Natürlich liebe ich auch die Ästhetik des Mittelalter. Das ist ein Punkt den ich sehr faszinierend finde, mich da einzufühlen, auch wenn das nicht unbedingt immer positiv war. Mich in eine Zeit einzufühlen, in der man tatsächlich an Drachen und Hexen glaubte. Heute ist das Entertainment für uns, damals war das real gelebte Fantasie, die man nicht sicher aufklären konnte.
Ein annähernd authentisches Bild hat "Kingdom Come: Deliverance" für mich vermittelt, auch wenn das noch zu romantisiert ist. Vermittelt aber gut, wie erschwerlich und düster diese Zeit gewesen sein muss. Man sieht beispielsweise, wie man ganze Dörfer niedergebrannt und geplündert hat. Mit Lagerfeuer und Gemeinsamkeit hat das nur wenig zu tun.
Das bestreitet doch auch keiner, Puschel. Also zumindest ich nicht . Ich finde das auch eine faszinierende Zeit, habe mich während des Studiums auch eine Zeit lang mit Mediävistik beschäftigt.
Wir wissen über die damalige Musik nicht so viel. Vieles, was die "Mittelalterbands" auch ohne Stromgitarre darbieten, stammt eher aus der höfischen und klerikalen Musiktradition und wurde von den heutigen Bands quasi verdudelsackifiziert.
Und natürlich gibt es sehr seriöse Versuche, die Musik von damals erlebbar zu machen. Aus der Carmina Burana lassen sich 30 Songs über Parallelüberlieferungen ungefähr in ihrer Melodie rekonstruieren, weil sie über sogenannte adiastematische Neumen überliefert wurden. Was man da nicht erfährt: genauer Rhythmus und Instrumentierung, in welcher Tonart sie standen, ob sie ein- oder mehrstimmig vorgetragen wurden etc. Und was wir vor allem NICHT WISSEN: Wie die Stimmen klangen. Selbst die historischen Rekonstruktionen der alten Ensembles sind so kunstvoll gesungen, dass ich zweifel. Das ist die Kunstlied-Tradition, geschult an der Rezeption der Volksmusik in der Zeit der Romantik. Sie haben eine eigene Tradition begründet, der dann andere Ensembles folgen.
Es lassen sich aber immerhin Instrumente und Spielweisen über archäologische Funde, Beschreibungen in Texten und Abbildungen ganzer Ensembles auf zeitgenössischen Darstellungen rekonstruieren. Wir können uns dem annähern.
Beides hat irgendwie seine Berechtigung: der Versuch der Rekonstruktion und die Übersetzung in zeitgenössische Musik, die sich auch moderner Ausdruckstechniken bedient.
Für mich klang das schon so, dass man (ich meine jetzt generell hier) meine Faszination nicht ganz nachvollziehen kann, weil diese Märkte nicht zu 100% authentisch sind und weil diese Zeit natürlich auch recht dunkel und grausam gewesen sein soll. Was ja auch nicht nur so war, es gab auch sehr viel positives für diese Menschen. Ich meine gelesen zu haben, dass man da auch wieder etwas zurückgerudert ist, dort vieles vor allem als dunkel und grausam darstellen.
Man liest aber heraus, dass du da wesentlich mehr Ahnung davon hast, als ich. Natürlich lasse ich mich dann von irgendwelchen Märkten eher täuschen, als es bei dir der Fall wäre. Man kann auch sagen, ich werde es wohl leichter haben mich von diesen Märkten faszinieren zu lassen, als es bei dir der Fall ist. Weil du natürlich genau siehst, was dort eher dem reinen Entertaining und zu Komfortzwecken dient.
Und auch wenn wir noch viel von der Musik wissen, so wissen wir doch, welche Musikinstrumente gebraucht wurde und wie es etwas geklungen haben mag. Ich denke man kann sich sehr gut vorstellen, wie das im Mittelalter geklungen haben mag. Und ich denke auch, dass man ein Gefühl dafür entwickeln kann, was authentisch klingt und wirkt, und was weniger. Auch wenn das nicht immer zu 100% stimmen mag.
"Und ich denke auch, dass man ein Gefühl dafür entwickeln kann, was authentisch klingt und wirkt, und was weniger"
Ojeojeoje. Es lebe das Bauchgefühl, right? Wer braucht schon Fakten.
Ich persönlich habe kaum einen Schimmer, wie Dinge im Mittelalter geklungen haben mögen, daraus folgt freilich, dass ich nicht im geringsten einschätzen kann, was authentisch ist und was nicht.
Ja, weil du dich offensichtlich ne damit beschäftigt hast. Spreche das bitte nicht auch anderen Menschen ab, die sich seit eh und je dafür interessiert haben
Fair. Trotzdem: selbst ne ungefähre Kenntnis ( und mehr ist mangels empirischer Belege bzgl der klanglichen Natur mittelalterlicher Musik nicht drin) langt noch lange nicht um irgendeinen Anspruch der Authentizität zu rechtfertigen.
Auf keinem mir bekannten Mittelaltermarkt gibt es ernsthaftes Reenactment, da sich Reenactor inzwischen zu Schade sind, für irgendwelche kommerziellen Anbieter für allenfalls eine kleine Aufwandsentschädigung ein wenig Ambiente zu machen, und sich drei Tage lang das dumme Geschwätz irgendwelcher Temu-Wikinger mit Kassengestell, Sneakern und Schaffell auf dem Buckel anzuhören. Wirklich gutes Reenactment, bzw. Living History geht inzwischen oftmals in Richtung experimentelle Archäologie, bei der nicht nur versucht wird Kleidung, Bewaffnung und Ausrüstung möglichst korrekt nachzubilden, sondern auch einen Teil der Lebensumstände, wie zB das Erlernen alter Handwerkstechniken, überlieferter Kochrezepte usw. Solche Veranstaltungen finden dann auch eher in Freilichtmuseen oder anderen historisch gut erhaltenen Anlagen statt, und ziehen idR ein komplett anderes Publikum an, als das druchschnittliche Marktvolk.
Wie gesagt, es gibt kommerzielle Mittelaltermärkte und es gibt Reenactment Märkte. Diese sind erstmal klar voneinander zu unterscheiden. Dass normale Mittelaltermärkte aber ausschließlich von kommerziellen Werbeveranstaltern etc. veranstaltet werden, das ist zumindest nicht meine Erfahrung. I.d.R. ist das nicht schwarz/weiss zu sehen, auf den normalen Märkten tummeln sich ebenso Mittelalter Vereine, Lagergruppen, Händler und Handwerker präsentieren historische Waren und Techniken. Die mischen sich quasi dazwischen. Das fällt von Markt zu Markt unterschiedlich aus.
„ I.d.R. ist das nicht schwarz/weiss zu sehen, auf den normalen Märkten tummeln sich ebenso Mittelalter Vereine, Lagergruppen, Händler und Handwerker präsentieren historische Waren und Techniken.“
Du sprichst war, Puschel. Ich kenne Leute die an LARPs teilnehmen, Mittelaltermucke aber überhaupt nicht hören.
Tja, es ist wohl müßig zu diskutieren, wo "ernsthaftes" Reenactment anfängt, das muss schon jeder für sich selbst beantworten.
Nach meiner Erfahrung mischt sich das schon mit der Hobbyfraktion, als du es wahrnimmst.
Sei es auf Mittelmärkten als Fluff (mal mehr, häufig weniger), in den von dir angesprochenen Freilichtmuseen (ich war mal im Urlaub im Steinzeitdorf Dithmarschen, als da für eine Woche Reenactoren in Lumpen in den Unterkünften gehaust haben - aber zeitgleich eine Hobby-Keltengruppe dort logierte, die Slush-Eis verkauft hat (nicht ausschließlich natürlich... aber auch) oder im APX beim Limesfest. Da gab es auch hochprofessionelle Legionäre (je professioneller, desto wahrscheinlicher kommen sie aus England), bei denen alle Befehle und die Marschlieder auf Latein erfolgten) und Hobbyisten-Einheiten mit zusammengewürfelter Ausrüstung und Klamotten etc.; dazu Handwerker, die nach überlieferten Methoden Terra Sigilata-Geschirr herstellten neben kostümierten Verkäufern von echt römischem Flammkuchen...
Aber reine Hardcore-Reenactment-Veranstaltungen kenne ich natürlich gar nicht, da wird es sicherlich genug geben, wo die Profis unter sich bleiben wollen.
"Google kannst du auch selbst bedienen. Traue ich selbst dir zu" Warum musst du jetzt beleidigend werden, wenn ich sachlich nach konkreten Beispielen frage? Ich und die meisten anderen hier können natürlich Google oder sonstige Suchmaschinen bedienen, nur hilft uns das nicht um herauszufinden welche Märkte und welche Gruppen DU meinst. Vielleicht versteht man dann ja besser, was Du unter "authentisch" oder "Reenactment" verstehst.
Warum wirst Du jedes mal, wenn es konkret wird ausfallen oder zum Kasper?
Also noch mal, ganz sachlich gefragt, von welchen konkreten Reenactment Märkten und "Mittelalter Vereinen" sprichst Du? Schön wäre mit Links.
"aber zeitgleich eine Hobby-Keltengruppe dort logierte, die Slush-Eis verkauft hat"
Für mich bedeutet Hobby-Narr nicht gleich, dass die nur Entertainment Quatsch verzapfen. Hier gibt es auch Abstufungen. Wichtig ist (zumindest mir) nicht, dass es jetzt zu 100 % akkurat ist oder nicht, ob es dem Reenactment Status entspricht, oder nicht, sondern das man sich darum bemüht, möglichst "authentisch" zu bleiben. Und da gibt es ein ganzen Sammelsurium davon auf den normalen Märkten, von REWE Ständen, die Maggi Suppen verkaufen, bis Hobby Freaks, die sich mit viel Mühe darum bemühen, einen überzeugenden, authentischen Vibe zu vermitteln. Für mich ist das wie gesagt nicht schwarz/weiss. Ich sehe auf den normalen Märkten beides. Es gibt auch einen Markt den ich als REWE Mittelaltermarkt bezeichnen würde, der ist ein Witz. Abe die Meisten die ich kenne sind eher so ein Sammelsurium.
Theory: "Warum musst du jetzt beleidigend werden, wenn ich sachlich nach konkreten Beispielen frage?"
Naja, beleidigend. Mir wäre es einfach lieber, du lässt mich in Ruhe. Du hast schon lange jeglichen Respekt bei mir verspielt und ich habe keinen Bock mich mit jemandem wie dir zu unterhalten.
Kann ich schon verstehen, es ist aber auch wirklich gemein von mir, Diskussionen sachlich und mit echten Argumenten (und nachprüfbaren Fakten) führen zu wollen und dann auch noch nach konkreten Beispielen zu fragen, anstatt einfach Deinen gefühlten Wahrheiten beizupflichten.
Robert Eggers über seinen neuen Film WERWULF - und Robert Eggers ist DER GOAT!
"He says he chose to set ‘WERWULF’ in 1300s England instead of the modern day because he wanted a period when werewolves were widely believed to be real. “Superstitions in this period don’t exist, magic doesn’t exist, it is. All this is [real to them].”
Nur falls jemand gedacht hat, dass ich da oben wieder Blödsinn erzählt hätte, mir da irgendwas zusammenspinne.
Musik für richtig unangenehme Menschen. Bei okayem Hip-Hop kann ich den Vibe zumindest spüren - bei so debil-sentimentalem Goth-Mittelalter-Finstergegniedel aus dem Katalog spüre ich dermaßen tiefe Verachtung für alle Beteiligten, dass ich den dunkelsten Seiten in mir begegne...
Und das hat am Ende vielleicht auch was für sich. Wozu ist Musik sonst da, als um Verbindung zu unerforschten Gefühlen herzustellen?
Ich verstehe, was du meinst. Ich muss bei dieser Musik immer an diese Metal-Shirt-tragenden Klugscheißer denken, die antiproportional zu der Musik die sie hören noch nie in ihrem Leben rebellisch waren und irgendwas mit IT arbeiten. Die, wo die alten Leute immer sagen: "Er trägt zwar ein T-Shirt mit Pentagramm, aber das ist der netteste Junge."
Und die können nicht mit Abweisung umgehen und wenn, entpuppen die sich häufig als beziehungsunfähige Sexisten, die Lovebombing beherrschen, aber aufgrund dessen, dass sie in der Schule nie von Frauen beachtet wurden und von keinem Typen als cool wahrgenommen wurden eine tiefe, unbehandelte narzisstische Wunde in sich tragen.
Doch das allerschlimmste ist, dass sie auf Partys solche Musik anmachen wollen und vorschlagen, irgendein dreistündiges Brettspiel zu zocken. Oder irgendein todesbeschissenes Kartenspiel.
Um noch weiter in der Klischeekiste zu buddeln: Die Mädels aus dieser Szene haben natürlich riesige Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl, und daten dann ganz im Stil von "the devil you know" eben jene Narzissten - Beachtung wäre zu gefährlich. Dann lieber die eigene Identität verbuddeln, und alles vom Verehrtesten absorbieren. Also wird bis zur erlösenden Selbstvergessenheit jedes todesbeschissene Kartenspiel gespielt, und jede endblöde Fakeband live gesehen.
Wollte ich immer spielen, aber das Pen'n'Paper Zeugs kostet massenweise Zeit. Ja ich weiss, weniger dummes Zeugs bei laut.de schreiben, dann klappt das auch
Man nennt es auch den Ragiannengraben. Ein klarer Copyright-Fall für die WieselEntertainmentGmbH. Fall ist gemeldet. Dieses Wiesel soll harte Anwälte haben, hab' ich gehört...
Jop, die Unterlassungsklagen die permanent aus der Schwingo AG gegen kommentarspaltliche Wieselkeiten rübergesegelt kamen wurden bislang erfolgreich abgewehrt.
Das kommt darauf an, ob jemand gerade drauf schaut und ob er die Uhr lesen kann bzw. auch, inwiefern er "Uhrzeit" definiert bzw. was seine subjektive Einstellung dazu ist
Eine Clownsuhr, oder so eine mit Katzenaugen und einer heraushängenden Zunge, ist grundsätzlich richtig beim Betrachten. Völlig egal, wo die Zeiger gerade stehen
Außer die Akkus sind gerade leer, dann kann es nämlich spätestsns beim 3. Mal Betrachten schon 1 gewaltigen Unterschied machen, in welcher Position Augenlider und Mundwinkel der Clownsuhr hängen geblieben sind UND dass sie bei jedem weiteren Betrachten noch immer in genau derselben Position befinden wie beim letzten drauf schauen, bis die Akkus wieder aufgeladen wurden!
Was für ein Gejammer...und ich meine den Rest der Kommentarspalten-Akrobaten hier. Das ist eine solide Scheibe für Fans. Da darf man sich gerne mal zurückhalten, wenn man nicht angesprochen wird.
Seht, es ist Lovecraft, großer Fan solider Musik, der sich statt zur Musik lieber abfällig über andere User, die seinen Geschmack nicht teilen oder nicht seiner Meinung sind äußert.
Hey, Puschel, ein möglicher neuer Freund für Dich.
Diese Gurkentruppe, Saltatio Mortis, In Extremo, Feuerschwanz, D’Artagnan und so viele andere, sind genau das, was mit dieser deutschen Mittelaltermethornvikingsdeluxeboxü40geflochtenerziegenbartszene nicht stimmt. Ich kann das alles nicht mehr sehen. Die Bands, die Methornmärkte und die Menschen die auf den selben spawnen.
Das tendiert aber mittlerweile eher in Richtung Musikantenstadl, als zu Mittelaltermusik, daher kann ich seine Aussage verstehen. Ich würde daher an deiner Stelle nicht für die Besucher der Märkte sprechen
Ach, wieder diese negativen Vibes hier. Was bitteschön kann falsch daran sein, sich in einen Holztrog zu setzen, in dem zuvor schon 80 andere Menschen gebadet haben?
Ich habe nicht mitgezählt, aber bei mir waren es 5-10. Gibt da immer mal wieder auch leckeres Essen und Trinken und den Kids hat es immer gefallen. Gelegentliches Stirnrunzeln blieb nicht aus, aber wenn die darauf Bock haben, wer bin ich das zu verurteilen.
Apropos, wer Bock auf Mittelalteratmosphäre und leckeres, nicht authentisches (weil veganes) Essen haben sollte und zufällig in Stockholm weilt, der sollte dringend Galdrs Krypta dort besuchen.
Dann geh nicht hin. Wo ist das Problem? Das Leute Spaß mit etwas haben, was einem persönlich nicht gefällt. Als ob Schandmaul ihm irgendwas wegnehmen...Peinlich.
Napalm Records haben sich in der Redaktion gemeldet und gefragt: "Hey, es ist ja gar nicht so, dass wir nur generischen Mist machen. Wir haben durchaus auch einige gute und stabile Bands im Programm. Die Villagers of Ioannina City zum Beispiel. Wollt Ihr mit denen bemustert werden?"
Und die Redaktion so: "Nö, lasst mal. Gebt uns bitte den Bullshit, AUSSCHLIESSLICH den Bullshit! Den lieben wir hier sehr. Haben nicht Bülent Ceylan und Schandmaul gerade neue Platten gemacht? Immer her damit!"
Neine Ahnung ob das so ist, aber Napalm hat wirklich sehr viel generischen, verkitschten Kram! Aber du hast recht, die eine oder andere Perle ist oder war mal dabei
Früher hieß es, dass Labels solche generischen Bands auch machen, um im Zweifel den schwierigeren Stoff querzufinanzieren. Und sie verkaufen sich eben wie billig gepanschter Sangria im Bierkönig. Bei Napalm bin ich mir da mittlerweile nicht mehr sicher, denn die Generika gewinnen langsam die Oberhand. Ansonsten würde ich aber anerkennen, dass Bands wie Candlemass, Knife, Katatonia, Nile, Heathen, Monster Magnet oder Exodus schon ein gewisses Standing haben - und auch Respekt verdienen . Eine Zeit lang waren sie auch im Stoner- und Retrorock ganz gut aufgestellt, aber Acts wie Greenleaf, Brant Bjork oder Hällas sind nicht mehr beim Label, wenn ich richtig informiert bin.
@Lama Ich würde neben den von dir Erwähnten noch Tiamat, Moonspell, Evil Invaders, Jinjer, My Sleeping Karma und die überragenden Year of the Goat nennen. Und solange Napalm Bands wie die Villagers auf dem Hero-Banner auf ihrer Website pusht, ist mir auch egal, wenn sie Bands wie Feuerschranz mit dabei haben. Gerade solche kommerziellen Bands sorgen für den Erfolg des Unternehmens und davon profitieren sicher auch alle anderen (hoffe ich zumindest).
Klar, das war ne Auswahl. Mit Nestor und The Night Flight Orchestra haben sie ja auch die aktuell besten AOR-Bands im Stall: Ich habe es mal dezent verschwiegen, um jemanden, der mit "Authentizität" kommt, nicht in einem mehrseitigen Roman erklären zu wollen, warum die subtil-verdichteten und sehr aufwendig ausgearbeiteten Arrangements einer Band wie TNFO nicht mit dem Begriff "generisch" zu verrechnen sind . Dass eine Band wie Jinjer mit ihren hochkomplexen Songs zu einer der wichtigsten Metalcore-Bands Europas aufsteigen konnte, ist auch ein kleines Wunder. Da steckt ja mehr progressiver Death Metal der Opeth/Death-Bauart drin als "Metalcore" im strengeren Sinne. Politisch hat die Band durchaus auch was zu sagen. Apropos YOTG: Das Duo "Year of the Cobra" haben Napalm Records ja auch gemacht. Eine der interessanteren Alternative-Metal-Bands der letzten Jahre.
@Lama & Puschel Nachtrag … Ich vermute, dass kommerzielle Labels wie z. B.Napalm, Nuclear Blast oder Century Media immer die Prämisse haben, möglichst erfolgreiche Bands abzufischen oder eben solche von denen sie sich versprechen, dass sie sehr erfolgreich werden. Wenn solche Label auch unbekanntere Künstler dabei haben könnte es daran liegen, dass sie sich breiter aufstellen wollen und/oder Indie-Labels verbrennen möchten (was ich allerdings an der schieren Veröffentlichungsflut für unmöglich halte). Oder Mitarbeiter genug Einfluss haben, eine von ihnen geliebte Band mit ins Repertoire aufzunehmen. Ist aber nur eine Vermutung. Vielleicht kann hier jemand mehr aus eigener Erfahrung dazu sagen.
@Lama Danke für den Tipp mit Year of the Cobra! Bin gespannt. Kenn ich noch nicht. Und TNFO sind natürlich sehr sympathisch und in ihrer Sparte wie du sagst herausragend.
Also was hat Tonni Henning da geraucht? Allein das Album Cover reicht für einen Stern. Sternensegler, Schandmaul und die Tracklist liest sich wie Unheilig
Wenn ihr noch Bands sucht, die diesen klassischen Mittelalter-Sound immer noch spielen. Aber so ganz klassisch ist das auch nicht, da in vielen Momenten so ziemlich anatolisch inspirierte Momente durchschimmern, das auch nicht unbedingt alles historisch genau ist und generell ein recht anderer Ansatz ist. Der Punk-Spirit steht im Vordergrund. Gibt auch ein zweites Album, das kürzlich erschien.
Ich als notorischer Besserwisser übersehe mal die schwierige Formulierung „klassischer Mittelalter-Sound“, wende aber ein, dass „anatolisch inspiriert“ nicht ganz unproblematisch ist. Die mittelalterliche Musikkultur war ja keineswegs ein isoliertes europäisches Phänomen. Man munkelt sogar, dass sich das Christentum vom östlichen Mittelmeerraum aus ausgebreitet habe. Und wer sich etwa das „Palästinalied“ anhört, bekommt schon eine Ahnung davon, wie wenig unsere heutige Vorstellung von Dur und Moll mit mittelalterlicher Musik zu tun hat: modale Tonräume, dorische Färbung, offene Quinten, oder wie immer man das alles nennt. Das kommt manchem Ohr "orientalisch" vor. Übrigens auch ein schönes Argument gegen unsere Kulturbewahrer von Rechtsaußen: Das, was ihr da trällert und worauf ihr euch so gerne beruft, hat eine ziemlich lange Reise hinter sich.
(PS: Vorheriger Kommentar gelöscht, da ich die falschen Emojs ausgewählt hatte .)
(PPS: DEN Kommentar lösche ich jetzt nicht, auch wenn ich den Weihnachtsmann auch versehentlich eingefügt habe. Ich meinte "höhö", nicht "hoho" . Meine Emoji-Kompetenz ist ungefähr so ausgeprägt wie mein Verständnis von Quantenphysik.)
Diese Mikrotöne, wie sie in der türkischen Musik typisch sind, gab es auch in der europäischen mittelalterlichen Musik, bevor sich im Spätmittelalter die Polyphonie in Europa durchgesetzt hatte. Auch Improvisation war ein wichtiger Bestandteil. Im Grunde sind Vox Vulgaris eher an der ursprünglichen Musik des Mittelalters dran als viele Marktkapellen, die im Grunde reine Partymusik spielen. Nur versehen Vox Vulgaris das Ganze mit einem modernen Twist, in dem sie etwa moderne Instrumente einbinden und die Musik mit einer gewissen Punk-Attitüde spielen.
Hätte vielleicht dazu schreiben müssen, diesen Mittelalter-Sound, wie man ihn heute, bedingt durch diese Marktkapellen Marke frühe Corvus Corax oder Saltatio Morris, wahrnimmt.
Bei Schandmaul-Frontmann Thomas Lindner wurde 2023 ein Karzinom im Rachenraum diagnostiziert. Mittlerweile gilt er glücklicherweise als krebsfrei. Doch die Krankheit hat deutliche Spuren hinterlassen, und Lindner reichte das Mikrofon vor zwei Jahren mit einem lachenden und einem weinenden Auge an Marco …
"Im Vergleich zu anderen Bands im Folk- und Mittelalterbereich hat die Musik noch immer etwas Authentisches und Bodenständiges."
Habe das Album nicht gehört, kann daher keine konkrete Aussage dazu treffen. Aber von Authentizität und Bodenständigkeit, hatte sich die Band eigentlich schon lange verabschiedet. Die Bezeichnung Plastik "Rock/Metal" mit dezent mittelalterlicher Duftnote, hat zu keiner Band besser gepasst
Ich frage mich bei diesen ganzen Authentizität-Diskussionen immer ... Es sollte doch klar sein, dass Schandmaul und die ganzen "Mittelalterrocker" kein authentisches Klangbild von Mittelalter liefern. Diese Rekonstruktionen mittelalterlicher Melodien sind dabei zu sehe aufgehübscht von Fantasy-Fans, um ihre Vision von "Ein Dudelsack war voll das volkstümliche Instrument im Mittelalter" aufrecht zu erhalten. Und das ist okay so. Die ganze Szene baut auf Eskapismus auf und hat manchmal diese romantisch verklärte Art von "damals wurden noch Jungfrauen mit der Minne umworben" dabei. Solang es Spaß macht ... Und den Vorwurf von Plastik kann ich nicht nachvollziehen. Schandmaul, Subway To Sally, In Extremo, Saltatio Mortis und wie sie nicht alle heißen, machen - technisch gesehen - solide Rockmusik. Nix aufregendes, aber auch keinen Hyper-Pop mit viel Autotune und so. Ich mochte Schandmaul früher sehr, aber da war ich 15 und schwer verliebt, da hat sowas wie "Willst du" oder so übel reingeknallt
jetzt finde ich die Kombi aus Dudelsack und Rockmusik und dem doch recht begrenzten Themenpool eher etwas cringe, wie die coolen Kids sagen, aber das ist halt individuell... Würde niemanden verteufeln, nur weil er Schandmaul cool findet. Und "Die letzte Tröte" ist immer noch das stabile "To the Barricades" der Trötenrock-Szene. Was ein Schwall an Worten ..
"Ich frage mich bei diesen ganzen Authentizität-Diskussionen immer ... Es sollte doch klar sein, dass Schandmaul und die ganzen "Mittelalterrocker" kein authentisches Klangbild von Mittelalter liefern."
Das authentisch bezieht sich nicht darauf, dass man eine exakte Nachbildung der Musik des Mittelalters erschafft. Wenn du jedoch ein mittelalterlich anmutendes Konzept verfolgst und es mit Rock kombinierst, das Ganze dann aber so poliert klingt, dass es eher zum ZDF-Fernsehgarten passt, dann folgt man eher dem popkulturellem Zeitgeist, möglichst den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, anstatt sich als ernsthafte Mittelalterrock Band zu präsentieren
„Wenn du jedoch ein mittelalterlich anmutendes Konzept verfolgst und es mit Rock kombinierst, das Ganze dann aber so poliert klingt, dass es eher zum ZDF-Fernsehgarten passt, dann folgt man eher dem popkulturellem Zeitgeist, möglichst den kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, anstatt sich als ernsthafte Mittelalterrock Band zu präsentieren“
Diese Mittelaltermarktmenschen sind größtenteils Freaks (nicht böse gemeint), die sind definitiv mehr alt culture als die Metal-Community. Von wegen kleinster gemeinsamer Nenner…
Schandmaul haben sich von diesen Mittelaltermarktmenschen eigentlich schon längst veabschiedet! Die treten da vielleicht hin und wieder noch auf, aber eigentlich haben die da nichts mehr zu suchen
Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.
Bist du denn auch ein Mittelaltermarktmensch, Puschel?
Bestimmt mindestens so sehr, wie Jimmy ein Eichentyp ist, wenn Wolf ihm und seiner sicher so attraktiven wie willensstarken Frau Bonnie im Namen von Marsellus Wallace ein neues Schlaftzimmer, z.B. in Eiche rustikal, für ihre Umstände sependieren möchte.
Ich hoffe doch, dass wir alle zu gegebener Zeit, gewandet und mit gezogenem Methorn bewaffnet, auf die Mittelaltermärkte und LARPs pilgern!
Süß, wie hier einer Band, die noch nie authentisch war, angekreidet wird, das sie sich von Authentizität und Bodenständigkeit verabschiedet hätte.
An den Gröbenzellern und der Puchheimer Bürgermeisterstochter war unter dem Namen Schandmaul noch nie etwas authentisch und bodenständig.
Sie waren defintiv einmal deutlich "authentischer"
Sie waren schon lange bevor sie als Schandmaul zusammen Musik gemacht haben nicht authentisch und erst recht nicht bodenständig.
Ok, dann weisst du da offenbar mehr als ich, oder interpretiest "authentisch" anders
Sie waren stets so authentisch wie Trinkhörner am Gürtel von Mittelaltermarktvolk.
@Puschel
Ich interpretiere nicht, ich komme dort her und weiß somit.
Das Album hat Platz 2 der Deutschen Album Charts erreicht. Genau das ist der Fokus dieser Band und nicht nach einer authentischen Mittelalterrock Band zu klingen
Halt dein Maul.
Wie ich schon sagte, Beleidigungen sind Gang und Gebe.
Erbärmlich!
Die Band ist nett, Puschel. Sympathisch. Das sind ganz liebe Menschen. Eine frühere Freundin hing mit denen in ihren Anfangszeiten gelegentlich im Proberaum rum. Insofern passt das "bodenständig" zumindest auf einer menschlichen Ebene. Man möchte eigentlich nichts Schlechtes über sie sagen. Die ersten Alben waren tatsächlich ganz schön, die hatten noch diese leichten Liedermacher-Vibes mit angenehmer Stimme und sie klangen etwas subtiler und nicht so dumpf wie viele Mitkonkurrenten. Jetzt klingt eine Ballade wie "Zwei Raben" eben nach LaFee
. Die man ja auch irgendwie mögen will, aber dann macht sie eben diese Musik. Nun gut.
Das mit dem "nicht bodenständig" sein kam nicht von mir. Du hast genau verstanden, was ich sagen wollte. "Die ersten Alben waren tatsächlich ganz schön, die hatten noch diese leichten Liedermacher-Vibes". Genau, das war noch Mittelaltermarktmusik!
Das machen die jetzt nicht mehr. Jetzt klingen die so wie jemand, der den 2. Platz in den Deutschen Albumcharts im Blick hat. Ist das schlimm? Sind das jetzt nicht mehr ganz liebe Menschen. Nein ist nicht schlimm und ganz lieb sind die sicher immer noch. Aber die Mucke ist halt jetzt angepasster Alleweltskram, der den Boden der Mittelaltermärkte längst verlassen hat. Nichts anderes sage ich und das muss man auch sagen können, ohne beleidigt zu werden. Aber ich wundere mich hier schon nicht mehr.
Mit "Liedermacher" meinte ich: Sie hatten eine Folkrock-Note. Und halt schon auch so ein paar Anklänge an Musiker wie Reinhard Mey, als er noch okay war, bis hin zu einer leichten Chanson-Note. Sie klingen eher JETZT nach Mittelaltermarkt: nämlich austauschbar nach allem, was man mit Mittelalter-Eventkultur verbindet. Früher war das Schöne, dass sie eher NICHT so klangen
.
"Sie klingen eher JETZT nach Mittelaltermarkt: nämlich austauschbar nach allem, was man mit Mittelalter-Eventkultur verbindet. Früher war das Schöne, dass sie eher NICHT so klangen
."
Ja, das kann man schon bemängeln, aber für mich wirkt das im Vergleich zu Saltatio Mortis und Konsorten, gerade weil sich die Folk-Rock-Roots noch ein wenig erahnen lassen, doch so ziemlich eigenständiger und ja, auch ein wenig authentischer.
Würde sagen, sie füllen den Bereich sehr solide aus, genauso wie Santiano den Shanty-Schlager-Bereich recht solide ausfüllen. Man kann sich das Ganze zwischendurch schon anhören.
Yo Toni, es sind immer wieder gute Ansätze erkennbar und sie machen das, was sie tun, auch gut. Spätestens in den Refrains ist dann eben der Schlagerteufel drin
. Und den generischen Bratgitarren-Sound braucht es für mein Empfinden auch nicht.
Ich bin eher enttäuscht, weil ich die Band mal mochte und ihren "modernisierten" Sound als viel uninteressanter und generischer empfinde.
Die einzige Band aus dem Dunstkreis, die ich mir heute noch anhören kann, sind Subway to Sally: auch darin begründet, dass sie in ihren frühen Jahren ständig in meiner damaligen Heimatregion spielten. Nachdem ich die Band eine zeitlang gar nicht mehr verfolgt habe, fand ich ihre neueren Alben dann hörenswerter und weniger cringy als erwartet.
Es wäre aber wünschenswert, wenn Ally mehr Einfluss auf das Songwriting nimmt. "Himmelfahrt" war schon sehr gut, aber "Post Mortem" war mir doch zu viel unnötiger Fanservice. "Mitgift" fand ich richtig gut, gerade weil StS auf der Platte eine inhaltliche Vision hatten, die sie auch von vorne bis hinten durchzogen.
Yo, unter den jüngeren Platten war "Post Mortem" deutlich die schwächste. Die erste Hälfte ist noch gut, im zweiten Teil folgt dann viel Entbehrliches und diese komplett ärgerliche und peinliche Kollabo mit dieser Schunkelmetalfaschingscombo Warkings.
"Sie klingen eher JETZT nach Mittelaltermarkt: nämlich austauschbar nach allem, was man mit Mittelalter-Eventkultur verbindet. Früher war das Schöne, dass sie eher NICHT so klangen"
Kann ich nicht ganz folgen. Für mich liest sich das so, als würdest du Mittelaltermarkt musik generell als austauschbar bezeichnen. Bzw. bist der Meinung, dass das heutzutage so ist.
Persönlich vermittelt für mich so etwas wie Narrenkönig eher Mittelaltermusik, als das, was die Band seit einiger Zeit fabrizieren.
https://www.youtube.com/watch?v=qgCUoj_Z-h4
Man kann ja hier leider keine eigenen Videos hochladen. Sonst würde ich ein paar schöne Mitschnitte von Mittelaltermärkten präsentieren können, die zeigen, dass nicht nur die Musik oft austauschbar ist, sondern die Sangesbarden zwischen den Songs gern auch mal exakt dieselben Witze erzählen
. Und das ist ja okay. Es ist eben Familienunterhaltung.
Ich bin zu spät, denn ich war beruflich in sonnigeren Gefilden unterwegs.
Schandmaul haben tatsächlich noch niemals nie „authentische Mittelaltermarktmusik“ gemacht, wobei die ersten Alben etwas mehr Getröte und weniger Gitarren hatten als spätere. Es war aber schon immer Schlagerhölle. Das sage ich als jemand, der die zwischen 15 und 20 wirklich gut fand. Aber da bin ich wirklich rausgewachsen. Halbwegs „authentisch“ in Instrumentierung und Texten sind diese speziell für Mittelaltermärkte geschriebenen Alben von Saltatio Mortis. Authentisch zumindest in dem Sinne, dass das der Prototyp der Mucke ist, die da so läuft. Ansonsten wurden diese Märkte hier schon ausreichend als kommerzielle Vorhölle für Metsaufende LARPfans charakterisiert. Und ich war auf 10+ davon…
"Man kann ja hier leider keine eigenen Videos hochladen. Sonst würde ich ein paar schöne Mitschnitte von Mittelaltermärkten präsentieren können, die zeigen, dass nicht nur die Musik oft austauschbar ist,"
Naja, es ist halt Musik "aus dem Mittelalter" und keine Innovationswerkstatt. Wenn ich auf einen Mittelaltermarkt gehe, dann will ich die Stimmung aus dem Mittelalter nachfühlen. So authentisch wie möglich, auch wenn einiges von der Authentizität eingebildet ist. Aber es gibt auch authentische Fantasy Filme!
Und Schandmaul haben für mich diese Authentizität früher eher vermittelt, als heute. Heute ist die Musik dafür zu glatt poliert und klingt eher fürs Radio und die Charts gemacht, als für einen Mittelaltermarkt.
"sondern die Sangesbarden zwischen den Songs gern auch mal exakt dieselben Witze erzählen
. Und das ist ja okay. Es ist eben Familienunterhaltung."
Ich finde Familienunterhaltung als Bezeichnung wertet es etwas ab. Familienunterhaltung ist Disneyland. Ein Mittelaltermarkt ist da schon etwas anderes.
HDEMDSM
Ein Mittelaltermarkt ist so ziemlich die Definition von Familienunterhaltung. Es ist ein mobiles Disneyland mit anderem Themenschwerpunkt.
"Wenn ich auf einen Mittelaltermarkt gehe, dann will ich die Stimmung aus dem Mittelalter nachfühlen. So authentisch wie möglich, auch wenn einiges von der Authentizität eingebildet ist."
Nichts dort ist in irgendeiner Form authentisch, wirklich gar nichts. Es sind Leute, die Mittelalter spielen. Und das ist schon okay, aber man darf sich da keine Illusionen machen.
"Eine frühere Freundin hing mit denen in ihren Anfangszeiten gelegentlich im Proberaum rum."
Da kam die Freundin aber schon aus recht gutem Hause, wenn man sich herablies sich mit ihr abzugeben.
"Nichts dort ist in irgendeiner Form authentisch, wirklich gar nichts. Es sind Leute, die Mittelalter spielen. Und das ist schon okay, aber man darf sich da keine Illusionen machen."
Genau das und nichts anderes. Völlig okay, wenn man Bock drauf hat, wenn die Stimmung gerade passt, alles gut, nur authentisch Mittelalter ist es halt nicht. Muss es auch nicht sein. Dafür gibt es andere Veranstaltungen, ohne Trallala.
"Ein Mittelaltermarkt ist so ziemlich die Definition von Familienunterhaltung. Es ist ein mobiles Disneyland mit anderem Themenschwerpunkt."
Es gibt keine (mir bekannten) mobilen Disneymärkte, und das hat aucs einen Grund.
Bei einem Mittelaltermarkt werkeln meist begeisterte Fans des Mittelalters, im Rahmen ihres Hobbies, um eine vergangene Epoche möglichst authentisch nachzustellen und erlebbar zu machen. Alleine schon dieser historische Background lässt keinerlei Vergleiche mit Disyneland und hat als Zielgruppe ganz sicher nicht nur irgendwelche random Familien
"Nichts dort ist in irgendeiner Form authentisch, wirklich gar nichts. Es sind Leute, die Mittelalter spielen. Und das ist schon okay, aber man darf sich da keine Illusionen machen."
Wenn du es nicht magst, ist das eine Sache. Aber den Märkten jegliche Authentizität abzusprechen ist, das ist so ein Unsinn, darauf will ich gar nicht eingehen.
Puschelchen, wenn du Mittelaltermärkte für authentisch oder sogar als historisch empfindest, kann man dir wirklich nicht helfen. Das ist eine Fantasie, ein Wunschdenken, eine romantisierte Vorstellung von einem Mittelalter, das in der Wirklichkeit nichts mit dem gemein hat, was auf Mittelaltermärkten gelarpt wird. Hab im Studium viele Historiker*innen, auch mit Fachrichtung Mittelalter/Neuzeit kennen gelernt und niemand von denen hat auch nur ansatzweise die Worte "historisch", "authentisch" und "Mittelaltermärkte" in einem Satz verwendet. Selten so einen Bullshit gelesen.
Ich behaupte einfach nicht, dass diese Märkte pauschal der puren Fantasie entsprungen sind. Es gibt dort solche und solche Leute, manche nehmen es ernsthafter, andere weniger. Und es gibt auch Märkte, die sich tatsächlich der historischen Nachbildung verpflichten, auch wenn diese eher in der Minderheit sind. Letztlich geht es auch um einen mittelalterlichen Vibe und der wird nicht dadurch zerstört, weil man bspw. Epochen miteinander vermischt oder Fantasy Elemente einbaut. Die Wikinger hatten keine Hörner auf dem Helm. Wird der Vibe eines Wikingermarktes dadurch zerstört, weil die Leute Helme mit Hörnern tragen?
"So authentisch wie möglich, auch wenn einiges von der Authentizität eingebildet ist."
äh, was?
"Aber es gibt auch authentische Fantasy Filme!"
äh....was? Bitte erklären.
Einfach gesagt, der Unterschied zwischen sagen wir XENA und Game of Thrones. Das eine ist Kindergeburtstag, das andere nimmt den Stoff ernst
Hab kurz drüber nachgedacht und hab's begriffen. @Puschel Du willst sagen dass Menschen sog. Authenzität unterschiedlich auslegen oder sie sich gar einbilden wo si faktisch nicht da ist. Sie ist also eher ein subjektives Empfinden. Willst du das sagen?
Wenn ja, dann haben wir ja endlich die lang ersehnte Antwort auf deinen hundertdrölfzigsten "[Produkt] ist mir nicht authentisch genug, das ärgert mich"-Take gefunden.
"Das eine ist Kindergeburtstag, das andere nimmt den Stoff ernst"
Ist - im Wesentlichen - ein Unterschied des Tons und des Budgets. Das eine war ne billige Comedy, das andere ist ein hochbudgetiertes Drama. Comedy ist aber nicht "authentischer" als Drama, und vice versa.
Xena > Game of Thrones
Und ich sterbe auf diesem Hügel.
Xena ist eine hochgradig progressive Serie mit gut geschriebenen Charakteren, die extrem weit über ihrem Budget unterwegs ist, während GoT aufgrund der letzten beiden Staffeln einfach eine schlechte Serie ist.
Ich sehe keinen Grund, beide Serien gegeneinander auszuspielen. Waren/sind beides gutes Entertainment für ihre respektiven Ansprüche, etwaige problematische letzte Staffeln mal ausgeklammert.
"Hab kurz drüber nachgedacht und hab's begriffen. @Puschel Du willst sagen dass Menschen sog. Authenzität unterschiedlich auslegen oder sie sich gar einbilden wo si faktisch nicht da ist. Sie ist also eher ein subjektives Empfinden. Willst du das sagen?"
Alles ist immer subjektiv! Ich bin aber auch immer der Meinung, dass es eine gewisse Ebene gibt, die man auch objektiv betrachten und beurteilen kann. Sonst wären diese Reviews hier, zumindest die Wertungen, auf dieser Seite ja Unsinn, wenn das alles immer zu 100 % subjektiv wäre.
"Wenn ja, dann haben wir ja endlich die lang ersehnte Antwort auf deinen hundertdrölfzigsten "[Produkt] ist mir nicht authentisch genug, das ärgert mich"-Take gefunden."
Glaube ich ehrlich gesagt nicht.
"Glaube ich ehrlich gesagt nicht."
Aaah, sweet denial. Ich kann's verstehen, ich glaube auch seit einiger Zeit, dass meine Waage falsch geht
Trotzdem isses vielleicht mal an der Zeit, sich neue edgy takes auszudenken? Ragismn kann dir da sicherlich behilflich sein.
"Ist - im Wesentlichen - ein Unterschied des Tons und des Budgets. Das eine war ne billige Comedy, das andere ist ein hochbudgetiertes Drama. Comedy ist aber nicht "authentischer" als Drama, und vice versa."
OK, wenn du das als Comedy sieht. So schlimm hätte ich das jetzt nicht beurteilt. Klar muss Comedy nicht weniger authentisch sein. Ich fand XENA persönlich jedoch nicht als Comedy, sondern einfach maximal casual und billig gemacht. Das war alles so mega seicht und austauschbar, dass es halt eher eine breite Sonntagnachmittag-Zielgruppe im Visier hatte. So ähnlich wie die letzten Schandmaul Alben.
"während GoT aufgrund der letzten beiden Staffeln einfach eine schlechte Serie ist."
Ich stimme dir bzgl. der letzten beiden Staffeln zwar zu, zumindest plotmäßig, aber bzgl. XENA habe ich eine andere Meinung. Das ist einfach nur maximal casual!
"Ich sehe keinen Grund, beide Serien gegeneinander auszuspielen. Waren/sind beides gutes Entertainment für ihre respektiven Ansprüche, etwaige problematische letzte Staffeln mal ausgeklammert"
Kann jeder schauen was er will. Wenn man den Stoff aber einigermaßen ernst nimmt, kann man nicht XENA normalerweise nix anfangen. Weil es zu casual ist und zu billig wirkt (obwohl das Budget wahrscheinlich nicht niedrig war).
"Wenn man den Stoff aber einigermaßen ernst nimmt"
Welchen Stoff, die jeweilige Serie? Dann ist einem in beiden Fällen nicht mehr zu helfen.
Ich glaube manchmal, dass Puschel manch anderen Stoff mal zu ernst genommen hat. Oder vom Stoff zu erst genommen wurde. Heilige Mutter der Drachen ...
Dass ihr nicht nachvollziehen könnt, dass solcher Stoff (das Mittelalter ansich), für einen wichtig sein kann und daher ernst genommen wird, ist jetzt keine Überraschung für mich. Es wäre auch keine Überraschung, wenn ihr das ins Lächerliche zieht, was anderes bin ich hier im Forum, von vielen von euch auch nicht gewohnt. Deshalb sollte man hier eigentlich auch lieber auch keine persönlichen Aussagen kundtun.
Was hat jetzt das Mittelalter (ich lass das mal so pauschal) mit Xena und GoT zu tun?
Haben am gleichen Tag Geburtsag, nehme ich an
Ich hab nie gesagt, ich würde keine Mittelaltermärkte mögen. Und da arbeiten keine Fans, sondern Leute, deren Beruf Schausteller ist. Die unterscheiden sich vom Reibekuchenmann auf dem Volksfest um die Ecke hauptsächlich durch Outfit, Verkleidung der Bude und Speiseangebot. Dass das eine für dich, Puschel, als kommerzieller Quatsch und das andere als authentisches Historienevent gilt, ist ein Marketingerfolg. Auch das ist nicht schlimm und kein Vorwurf
"Und da arbeiten keine Fans, sondern Leute, deren Beruf Schausteller ist."
Es mag so Märkte geben. Meine Erfahrung ist eher, dass sich auf diesen Märkten allerlei unterschiedliche Leute tummeln. Die einen haben eher den kommerziellen Blick im Fokus, für andere ist es ihr Hobby. Dass die Marketingleute bei vielen in der Bevölkerung scheinbar den Eindruck erwecken, dass das Ganze nur kommerzieller Quatsch sei, ohne jeden historischen Background, ist traurig. Für mich verbinden diese Märkte beides. Zumal es auch Mittelaltermärkte gibt, die sich tatsächlich in erster Linie der historischen Abbildung verpflichtet habe. So genannte Reenactment-Märkte.
Um mal die Kurve zu kriegen: wann haben Schandmaul oder irgendwer sonst aus diesem Genre denn jemals auf einem Reenacment-Event gespielt? Dazwischen liegen Welten. Der populärkulturelle Mittelaltermarkt, um den es hier nur gehen kann, ist eben Schaustellertum. Und wie gesagt, das ist gut so, nur macht eine Diskussion um Authentizität da überhaupt keinen Sinn.
Die Frage ist nicht, wann hat die Band auf welchen Märkten gespielt, sondern ob ihre Musik für derartige Mittelaltermärke geeignet ist. Und das war früher deutlich eher der Fall. Dass die Band auch früher nicht besonders authentisch war, ist mir durchaus bewusst. Aber wie du ja schon selbst geschrieben hast, ist das bei den heutigen Mittelaltermärkten auch garnicht zwingend erforderlich. Aber das was die Band seit einigen Jahren spielt, das hat auf diesen Märkten garnichts mehr zu suchen.
Boah, Mittelaltermärkte und Reenactment in einen Topf zu schmeißen ist so hirnverbrannt, dass es weh tut.
@Puschel
Wie soll Dich irgendjemand ernst nehmen, wenn Du jedes mal, wenn Dir argumentativ entgegengetreten wird, den Dummen spielst?
Es nimmt Dir niemand ab, dass Du beides nicht unterscheiden kannst und nein, es gibt da auch keine Überschneidungen. Warum führst Du eine Diskussion, wie so oft ad absurdum, und das ausgerechnet immer dann, wenn versucht wird sie sachlich zu führen und auf Dich einzugehen?
"sondern ob ihre Musik für derartige Mittelaltermärke geeignet ist. Und das war früher deutlich eher der Fall."
Da besteht doch keine ernsthafte Frage.
Für Mittelaltermärkte natürlich, für Reenactments definitiv nicht.
Was sollen solche absurden Fragestellungen?
Nur du hast das jetzt in einen Topf geworfen.
Generell nehme ich jede Kritik von dir, als Lob und Bestätigung meiner Aussagen wahr.
Ja, das macht bei Theo definitiv Sinn. Einer der überflüssigsten User hier seit Ionen.
"Boah, Mittelaltermärkte und Reenactment in einen Topf zu schmeißen ist so hirnverbrannt, dass es weh tut."
Würde ich jetzt gar nicht mal so sagen. Bin von beidem kein profunder Kenner, aber beim letzten Mittelaltermarkt, den ich hier in der Gegend besucht habe (am Schloss Broich in Mülheim a.d. Ruhr) war das bunt gemischt. Da gab es den üblichen Markt mit den Schaustellern, Händlern, Geschichtenerzählern und der Turniertruppe und es gab einen Bereich mit Reenactors, die da an ihren Feuern sitzen, Suppe kochen, ihrem Handwerk nachgehen und einfach nur fürs Flair sorgen.
Habe ich auch schon auf anderen Märkten so gesehen...
Da haben auch irgendwelche Mittelaltermarkt-Bands gespielt, aber - soweit ich mitbekommen habe - nur ohne "Rock"-Einschlag
@Archivicious
Das hat dann aber mit Reenactment nichts zu tun.
Kann gut sein, dass da ein paar Leute nicht völlig im Fantasy Bereich unterwegs waren, aber Reenactment ist das konkrete Nachstellen, so nah wie irgend möglich an der geschichtlichen Realität.
Da ist dann das Schloss schon die falsche Lokalität und erst recht in Kombination mit dem Mittelaltermarkt.
Das ist auch alles nicht schlimm und hat völlig seine Daseinsberechtigung, nur sollte man es eben nicht mit Authentizität verwechseln.
@Capsi
Hat's nicht gereicht, dass Du Dich heute mit deinem Uhrenspruch mal wieder öffentlich zum Deppen gemacht hast? Bleib bei Deiner Inselbegabung, spiel mit KI, das kannst Du. Alles andere liegt Dir einfach nicht.
@Puschel
Genau dieses den Kasper spielen meinte ich. Was soll das?
Theo scheint sich sehr mit solchen Reenactments auszukennen, woher das wohl kommt?
Zumindest kennt er sich wesentlich besser aus als mit Idiomen:
https://en.wiktionary.org/wiki/even_a_brok…
Stellen wir uns den "authentischen" Mittelaltermarkt doch einmal vor. Ich habe hierfür extra einen Zeitreisenden befragt
. Ich glaube der hieß Ernst Schubert: "Alltag im Mittelalter".
Eine moderne Kanalisation gab es nicht. Das heißt: Es roch schon eher unangenehm. Wir finden viel Stroh und Heu. Und Schlamm, wenn es nicht längere Zeit trocken gewesen ist. Und Tiermist. Warum? Der Zeitreisende hat mir zeitgenössische Darstellungen gezeigt. Was sehen wir da? Tiere, viele Tiere. Die wurden dort nämlich gehandelt und haben Waren, haha, quasi vor Ort produziert. Pferde, Ochsen, Schweine, Ziegen, Hühner, Schafe, Hunde. Folglich auch Tierexkremente. Der Boden war feucht. Es roch nach Urin. Auch menschliche Notdurft wurde oft mangels Kanalisation in einfachen Gruben oder Kübeln gesammelt.
Da es keine Schornsteine an den Zelten gab, sondern offene Lagerfeuer, würde der Markt permanent in einer dichten Rauchwolke hängen. Die Augen würden brennen und die Kleidung sofort nach kaltem Rauch riechen.
Die Menschen hatten Zahnlücken und verfärbte Zähne. Zahnersatz, wie wir ihn heute kennen, gab es ja nicht. Und es war sehr laut. Menschen feilschten. Kinder schrien. Da konnten Kleinkinder auf dem Boden herumkrabbeln, vielleicht von einem Holzgitter gesichert. Vielleicht auch nicht.
Und man sah Menschen mit Abszessen. Es gab schließlich keine Antibiotika. Schon eine vergleichsweise kleine Wunde konnte sich zu einer ernsthaften Infektion entwickeln. Wenn sich Eiter unter der Haut sammelte, konnte man nicht einfach eine Tablette nehmen. Wir sehen Fehlstellungen, Missbildungen und verkürzte Gliedmaßen.
Und Fliegen, viele Fliegen. Es gab den kleinen Nachteil, dass man keine Kühlschränke besaß, um Fleisch und Speisen über längere Zeiträume zu kühlen. Fleisch kam nicht aus einer hygienisch abgeschotteten Kühltheke. Auf Märkten und bei Metzgern konnte man geschlachtete Tiere, tote Tierkörper, Blut, Häute, Innereien und Schlachtabfälle sehen. Es wurde auch direkt vor Ort geschlachtet.
Kinderarbeit! Also nicht jetzt im Sinne von: am Fließband. Aber Kinder, die selbstverständlich bei ihren Eltern oder Meistern mitarbeiteten: tragen, verkaufen, Tiere versorgen, Botengänge erledigen, handwerkliche Tätigkeiten lernen. Kinder würden überall sein. Sie würden herumrennen, helfen, betteln, Tiere ärgern, Sachen anfassen, Geschwister beaufsichtigen und im Dreck spielen. Ein Begriff von Kindheit, so wie wir ihn heute kennen, gab es damals nicht.
Verheiratete Frauen trugen ausnahmslos ihre Haare bedeckt (Gebende oder Wimpel). Männer trugen eine Bundhaube. Barhäuptig oder mit offenen, langen Haaren herumzulaufen, war unüblich.
"Mittelalterliche Kleidung" mit Reißverschluss? Hahaha! Bratkartoffeln? Hahaha! Knobibrot? Nee, Hirsebrei
.
Ich bevorzuge ehrlich gesagt die "unauthentische" Variante. Allerdings ist mir ein authentischer Mittelaltermarkt auch noch nicht untergekommen.
Nicht zu vergessen, die ganzen Mäuse und Ratten.
Wurden damals eigentlich schon Katzen gehalten? Wie haben die das gehandelt?
"Ich bevorzuge ehrlich gesagt die "unauthentische" Variante. Allerdings ist mir ein authentischer Mittelaltermarkt auch noch nicht untergekommen."
Ich bevorzuge solche Märkte, die sich so weit es möglich ist und den Komfort nicht zu sehr einschränkt, an einer authentischen Nachbilung eines Mittelaltermarktes versuchen. Am Ende geht es darum den Vibe authentisch zu vermitteln und da muss ich nicht unhygienisches Fleisch essen, damit ich damit glücklich bin. Die eigentliche Faszination des Mittelalters, spiegelt sich für mich ohnehin in anderen Dingen wieder.
Ach Capsi, warum verwendest Du das Idiom für Dummköpfe?*
Es gibt doch auch die intelligente Variante:
https://en.wiktionary.org/wiki/a_stopped_c…
*Okay, die Frage war rhetorisch.
@Lama
Respekt für die Mühe, die Du dir machst, aber wie Du siehst, völlig sinnlos, denn...
2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt
und Drei macht Neune !!
Puschel macht sich die Welt
Widdewidde wie sie ihm gefällt ....
Puschel, dieser „Vibe“ war für die Menschen im Zweifel ein täglicher Überlebenskampf
! Ich folge Dir ja insoweit, dass solche heutigen Märkte es im Idealfall schaffen können, dass sich Menschen vertiefend mit dieser Zeit beschäftigen. Und so ein Schmied auf dem Mittelaltermarkt, der handgefertigt nach alten Darstellungen und Bauplänen ein Hufeisen fertigt, kann zum Beispiel eine ungefähre Ahnung davon vermitteln, wie anspruchsvoll und faszinierend altes Handwerk gewesen ist.
Nur: Für den Menschen war das keine fremde, faszinierende Welt, in die man für ein Wochenende eintauchte. Das war sein Alltag. Und dieser Alltag war beschwerlich. Vom Gelingen der Arbeit konnte im Zweifel abhängen, ob am Ende etwas auf dem Tisch stand.
Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.
„Ach Capsi, warum verwendest Du das Idiom für Dummköpfe?“
Das habe ich aus einem Workshop für adressatengerechte Kommunikation.
Lama: "Puschel, dieser „Vibe“ war für die Menschen im Zweifel ein täglicher Überlebenskampf
!"
Klar, das würde ich auch niemals bezweifeln!
"Ich folge Dir ja insoweit, dass solche heutigen Märkte es im Idealfall schaffen können, dass sich Menschen vertiefend mit dieser Zeit beschäftigen. Und so ein Schmied auf dem Mittelaltermarkt, der handgefertigt nach alten Darstellungen und Bauplänen ein Hufeisen fertigt, kann zum Beispiel eine ungefähre Ahnung davon vermitteln, wie anspruchsvoll und faszinierend altes Handwerk gewesen ist."
Ja, z.B.
"Nur: Für den Menschen war das keine fremde, faszinierende Welt, in die man für ein Wochenende eintauchte. Das war sein Alltag. Und dieser Alltag war beschwerlich. Vom Gelingen der Arbeit konnte im Zweifel abhängen, ob am Ende etwas auf dem Tisch stand."
Nun, ich finde das Mittelalter schon faszinierend, trotz der ganzen Beschwerlichkeit, die diese Zeit mit sich gebracht hat. Ich finde das ist kein Widerspruch. Etwas kann beschwerlich sein und trotzdem in gewisser Weise faszinierend. Spinnen sind eklig und angsteinflößend, und trotzdem irgendwie tolle, teils sogar schöne, faszinierende Tiere. Faszination hat kein Alleinstellungsmerkmal auf angenehm empfundene Emotionen.
Ich will dir nur mal ein Beispiel kennen, vielleicht empfindest du das ja auch anders.
Das Mittelalter war eine Zeit, in der Menschen noch nicht in der Weise aufgeklärt waren, wie wir es sind. Häufig kannten die Menschen nur ihren Ort, ihr Land und das wars. Die Meisten wussten nicht, was sich hinter dem großen See befindet. Sie glaubten an Geister, an Rituale, an Bräuche, an Flüche, an alles Übernatürliche, an Hokuspokus. An Wanderer, die ihnen sonderbare Geschichten, aus angeblichen fern liegenden Ländern erzählten.
Wie muss es gewesen sein in dieser Zeit gelebt zu haben, in der das alles keine GoT Fantasien im TV waren, sondern die Menschen wirklich daran gelaugt haben oder es zumindest nicht sicher leugnen konnten? Das Mittelalter war diesbzgl. eine sehr intensive Zeit und das nachzufühlen, macht diese Zeit, aber auch Filme die sich daran anlehnen, für mich sehr intensiv. Sofern man sich eben um einen möglichst authentischen Vibe bemüht.
Von einem Mittelaltermarkt habe ich mal gehört, welches eher wie in Zirkus geführt wurde, die also ständig gemeinsam reisten. Dass diese sich nach dem offiziellen Markt am Abend zusammensetzen, ums Lagerfeuer herum, und gemeinsam Lieder aus dieser Zeit singen. So etwas zu erleben stelle ich mir als etwas sehr besonders und intensives vor. Natürlich liebe ich auch die Ästhetik des Mittelalter.
Das ist ein Punkt den ich sehr faszinierend finde, mich da einzufühlen, auch wenn das nicht unbedingt immer positiv war. Mich in eine Zeit einzufühlen, in der man tatsächlich an Drachen und Hexen glaubte. Heute ist das Entertainment für uns, damals war das real gelebte Fantasie, die man nicht sicher aufklären konnte.
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Ein annähernd authentisches Bild hat "Kingdom Come: Deliverance" für mich vermittelt, auch wenn das noch zu romantisiert ist. Vermittelt aber gut, wie erschwerlich und düster diese Zeit gewesen sein muss. Man sieht beispielsweise, wie man ganze Dörfer niedergebrannt und geplündert hat. Mit Lagerfeuer und Gemeinsamkeit hat das nur wenig zu tun.
"Mit Lagerfeuer und Gemeinsamkeit hat das nur wenig zu tun."
Genau, die sassen im Mittelalter natürlich nie am Lagerfeuer und haben Lieder gesungen. Jetzt wo du es sagst, wie konnte ich das nur vermuten
Das bestreitet doch auch keiner, Puschel. Also zumindest ich nicht
. Ich finde das auch eine faszinierende Zeit, habe mich während des Studiums auch eine Zeit lang mit Mediävistik beschäftigt.
Wir wissen über die damalige Musik nicht so viel. Vieles, was die "Mittelalterbands" auch ohne Stromgitarre darbieten, stammt eher aus der höfischen und klerikalen Musiktradition und wurde von den heutigen Bands quasi verdudelsackifiziert.
Und natürlich gibt es sehr seriöse Versuche, die Musik von damals erlebbar zu machen. Aus der Carmina Burana lassen sich 30 Songs über Parallelüberlieferungen ungefähr in ihrer Melodie rekonstruieren, weil sie über sogenannte adiastematische Neumen überliefert wurden. Was man da nicht erfährt: genauer Rhythmus und Instrumentierung, in welcher Tonart sie standen, ob sie ein- oder mehrstimmig vorgetragen wurden etc. Und was wir vor allem NICHT WISSEN: Wie die Stimmen klangen. Selbst die historischen Rekonstruktionen der alten Ensembles sind so kunstvoll gesungen, dass ich zweifel. Das ist die Kunstlied-Tradition, geschult an der Rezeption der Volksmusik in der Zeit der Romantik. Sie haben eine eigene Tradition begründet, der dann andere Ensembles folgen.
Es lassen sich aber immerhin Instrumente und Spielweisen über archäologische Funde, Beschreibungen in Texten und Abbildungen ganzer Ensembles auf zeitgenössischen Darstellungen rekonstruieren. Wir können uns dem annähern.
Beides hat irgendwie seine Berechtigung: der Versuch der Rekonstruktion und die Übersetzung in zeitgenössische Musik, die sich auch moderner Ausdruckstechniken bedient.
Für mich klang das schon so, dass man (ich meine jetzt generell hier) meine Faszination nicht ganz nachvollziehen kann, weil diese Märkte nicht zu 100% authentisch sind und weil diese Zeit natürlich auch recht dunkel und grausam gewesen sein soll. Was ja auch nicht nur so war, es gab auch sehr viel positives für diese Menschen. Ich meine gelesen zu haben, dass man da auch wieder etwas zurückgerudert ist, dort vieles vor allem als dunkel und grausam darstellen.
Man liest aber heraus, dass du da wesentlich mehr Ahnung davon hast, als ich. Natürlich lasse ich mich dann von irgendwelchen Märkten eher täuschen, als es bei dir der Fall wäre. Man kann auch sagen, ich werde es wohl leichter haben mich von diesen Märkten faszinieren zu lassen, als es bei dir der Fall ist. Weil du natürlich genau siehst, was dort eher dem reinen Entertaining und zu Komfortzwecken dient.
Und auch wenn wir noch viel von der Musik wissen, so wissen wir doch, welche Musikinstrumente gebraucht wurde und wie es etwas geklungen haben mag. Ich denke man kann sich sehr gut vorstellen, wie das im Mittelalter geklungen haben mag. Und ich denke auch, dass man ein Gefühl dafür entwickeln kann, was authentisch klingt und wirkt, und was weniger. Auch wenn das nicht immer zu 100% stimmen mag.
"Und ich denke auch, dass man ein Gefühl dafür entwickeln kann, was authentisch klingt und wirkt, und was weniger"
Ojeojeoje. Es lebe das Bauchgefühl, right? Wer braucht schon Fakten.
Ich persönlich habe kaum einen Schimmer, wie Dinge im Mittelalter geklungen haben mögen, daraus folgt freilich, dass ich nicht im geringsten einschätzen kann, was authentisch ist und was nicht.
Ja, weil du dich offensichtlich ne damit beschäftigt hast. Spreche das bitte nicht auch anderen Menschen ab, die sich seit eh und je dafür interessiert haben
Fair. Trotzdem: selbst ne ungefähre Kenntnis ( und mehr ist mangels empirischer Belege bzgl der klanglichen Natur mittelalterlicher Musik nicht drin) langt noch lange nicht um irgendeinen Anspruch der Authentizität zu rechtfertigen.
Auf keinem mir bekannten Mittelaltermarkt gibt es ernsthaftes Reenactment, da sich Reenactor inzwischen zu Schade sind, für irgendwelche kommerziellen Anbieter für allenfalls eine kleine Aufwandsentschädigung ein wenig Ambiente zu machen, und sich drei Tage lang das dumme Geschwätz irgendwelcher Temu-Wikinger mit Kassengestell, Sneakern und Schaffell auf dem Buckel anzuhören.
Wirklich gutes Reenactment, bzw. Living History geht inzwischen oftmals in Richtung experimentelle Archäologie, bei der nicht nur versucht wird Kleidung, Bewaffnung und Ausrüstung möglichst korrekt nachzubilden, sondern auch einen Teil der Lebensumstände, wie zB das Erlernen alter Handwerkstechniken, überlieferter Kochrezepte usw. Solche Veranstaltungen finden dann auch eher in Freilichtmuseen oder anderen historisch gut erhaltenen Anlagen statt, und ziehen idR ein komplett anderes Publikum an, als das druchschnittliche Marktvolk.
Wie gesagt, es gibt kommerzielle Mittelaltermärkte und es gibt Reenactment Märkte. Diese sind erstmal klar voneinander zu unterscheiden. Dass normale Mittelaltermärkte aber ausschließlich von kommerziellen Werbeveranstaltern etc. veranstaltet werden, das ist zumindest nicht meine Erfahrung. I.d.R. ist das nicht schwarz/weiss zu sehen, auf den normalen Märkten tummeln sich ebenso Mittelalter Vereine, Lagergruppen, Händler und Handwerker präsentieren historische Waren und Techniken. Die mischen sich quasi dazwischen. Das fällt von Markt zu Markt unterschiedlich aus.
„ I.d.R. ist das nicht schwarz/weiss zu sehen, auf den normalen Märkten tummeln sich ebenso Mittelalter Vereine, Lagergruppen, Händler und Handwerker präsentieren historische Waren und Techniken.“
Du sprichst war, Puschel.
Ich kenne Leute die an LARPs teilnehmen, Mittelaltermucke aber überhaupt nicht hören.
"Wie gesagt, es gibt kommerzielle Mittelaltermärkte und es gibt Reenactment Märkte."
Dann nenn doch mal konkret ein paar dieser Reenactment Märkte. (mit Links bitte)
"Mittelalter Vereine"
Du meinst diese Ganzjahreskarnevalspseudomittelaltervereine?
Nenn da doch auch bitte ein paar ganz konkret.
Ansonsten natürlich das was Horst sagt.
Google kannst du auch selbst bedienen. Traue ich selbst dir zu
Tja, es ist wohl müßig zu diskutieren, wo "ernsthaftes" Reenactment anfängt, das muss schon jeder für sich selbst beantworten.
Nach meiner Erfahrung mischt sich das schon mit der Hobbyfraktion, als du es wahrnimmst.
Sei es auf Mittelmärkten als Fluff (mal mehr, häufig weniger), in den von dir angesprochenen Freilichtmuseen (ich war mal im Urlaub im Steinzeitdorf Dithmarschen, als da für eine Woche Reenactoren in Lumpen in den Unterkünften gehaust haben - aber zeitgleich eine Hobby-Keltengruppe dort logierte, die Slush-Eis verkauft hat (nicht ausschließlich natürlich... aber auch) oder im APX beim Limesfest. Da gab es auch hochprofessionelle Legionäre (je professioneller, desto wahrscheinlicher kommen sie aus England), bei denen alle Befehle und die Marschlieder auf Latein erfolgten) und Hobbyisten-Einheiten mit zusammengewürfelter Ausrüstung und Klamotten etc.; dazu Handwerker, die nach überlieferten Methoden Terra Sigilata-Geschirr herstellten neben kostümierten Verkäufern von echt römischem Flammkuchen...
Aber reine Hardcore-Reenactment-Veranstaltungen kenne ich natürlich gar nicht, da wird es sicherlich genug geben, wo die Profis unter sich bleiben wollen.
Ich denke, es gibt für beides eine Berechtigung.
"Google kannst du auch selbst bedienen. Traue ich selbst dir zu"
Warum musst du jetzt beleidigend werden, wenn ich sachlich nach konkreten Beispielen frage?
Ich und die meisten anderen hier können natürlich Google oder sonstige Suchmaschinen bedienen, nur hilft uns das nicht um herauszufinden welche Märkte und welche Gruppen DU meinst. Vielleicht versteht man dann ja besser, was Du unter "authentisch" oder "Reenactment" verstehst.
Warum wirst Du jedes mal, wenn es konkret wird ausfallen oder zum Kasper?
Also noch mal, ganz sachlich gefragt, von welchen konkreten Reenactment Märkten und "Mittelalter Vereinen" sprichst Du?
Schön wäre mit Links.
"aber zeitgleich eine Hobby-Keltengruppe dort logierte, die Slush-Eis verkauft hat"
Für mich bedeutet Hobby-Narr nicht gleich, dass die nur Entertainment Quatsch verzapfen. Hier gibt es auch Abstufungen. Wichtig ist (zumindest mir) nicht, dass es jetzt zu 100 % akkurat ist oder nicht, ob es dem Reenactment Status entspricht, oder nicht, sondern das man sich darum bemüht, möglichst "authentisch" zu bleiben. Und da gibt es ein ganzen Sammelsurium davon auf den normalen Märkten, von REWE Ständen, die Maggi Suppen verkaufen, bis Hobby Freaks, die sich mit viel Mühe darum bemühen, einen überzeugenden, authentischen Vibe zu vermitteln. Für mich ist das wie gesagt nicht schwarz/weiss. Ich sehe auf den normalen Märkten beides. Es gibt auch einen Markt den ich als REWE Mittelaltermarkt bezeichnen würde, der ist ein Witz. Abe die Meisten die ich kenne sind eher so ein Sammelsurium.
Theory: "Warum musst du jetzt beleidigend werden, wenn ich sachlich nach konkreten Beispielen frage?"
Naja, beleidigend. Mir wäre es einfach lieber, du lässt mich in Ruhe. Du hast schon lange jeglichen Respekt bei mir verspielt und ich habe keinen Bock mich mit jemandem wie dir zu unterhalten.
Kann ich schon verstehen, es ist aber auch wirklich gemein von mir, Diskussionen sachlich und mit echten Argumenten (und nachprüfbaren Fakten) führen zu wollen und dann auch noch nach konkreten Beispielen zu fragen, anstatt einfach Deinen gefühlten Wahrheiten beizupflichten.
Puschel braucht definitiv mehr Echokammer, um seines mentalen Zustandes willen.
Der Bandname alleine reicht schon für Null Sterne.
Robert Eggers über seinen neuen Film WERWULF - und Robert Eggers ist DER GOAT!
"He says he chose to set ‘WERWULF’ in 1300s England instead of the modern day because he wanted a period when werewolves were widely believed to be real.
“Superstitions in this period don’t exist, magic doesn’t exist, it is. All this is [real to them].”
Nur falls jemand gedacht hat, dass ich da oben wieder Blödsinn erzählt hätte, mir da irgendwas zusammenspinne.
Musik für richtig unangenehme Menschen. Bei okayem Hip-Hop kann ich den Vibe zumindest spüren - bei so debil-sentimentalem Goth-Mittelalter-Finstergegniedel aus dem Katalog spüre ich dermaßen tiefe Verachtung für alle Beteiligten, dass ich den dunkelsten Seiten in mir begegne...
Und das hat am Ende vielleicht auch was für sich. Wozu ist Musik sonst da, als um Verbindung zu unerforschten Gefühlen herzustellen?
3/5
Wieso muss ich gerade an so Palpatine Lines wie "Erforsche deine Gefühle, junger Padawan" denken?
Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.
Ragi, ich empfehle Box Breathing.
Ein Spaziergang im Park ist auch ein schöner Ausgleich für meinen Hasslevel ♥
Ich verstehe, was du meinst. Ich muss bei dieser Musik immer an diese Metal-Shirt-tragenden Klugscheißer denken, die antiproportional zu der Musik die sie hören noch nie in ihrem Leben rebellisch waren und irgendwas mit IT arbeiten. Die, wo die alten Leute immer sagen: "Er trägt zwar ein T-Shirt mit Pentagramm, aber das ist der netteste Junge."
Und die können nicht mit Abweisung umgehen und wenn, entpuppen die sich häufig als beziehungsunfähige Sexisten, die Lovebombing beherrschen, aber aufgrund dessen, dass sie in der Schule nie von Frauen beachtet wurden und von keinem Typen als cool wahrgenommen wurden eine tiefe, unbehandelte narzisstische Wunde in sich tragen.
Doch das allerschlimmste ist, dass sie auf Partys solche Musik anmachen wollen und vorschlagen, irgendein dreistündiges Brettspiel zu zocken. Oder irgendein todesbeschissenes Kartenspiel.
Um noch weiter in der Klischeekiste zu buddeln: Die Mädels aus dieser Szene haben natürlich riesige Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl, und daten dann ganz im Stil von "the devil you know" eben jene Narzissten - Beachtung wäre zu gefährlich. Dann lieber die eigene Identität verbuddeln, und alles vom Verehrtesten absorbieren. Also wird bis zur erlösenden Selbstvergessenheit jedes todesbeschissene Kartenspiel gespielt, und jede endblöde Fakeband live gesehen.
Wenn es denn wenigstens ein nerdiges Pen & Paper-Rollenspiel im Das Schwarze Auge-Universum wäre.
Wollte ich immer spielen, aber das Pen'n'Paper Zeugs kostet massenweise Zeit. Ja ich weiss, weniger dummes Zeugs bei laut.de schreiben, dann klappt das auch
Hier tun sich Abgründe auf
Man nennt es auch den Ragiannengraben. Ein klarer Copyright-Fall für die WieselEntertainmentGmbH. Fall ist gemeldet. Dieses Wiesel soll harte Anwälte haben, hab' ich gehört...
Jop, die Unterlassungsklagen die permanent aus der Schwingo AG gegen kommentarspaltliche Wieselkeiten rübergesegelt kamen wurden bislang erfolgreich abgewehrt.
Ragiannengraben ist, glaub ich, der erste gute Take, den ich von dir hier gelesen hab.
Oah, vielen Dank
Auch eine kaputte Uhr geht zwei mal am Tag richtig…
Das kommt darauf an, ob jemand gerade drauf schaut und ob er die Uhr lesen kann bzw. auch, inwiefern er "Uhrzeit" definiert bzw. was seine subjektive Einstellung dazu ist
"Auch eine kaputte Uhr geht zwei mal am Tag richtig…"
Selten dummer, weil so pauschal formuliert einfach falscher Spruch.
Eine Clownsuhr, oder so eine mit Katzenaugen und einer heraushängenden Zunge, ist grundsätzlich richtig beim Betrachten. Völlig egal, wo die Zeiger gerade stehen
Außer die Akkus sind gerade leer, dann kann es nämlich spätestsns beim 3. Mal Betrachten schon 1 gewaltigen Unterschied machen, in welcher Position Augenlider und Mundwinkel der Clownsuhr hängen geblieben sind UND dass sie bei jedem weiteren Betrachten noch immer in genau derselben Position befinden wie beim letzten drauf schauen, bis die Akkus wieder aufgeladen wurden!
If you're five-five-five, then I'm six-six-six;
What's it like to be a heretic?
Ganz schlimm.
Was für ein Gejammer...und ich meine den Rest der Kommentarspalten-Akrobaten hier. Das ist eine solide Scheibe für Fans. Da darf man sich gerne mal zurückhalten, wenn man nicht angesprochen wird.
Also als Schandmaul Fan habe ich diese Musik von ihnen früher gemocht. Aber du meinst wohl andere Fans:
https://www.youtube.com/watch?v=qgCUoj_Z-h4
"Da darf man sich gerne mal zurückhalten, wenn man nicht angesprochen wird."
Man darf auch das Gegenteil machen und sich nicht zurückhalten.
"Das ist eine solide Scheibe"
Nice, ich wollte schon immer solide Musik hören.
Edit:
Seht, es ist Lovecraft77! Gleich neben Poe69!
Getroffen Hunde und so...q.e.d. - Setzen. Thema verfehlt. Und ja...ich mag von manchen Bands solide Musik.
Dieser Kommentar wurde vor 18 Tagen durch den Autor entfernt.
Seht, es ist Lovecraft, großer Fan solider Musik, der sich statt zur Musik lieber abfällig über andere User, die seinen Geschmack nicht teilen oder nicht seiner Meinung sind äußert.
Hey, Puschel, ein möglicher neuer Freund für Dich.
Wundervoll! Schandmaul hält trotz des Ungemachs das Steuer fest in der Hand! Ich sehe euch im Februar in Hamburg.
Schmandmaul
Nee… lass mal… das ist so Alexander Prinz-Musik.
Wahr.
Diese Gurkentruppe, Saltatio Mortis, In Extremo, Feuerschwanz, D’Artagnan und so viele andere, sind genau das, was mit dieser deutschen Mittelaltermethornvikingsdeluxeboxü40geflochtenerziegenbartszene nicht stimmt. Ich kann das alles nicht mehr sehen. Die Bands, die Methornmärkte und die Menschen die auf den selben spawnen.
Dann ist es einfach nicht deine Musik und Kein Grund, dann Hass gegenüber den Hörern und Besucher der Märkte zu verbreiten.
Das tendiert aber mittlerweile eher in Richtung Musikantenstadl, als zu Mittelaltermusik, daher kann ich seine Aussage verstehen. Ich würde daher an deiner Stelle nicht für die Besucher der Märkte sprechen
Ach, wieder diese negativen Vibes hier. Was bitteschön kann falsch daran sein, sich in einen Holztrog zu setzen, in dem zuvor schon 80 andere Menschen gebadet haben?
Auf wie vielen Märkten wart ihr um das beurteilen zu können?
Goblin69, auf wievielen muss man mindestens gewesen sein um da kredible Schlussfolgerungen ziehen zu dürfen?
Mittelaltermärkte sind auf einem ähnlichen Niveau wie HipHop-Events. Nur das die Baggyhosen-Träger deutlich schlimmere Hygieneprobleme haben.
Ich habe nicht mitgezählt, aber bei mir waren es 5-10. Gibt da immer mal wieder auch leckeres Essen und Trinken und den Kids hat es immer gefallen. Gelegentliches Stirnrunzeln blieb nicht aus, aber wenn die darauf Bock haben, wer bin ich das zu verurteilen.
Apropos, wer Bock auf Mittelalteratmosphäre und leckeres, nicht authentisches (weil veganes) Essen haben sollte und zufällig in Stockholm weilt, der sollte dringend Galdrs Krypta dort besuchen.
Wer Bock auf das Thema hat, da gibt’s ne echt spannende Ausgabe von Sternstunden der Philosophie zu:
https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-phi…
Dann geh nicht hin. Wo ist das Problem? Das Leute Spaß mit etwas haben, was einem persönlich nicht gefällt. Als ob Schandmaul ihm irgendwas wegnehmen...Peinlich.
Ich stelle mir das so vor:
Napalm Records haben sich in der Redaktion gemeldet und gefragt: "Hey, es ist ja gar nicht so, dass wir nur generischen Mist machen. Wir haben durchaus auch einige gute und stabile Bands im Programm. Die Villagers of Ioannina City zum Beispiel. Wollt Ihr mit denen bemustert werden?"
Und die Redaktion so: "Nö, lasst mal. Gebt uns bitte den Bullshit, AUSSCHLIESSLICH den Bullshit! Den lieben wir hier sehr. Haben nicht Bülent Ceylan und Schandmaul gerade neue Platten gemacht? Immer her damit!"
Neine Ahnung ob das so ist, aber Napalm hat wirklich sehr viel generischen, verkitschten Kram! Aber du hast recht, die eine oder andere Perle ist oder war mal dabei
Früher hieß es, dass Labels solche generischen Bands auch machen, um im Zweifel den schwierigeren Stoff querzufinanzieren. Und sie verkaufen sich eben wie billig gepanschter Sangria im Bierkönig. Bei Napalm bin ich mir da mittlerweile nicht mehr sicher, denn die Generika gewinnen langsam die Oberhand. Ansonsten würde ich aber anerkennen, dass Bands wie Candlemass, Knife, Katatonia, Nile, Heathen, Monster Magnet oder Exodus schon ein gewisses Standing haben - und auch Respekt verdienen
. Eine Zeit lang waren sie auch im Stoner- und Retrorock ganz gut aufgestellt, aber Acts wie Greenleaf, Brant Bjork oder Hällas sind nicht mehr beim Label, wenn ich richtig informiert bin.
@Lama
Ich würde neben den von dir Erwähnten noch Tiamat, Moonspell, Evil Invaders, Jinjer, My Sleeping Karma und die überragenden Year of the Goat nennen.
Und solange Napalm Bands wie die Villagers auf dem Hero-Banner auf ihrer Website pusht, ist mir auch egal, wenn sie Bands wie Feuerschranz mit dabei haben. Gerade solche kommerziellen Bands sorgen für den Erfolg des Unternehmens und davon profitieren sicher auch alle anderen (hoffe ich zumindest).
Klar, das war ne Auswahl. Mit Nestor und The Night Flight Orchestra haben sie ja auch die aktuell besten AOR-Bands im Stall: Ich habe es mal dezent verschwiegen, um jemanden, der mit "Authentizität" kommt, nicht in einem mehrseitigen Roman erklären zu wollen, warum die subtil-verdichteten und sehr aufwendig ausgearbeiteten Arrangements einer Band wie TNFO nicht mit dem Begriff "generisch" zu verrechnen sind
. Dass eine Band wie Jinjer mit ihren hochkomplexen Songs zu einer der wichtigsten Metalcore-Bands Europas aufsteigen konnte, ist auch ein kleines Wunder. Da steckt ja mehr progressiver Death Metal der Opeth/Death-Bauart drin als "Metalcore" im strengeren Sinne. Politisch hat die Band durchaus auch was zu sagen. Apropos YOTG: Das Duo "Year of the Cobra" haben Napalm Records ja auch gemacht. Eine der interessanteren Alternative-Metal-Bands der letzten Jahre.
@Lama & Puschel
Nachtrag …
Ich vermute, dass kommerzielle Labels wie z. B.Napalm, Nuclear Blast oder Century Media immer die Prämisse haben, möglichst erfolgreiche Bands abzufischen oder eben solche von denen sie sich versprechen, dass sie sehr erfolgreich werden.
Wenn solche Label auch unbekanntere Künstler dabei haben könnte es daran liegen, dass sie sich breiter aufstellen wollen und/oder Indie-Labels verbrennen möchten (was ich allerdings an der schieren Veröffentlichungsflut für unmöglich halte). Oder Mitarbeiter genug Einfluss haben, eine von ihnen geliebte Band mit ins Repertoire aufzunehmen.
Ist aber nur eine Vermutung. Vielleicht kann hier jemand mehr aus eigener Erfahrung dazu sagen.
@Lama
Danke für den Tipp mit Year of the Cobra! Bin gespannt. Kenn ich noch nicht.
Und TNFO sind natürlich sehr sympathisch und in ihrer Sparte wie du sagst herausragend.
Also was hat Tonni Henning da geraucht? Allein das Album Cover reicht für einen Stern. Sternensegler, Schandmaul und die Tracklist liest sich wie Unheilig
Unheilig = Goth Schlager
Schandmaul = Mitelalter Schlager
beides = Müll
Ich kann auch nicht nachvollziehen, was man mit Unheilig anfangen soll. Goth Schlager passt ganz gut als Bezeichnung. Aber jedem das Seine!
Das stand ja schon über den Toren…ach, lassen wir das
https://voxvulgaris.bandcamp.com/album/the…
Wenn ihr noch Bands sucht, die diesen klassischen Mittelalter-Sound immer noch spielen. Aber so ganz klassisch ist das auch nicht, da in vielen Momenten so ziemlich anatolisch inspirierte Momente durchschimmern, das auch nicht unbedingt alles historisch genau ist und generell ein recht anderer Ansatz ist. Der Punk-Spirit steht im Vordergrund. Gibt auch ein zweites Album, das kürzlich erschien.
Dieser Kommentar wurde vor einem Monat durch den Autor entfernt.
Ich als notorischer Besserwisser
übersehe mal die schwierige Formulierung „klassischer Mittelalter-Sound“, wende aber ein, dass „anatolisch inspiriert“ nicht ganz unproblematisch ist. Die mittelalterliche Musikkultur war ja keineswegs ein isoliertes europäisches Phänomen. Man munkelt sogar, dass sich das Christentum vom östlichen Mittelmeerraum aus ausgebreitet habe. Und wer sich etwa das „Palästinalied“ anhört, bekommt schon eine Ahnung davon, wie wenig unsere heutige Vorstellung von Dur und Moll mit mittelalterlicher Musik zu tun hat: modale Tonräume, dorische Färbung, offene Quinten, oder wie immer man das alles nennt. Das kommt manchem Ohr "orientalisch" vor. Übrigens auch ein schönes Argument gegen unsere Kulturbewahrer von Rechtsaußen: Das, was ihr da trällert und worauf ihr euch so gerne beruft, hat eine ziemlich lange Reise hinter sich. 
(PS: Vorheriger Kommentar gelöscht, da ich die falschen Emojs ausgewählt hatte
.)
(PPS: DEN Kommentar lösche ich jetzt nicht, auch wenn ich den Weihnachtsmann auch versehentlich eingefügt habe. Ich meinte "höhö", nicht "hoho"
. Meine Emoji-Kompetenz ist ungefähr so ausgeprägt wie mein Verständnis von Quantenphysik.)
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Diese Mikrotöne, wie sie in der türkischen Musik typisch sind, gab es auch in der europäischen mittelalterlichen Musik, bevor sich im Spätmittelalter die Polyphonie in Europa durchgesetzt hatte. Auch Improvisation war ein wichtiger Bestandteil. Im Grunde sind Vox Vulgaris eher an der ursprünglichen Musik des Mittelalters dran als viele Marktkapellen, die im Grunde reine Partymusik spielen. Nur versehen Vox Vulgaris das Ganze mit einem modernen Twist, in dem sie etwa moderne Instrumente einbinden und die Musik mit einer gewissen Punk-Attitüde spielen.
Hätte vielleicht dazu schreiben müssen, diesen Mittelalter-Sound, wie man ihn heute, bedingt durch diese Marktkapellen Marke frühe Corvus Corax oder Saltatio Morris, wahrnimmt.
Und klassisch weg. Eher akustisch gespielten.
tonotasten: "in dem sie etwa moderne Instrumente einbinden und die Musik mit einer gewissen Punk-Attitüde spielen."
Was genau ist daran eigentlich punk?
Ich frage aus reinem Interesse, kann den Punk Stil glaube ich noch nicht so richtig enordnen.
Freut mich immer, als Erfinder dieses laut-internen "Musik für.." Spiels, eben diese meineigene Kreation evolvierend im Alltag zu erleben
Unterirdisch.
Freue mich schon auf die Rezension von den ebenso unsäglichen Chapter 7.
Geiles Teil 5 Sterne
du.. nervst